Mit Tausendfüßlern zum Doktortitel

Eine Auswahl der ungewöhnlichsten Promotionsthemen unserer Begabtenförderung

Nachricht06.04.2018Anja Schorr
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Dem Wort Dissertation haftet ein ganz besonderer Beigeschmack an: Lange Nächte am Schreibtisch, viel zu viel Kaffee, seitenweise klein gedrucktes Papier, der leicht staubige Geruch von Universitätsbibliotheken. Doch staubtrocken müssen Doktorarbeiten dabei nicht sein. Wir stellen Euch die ungewöhnlichsten Themen unserer Stipendiaten vor.

Jede Menge Arbeit und Zeit verbringen Promovierende alleine mit ihrem Meisterwerk, bevor es endlich so weit ist: Die Arbeit wird bewertet, veröffentlicht  und kann damit von jedem gelesen werden. Theoretisch. Denn kaum eine der ca. 27.000 jährlich [1] in Deutschland veröffentlichten Doktorarbeiten ist außerhalb des akademischen Umfelds bekannt, selbst Familie und Freunde geben meist nach dem Vorwort auf. Eigentlich schade.

Die Stiftung für die Freiheit unterstützt jedes Jahr knapp 150 junge, kreative Menschen bei ihrem Promotionsvorhaben. Und manch angehender Doktor hat sich an ganz ungewöhnliche Themen herangewagt, die überraschen, manchmal ein Schmunzeln hervorrufen und auf jeden Fall neugierig machen. Alles andere also, als langweilig und verstaubt.  

The Party is over

Bestes Beispiel dafür ist unser Stipendiat Michael Klipphahn, der  an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden promoviert. Titel seiner Arbeit: „The Party is over. Reminiszenzen des Ausschweifens in der Gegenwartskunst“. Klipphahn meint, dass sich nach dem Ende der Techno-Ära und dem Beginn der Mainstream Clubkultur ein „gesellschaftlicher Hangover“ eingestellt hat. Und so beschäftigt sich der angehende Doktor der Kunstgeschichte mit der daraus resultierenden Darstellung von Clubkultur-Erfahrungen. Neue Gestaltungsformen durch digitale Technologien spielen vor allem eine Rolle bei der Frage, wie dieser „Mythos des exzessiven Feierns“ durch die aktuelle Künstlergeneration verarbeitet wird.

Spiele spielen

Auch Enrique Alejandro Perez Dominguez beschäftigt sich mit einem Phänomen, das für viele Menschen ein Abschalten vom Alltag bedeutet: Dem Spielen. Besser gesagt, dem Entwickeln von Spielen. Denn neben den großen Mainstream-Games der Spieleindustrie, wie z.B. „Grand Theft Auto“, entstehen auf alternativen Spiele-Plattformen sogenannte „Indie-Games“, die sich Menschen privatt ausdenken und designen. Im Fach Kulturwissenschaften untersucht und vergleicht der gebürtige Mexikaner an der Leuphana Universität Lüneburg die Designmethoden der Indie-Games. Spannend ist für ihn dabei besonders, dass sich diese Spiele nicht an die üblichen Konventionen der Spieleindustrie halten.

Spielt er den selber auch Spiele? „Nach einem langen Tag Arbeit an meiner Dissertation, habe ich meistens keine große Lust, mich noch vor den Computer zu setzen und Spiele zu spielen“, so der Doktorand. „Von Zeit zu Zeit spiele ich aber schon. Shooting-Spiele sind aber gar nichts für mich. Ich mag z.B. "Sundered" von Thunder Lotus Games oder "Cuphead" von StudioMDHR Entertainment. Diese Spiele bieten handgezeichnete Grafiken und sind sehr herausfordernd.“ Schon  in seinem Masterstudium beschäftigte er sich mit dem Thema Gaming. Damals lag der Fokus  auf gesellschaftlichen und politischen  Zielen, wie beispielsweise der Bekämpfung von Mobbing oder Korruption. Noch heute gibt Enrique Alejandro Workshops dazu.

Von Menschen und Tausendfüßlern

Eva Krockow beschäftigt sich an der University of Leicester in ihrer Promotion im Fach Psychologie mit einem Thema, das sich der ein oder andere vielleicht ganz heimlich auch schon selber gefragt hat. Ist es nicht eigentlich für den Einzelnen vernünftiger, ausschließlich eigennützig zu handeln? Gemäß dem Sprichwort: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht?“. Um zu testen, warum Menschen eigentlich einander helfen und was sie dazu motiviert, zieht die Doktorandin der Psychologie das Tausendfüßler-Spiel zu Rate. Bei diesem mathematischen Spiel geht es darum, zwei Menschen in eine Entscheidungssituation zu bringen. Abwechselnd haben sie z.B. die Möglichkeit, einen ständig anwachsenden Geldtopf zu wählen oder an den nächsten Spieler weiterzugeben. Wann handeln Menschen kooperativ? Ein Spagat zwischen Mathematiktheorie und empirischer Psychologie.

Selbstmitfühlende Manager

Sozialpsychologe Aljoscha Dreisörner hat sich ein Promotionsthema ausgesucht, das immer mal wieder in den Medien diskutiert wird. Er beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt mit dem Selbstmitgefühl von Managern. Damit ist gemeint, wie diese mit den eigenen Fehlern und Schwächen umgehen. Er stellt dabei die These auf, dass selbstmitfühlende Manager die besseren Führungskräfte sind. Gerade in Zeiten hoher Arbeitsbelastung und starkem Selbstanspruch im Job ein Thema, von dem man sich vielleicht auch die eine oder andere interessante Handlungsempfehlungen versprechen darf.

Sucht auch Ihr Förderung für Euer Promotionsvorhaben? Noch bis zum 30. April ist das Bewerbungsportal unserer Begabtenförderung geöffnet. Für unser Sonderpromotionsprogramm, die „Stipendien der Freiheit“ könnt  ihr Euch sogar noch bis zum 30. Juni bewerben. Wir freuen uns auf Eure Unterlagen!