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Zukunft der Innenstädte

Innovationspotenziale in der Entwicklung zukunftsfähiger Innenstadtkonzepte
Zukunft der Innenstädte

© Canva: Kozymeii Kong / pexels

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in den Innenstädten besonders spürbar. Das Treffen im Café fiel lange Zeit aus, der Einkaufsbummel am Wochenende konnte nicht mehr stattfinden und für viele wirkt der letzte Theater- oder Kinobesuch wie aus einer anderen Zeit. Durch die Delta-Variante herrscht neue Unsicherheit darüber, ob wir in den nächsten Monaten wieder mit Einschränkungen rechnen müssen. Die Innenstädte wären ohne Zweifel besonders betroffen.

Die Rufe nach einer Rettung der Innenstadt sind nachvollziehbar – doch sie greifen zu kurz. Sie missachten, was unsere Innenstädte schon immer ausgezeichnet hat: Sie sind ein Motor für Innovation. Alles daran zu setzen, unsere Innenstädte in ihrer jetzigen Form zu bewahren, wird auf Dauer nicht reichen. Vielmehr muss es darum gehen, das Innovationspotenzial aller innerstädtischen Akteure zu aktivieren.

Aus diesem Grund hat die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (Fraunhofer IAO) mit der Erstellung einer Studie zur „Zukunft der Innenstadt“ beauftragt. Die Studie macht deutlich: Wenn Kommunen und der Einzelhandel ihre Konzepte und Ideen in die Tat umzusetzen können, blicken unsere Innenstädte einer positiven Zukunft entgegen – trotz Corona.

Zunächst werden in der Studie die zentralen Herausforderungen unserer Innenstädte analysiert. Hierzu zählen die digitale Transformation des stationären Einzelhandels, ein erhöhtes Logistik- und Verkehrsaufkommen sowie eine teils unzureichende Aufenthaltsqualität. Durch die Analyse wird klar: Die Transformation unserer Innenstädte ist keineswegs neu – sie wird durch Corona lediglich beschleunigt. Den Kern der Studie bilden nationale sowie internationale Best-Practice-Beispiele, die die vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten unserer Innenstädte aufzeigen. Hierbei werden neben praktischen Anwendungen auch aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und damit für alle kommunalen Entscheidungstragenden verfügbar gemacht. Die Forscherinnen und Forscher von Fraunhofer IAO identifizieren hierfür vier Innovationsfelder:

  • Lokale Wertschöpfung und innerstädtischer Handel: Mit digitalen Marktplätzen wird auch traditionellen Fachhandlungen der Schritt in eine vernetzte Handelswelt geebnet. Ein hybrider Einzelhandel führt durch das Zusammenspiel von E-Commerce und stationärem Handel zu einer deutlichen Aufwertung des Einkaufserlebnisses. Durch urbane Produktion und urbane Landwirtschaft erschließen Innenstädte völlig neue Märkte.
  • Städtischer Transport: Mit einem digitalen Lieferzonenmanagement können Lieferfahrzeuge die Verfügbarkeit von freien Ladezonen in Echtzeit prüfen und damit Verkehrsprobleme vermeiden. Ein intelligentes Routen- und Auftragsmanagement für Lastenräder sowie temporäre Umschlagplätze reduzieren die Verkehrsbelastungen durch große Transportfahrzeuge. Mit einem datenbasierten kommunalen Parkraummanagement kann eine effizientere Ausnutzung von Parkflächen erreicht werden.
  • Aufenthalt und Erlebnis: Mit Pop-up-Straßenlokalen wird den Inhaberinnen und Inhabern von Gaststätten gestattet, angrenzende Parkflächen temporär zu beziehen. Zur Unterstützung von Kreativschaffenden können Gewerbeflächen je nach Tageszeit oder Saison für unterschiedlichen Nutzungen bezogen werden, um somit eine höhere Nutzungsintensität von Gewerbeflächen zu erreichen. Mit Augmented Reality Navigation lassen sich Innenstädte selbstständig erkunden.
  • Identität und Image: Mit einer umfassenden Social-Media-Strategie können die Vorzüge der Innenstadt kostengünstig beworben werden. Um das Angebot an innerstädtischen Wohnraum zu erhöhen, muss über die effiziente Umnutzung von Brach- und stillgelegten Industrieflächen eine höhere innerstädtische Dichte erreicht werden. Dabei können Co-Housing-Projekte die Sharing-Kultur als Wohnkonzept aufgreifen.

Fazit: Innenstädte waren schon immer ein Ort des Wandels und der Innovation. In Zeiten von Corona können Innenstädte diese Stärke ausspielen – mit digitalen Einzelhandelskonzepten, innovativen Mobilitätslösungen und pragmatischen Flächennutzungen. Die Forscherinnen und Forscher von Fraunhofer IAO sehen die Innenstadt der Zukunft als Innovationslabor, in dem neue Konzepte erarbeitet und erprobt werden können. Innenstädte können diese Rolle jedoch nur annehmen, wenn kommunale Verwaltungen die passenden Rahmenbedingungen schaffen und die Kommunen über die strukturellen Voraussetzungen verfügen, um ihre Ideen umzusetzen. Wenn dies gelingt, können wir unsere Innenstädte nicht nur retten, sondern noch besser machen.