Weltfrauentag
Gleichberechtigung muss immer vor der eigenen Haustür beginnen

Vor dem Weltfrauentag 2020 analysiert unsere Expertin für Menschenrechte die Situation von Frauen weltweit.
Weltweit gibt es eine große Differenz zwischen den Gehältern von Frauen und Männern - auch in Deutschland
Weltweit gibt es eine große Differenz zwischen den Gehältern von Frauen und Männern – auch in Deutschland © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Weltweit erhalten Frauen für die gleiche Arbeit noch immer weniger Lohn als Männer. Frauen leisten fast ausschließlich die unbezahlte Pflegearbeit ihrer Angehörigen. Frauen haben in vielen Ländern keinen Zugang zu Eigentum. Frauen werden weltweit erbrechtlich benachteiligt. 

Obwohl sie die Hälfte der Weltbevölkerung stellen, sind Frauen als Wählerinnen, Parteiführerinnen und gewählte Amtsträgerinnen nach wie vor unterrepräsentiert. Trotz einer Verdopplung in den vergangenen 25 Jahren sind nur etwas mehr als 20 Prozent der Parlamentarier weltweit Frauen. Die aktive Beteiligung von Frauen muss auf allen Ebenen der Politik gleichberechtigt und genauso selbstverständlich wie für Männer möglich sein. Denn es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass mit der Wahl von mehr Frauen der Lebensstandard in den Ländern steigt, die Wünsche und Bedürfnisse von Familien, Frauen und Minderheiten angesprochen werden und das Vertrauen in die Demokratie wächst. An so unterschiedlichen Orten wie Kroatien, Marokko, Ruanda oder Südafrika hat die Tatsache, dass mehr Frauen als Gesetzgeber tätig sind, zu Gesetzen geführt, die sich auf Antidiskriminierung, häusliche Gewalt, Erbschaften und Kindesunterhalt beziehen. 

Inzwischen herrscht wissenschaftlicher Konsens: Sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer profitieren, wenn Frauen im gleichen Maße wie Männer an der Arbeitswelt teilnehmen, die gleiche Anzahl von Stunden arbeiten und sektorübergreifend auf dem gleichen Niveau wie Männer beschäftigt sind. Die Folge wären globale BIP-Zuwächse in Billionenhöhe.

Bei uns in Deutschland herrschen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie eine verhältnismäßig gute wirtschaftliche Gleichberechtigung – doch es braucht weiteres Engagement. Der Einsatz für Gleichberechtigung muss immer vor der eigenen Haustür beginnen, ehe wir den Blick nach außen und auf andere Länder richten. Gerade in Deutschland haben wir in Bezug auf die gleichberechtigte politische Partizipation von Frauen noch sehr viel zu tun. Von 709 Abgeordneten sind im Deutschen Bundestag derzeit nur 221 Frauen. Das ist eine Verschlechterung im Vergleich zu den Legislaturperioden zuvor.

Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigt, dass Unternehmerinnen und Managerinnen in deutschen Schulbüchern nur selten erwähnt werden. In der Regel werden tradierte Rollenbilder gepflegt: Frauen sind keine Arbeitgeberinnen, sondern Männer. Frauen werden in deutschen Schulbüchern überwiegend als Mitarbeiterinnen von Männern dargestellt.

Es ist die Aufgabe von Politikern und Politikerinnen die Bedingungen für die Gleichberechtigung von Frauen zu schaffen. Schließlich sind es nicht nur Frauen, die den Preis für die Benachteiligung und Diskriminierung zahlen. Die Auswirkungen betreffen alle Menschen, wenn das Potenzial der einen Hälfte nicht ausgeschöpft wird. Wir untergraben die Möglichkeiten unserer Demokratie und die Stärke unserer Volkswirtschaften solange Frauen weiterhin nicht gleichberechtigt an allen Bereichen des wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens teilhaben.


Ausfürhliche Informationen zur Arbeit der Friedrich-Naumann-Stiftung beim Thema Frauen- und Menschenrechte lesen Sie in unserem Menschenrechtsbericht: 

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
Jordi Razum
Kommunikationsreferent
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