Wirtschaft
Taiwans Chiphersteller TSMC: Das wertvollste Unternehmen Asiens soll nach Deutschland kommen

Das Logo von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, dem weltweit größten Auftragsfertiger von Chips, in Tainan, Südtaiwan.
Das Logo von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, dem weltweit größten Auftragsfertiger von Chips, in Tainan, Südtaiwan. © picture alliance / dpa | David Chang  

Der taiwanische Chiphersteller TSMC spielt für die Insel eine herausragende Rolle, sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch, und kürzlich sogar gesundheitspolitisch. Was ist das Besondere an diesem Unternehmen, das jetzt voraussichtlich nach Deutschland kommen wird?

„TSMC ist der heilige Berg der Taiwan beschützt“  – diese Antwort bekommt man häufig, wenn man in Taiwan nach diesem Akronym fragt. Aber was steckt eigentlich hinter diesen vier Buschstaben? Ein paar Fakten: TSMC steht für Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, und stellt, wie der Name schon sagt, Halbleiterprodukte und vor allem Chips her. TSMC ist hinter Intel und Samsung der drittgrößte Hersteller von Halbleiterprodukten, und der weltweit größte Auftragsfertiger für Unternehmen wie Apple oder Qualcomm. Im August löste TSMC - aktueller Börsenwert: 564,4 Milliarden US-Dollar - die chinesische Firma Tencent als wertvollstes Unternehmen Asiens ab.

„Halbleiterprodukte“ ist ein etwas sperriger Ausdruck. Besser bekannt sind die Erzeugnisse von TSMC unter dem Begriff „Chips“. Bis vor der Pandemie war die häufigste Assoziation zu „Chips“ wahrscheinlich „frittierte Kartoffelscheiben“. Spätestens im Januar 2021 änderte sich das mit der weltweiten Chip-Knappheit und den daraus resultierenden Konsequenzen für Hersteller und Verbraucher. Laptops und Handys hatten plötzlich deutlich längere Lieferfristen und die Preise stiegen. Die deutschen Autohersteller mussten ihre Produktion herunterfahren, weil es nicht genügend Chips für die elektronische Steuerung der Wagen gab.

Neben dem Mangel an der absoluten Anzahl an Chips war auch die Logistik ein Grund dafür, dass die deutsche Industrie nicht genügend Chips für ihre Produktion zur Verfügung hatte. Flüge und Schiffe verkehrten wegen der Pandemie weniger häufig. Das führte dazu, dass alle Kapazitäten, gerade in Richtung Ost-West, häufig komplett ausgebucht waren. Die Verletzlichkeit der globalen Lieferketten wurde durch die Corona-Pandemie deutlich, genauso wie die Abhängigkeit von asiatischen Chipherstellern wie TSMC. Die Situation geriet so schlimm für deutsche Unternehmen, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sich zu dem außergewöhnlichen Schritt entschied und einen Brief an die Taipei-Vertretung in Berlin schrieb, in dem er um Unterstützung für die deutsche Autoindustrie bat.

Auf der diesjährigen Aktionärsversammlung im Juli gab TSMCs Vorstandsvorsitzender Mark Liu bekannt, dass TSMC die Eröffnung einer Fabrik in Deutschland plane, genauso wie auch in den USA und Japan. Für den deutschen Standort war zuerst München mit seiner Nähe zu BMW und Audi und der forschungsstarken Technischen Universität München, sowie Mercedes und Porsche im benachbarten Bundesland im Gespräch. Die Entscheidung scheint nun aber auf Dresden gefallen zu sein. Dort steht zwar kein Autobauer, aber die Kosten sind definitiv niedriger als in München. Und unter dem Dach von „Silicon Saxony“ sind dort bereits andere Hersteller angesiedelt, die benötigte Infrastruktur ist also vorhanden. Die Fabrik, die aller Voraussicht nach in Sachen gebaut werden soll, wird aber nicht die neuste Generation an Chips herstellen – diese Kapazitäten verbleiben weiterhin in Taiwan.

Davor hatte TSMC sich bewusst immer dagegen entschieden, Fabriken außerhalb Taiwans zu bauen. Man wollte das Knowhow und die Arbeitsplätze in Taiwan halten, hieß es zur Begründung. Die Schaffung von Arbeitsplätzen war auch ein Ziel, als TSMC mit staatlicher Unterstützung in den 1980er Jahren gegründet wurde. Auch heute noch sind etwa 90 Prozent der knapp 57.000 TSMC Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Taiwan angestellt.

TSMC ist inzwischen für Taiwan weitaus mehr als nur das erfolgreichste Unternehmen der Insel mit einem Jahresumsatz von 45,5 Milliarden US-Dollar, einem Gewinn von 17,6 Milliarden US-Dollar.  Viele Taiwanerinnen und Taiwaner sehen in dem Unternehmen auch die beste Lebensversicherung für Taiwan im schwelenden Konflikt mit der Volksrepublik China. China beansprucht Taiwan als „abtrünnige Provinz“ und hat explizit die Anwendung von Gewalt nicht ausgeschlossen, um Taiwan mit der Volksrepublik zu vereinen. So lange die Welt von den in Taiwan produzierten Halbleiterprodukten abhängig ist, so lange werden sich die Regierungen anderer Länder für Taiwan einsetzen -so zumindest die Hoffnung in der Bevölkerung. Denn ein Angriff auf Taiwan birgt das Risiko, dass die Produktion hier zum Erliegen kommt – mit massiven Auswirkungen für die Weltwirtschaft. Auch für die Volksrepublik China, die trotz massiven Investitionen in die eigene Halbeiterproduktion und -forschung weiterhin auf TSMCs Produkte angewiesen ist. Einige Menschen in Taiwan glauben daher, dass im Falle eines chinesischen Angriffes die Fabriken von TSMC der sicherste Zufluchtsort seien.

Als im Mai diesen Jahres auch in Taiwan Corona ausbrach und sich auf der Insel weiterverbreitete, wurde TSMC diesem Ruf als Beschützer gerecht, als die Firma über 5 Millionen Dosen BioNTech-Impfstoff kaufte und ohne Bedingungen an die Gesundheitsbehörden Taiwan spendete. Dies sorgte für große Erleichterung, weil die Beschaffung von Impfstoff im allgemeinen und von BioNTech im besonderen, sich als sehr schwierig für Taiwan herausstellte. Die Firma machte damit ihren Ehrennamen, die sie von den Taiwanern und Taiwanerinnen bekommen hat - „Der Heilige Berg, der Taiwan beschützt” und „Unser Silikon-Schild” - alle Ehre.

 

Anna Marti leitet das FNF-Büro in Taipei. Chou Ya-wei arbeitet als Programmmanagerin für den Global Innovation Hub der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Hier ist sie zuständig für den Themenbereich "Innovation for Democracy".

 

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