Ein Leben für die Bürgerrechte

Dialog zu liberaler Bürgerrechtspolitik anlässlich des 85. Geburtstages von Gerhart Baum

Nachricht10.11.2017
Generationsübergreifend - Gerhart Baum mit FDP-Chef Christian Lindner.
Generationsübergreifend - Gerhart Baum mit FDP-Chef Christian Lindner. Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Der ehemalige deutsche Innenminister und Liberale Gerhart Baum wird 85. Grund genug für die Stiftung für die Freiheit zu einem Dialog zu laden und mit ihm über Bausteine  liberaler Bürgerrechtspolitik zu sprechen.

„Kämpfer, lebenslag“, so wurde Gerhart Baum kürzlich in einem Artikel des Handelsblatts betitelt. Ein Kämpfer für den Schutz der Bürger- und Menschenrechte. Es sind diese Themen, die seit Jahrzehnten ganz oben auf Baums Agenda stehen – ob als deutscher Innenminister während des Deutschen Herbstes oder als langjähriger Abgeordneter der Freien Demokraten. Seit dem Ende seiner politischen Laufbahn hat Baum nun neue Wege gefunden seine Ziele zu vertreten. Luftsicherheitsgesetz, Vorratsdatenspeicherung oder Dieselaffäre: Wiederholt ist er mit Gleichgesinnten erfolgreich vor das Bundesverfassungsgericht gezogen.

Baum setzt sich ein – und das wird im politischen Deutschland anerkannt. Dies stellte auch FDP-Chef Christian Lindner in seiner Laudatio im Hans-Dietrich-Genscher-Haus fest: „Hier sitzen nicht nur Freie Demokraten oder Liberale, hier sitzen auch Sozialdemokraten und Grüne. Das sagt eine Menge über den Menschen Gerhart Baum aus. Er wird über Parteigrenzen hinweg respektiert. Wir sind stolz einen wie ihn in unseren Reihen zu haben.“

Wolfgang Gerhardt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung für die Freiheit.

„Man weiss, wenn man mit ihm spricht, woran man ist.“

Wolfgang Gerhardt

Für Lindner ist es wesentlich, gerade in einer Zeit, in der viele Menschen denken, „Sicherheit ist wichtiger als Bürgerrechte“, wie Gerhart Baum den Geist des Grundgesetzes zu verteidigen. Denn „noch nie ist so sehr in unsere Bürgerrechte eingegriffen worden“. Dabei wird jedoch „nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Verunsicherung geschaffen“.  

Gerhart Baum ist ein “Vorbild der Angstfreiheit und ein kritischer Freund”, so Lindner. Und gerade deshalb habe er in den vergangenen Monaten wohl öfter gehört: „Wenn der Gerhart Baum die aktuelle FDP gut findet, dann ist die wählbar“.  

Im folgenden Gespräch mit Gerhart Baum, das der Journalist und Fernsehmoderator Heiner Bremer führte, unterstrich Baum, dass es für ihn immer wichtig war, dass „es eine liberale Partei in Deutschland gibt“.

Heiner Bremer, Journalist und Fernsehmoderator.

„Es ist schön, mit jemandem sprechen zu können, der die Geschichte der Republik in diesem Maße mitgeprägt hat.“

Heiner Bremer

Die aktuelle Verunsicherung der Menschen gibt Baum besonders zu denken: „Die Unsicherheit ist ein gefährliches Gefühl.“ Gegen die Angst der Menschen muss man ankämpfen, denn „der hinterlistigste Dämon gegen unsere Freiheit ist die Angst“.

Sicherheit, aber nicht auf Kosten der Freiheit

„Bei allem was in Deutschland passiert, wir leben in einem sicheren Land. Natürlich müssen Sachen verbessert werden, aber nicht auf Kosten der Freiheit“, so Baum. Die Lösung sieht Baum dabei nicht in einer Verschärfung von Regeln. „Wenn wir so tun als würden strengere Gesetze alles besser machen, dann ist das eine Täuschung.“

Auch beim Thema Menschenrechte hakte Heiner Bremer noch einmal nach. Für Gerhart Baum ist klar „Menschenrechtspolitik ist immer Einmischung“. Und in Extremfällen muss diese Einmischung auch ggf. militärisches Eingreifen beinhalten, meint Baum.  

Etwas persönlicher werdend, blickten Bremer und Baum dann noch einmal auf viele Jahre politischen Engagements zurück. „Mich hat immer die Zustimmung von Menschen, die mir wichtig waren, motiviert weiter zu machen“, erklärte Baum und bedankte sich bei Weggefährten wie dem anwesenden Alt-Bundespräsident Joachim Gauck und dem Stiftungsvorsitzenden Wolfgang Gerhardt für den gemeinsamen Austausch. Der größte Dank galt jedoch natürlich seiner Frau Renate Liesmann-Baum, „die dafür zuständig ist, dass ich hier so gesund und munter sitze“ und mit der er schon viele Jahre die Intitiative EXIT Deutschland unterstützt, die Programme für Aussteiger aus der rechtsextremen Szene entwickelt.