Besuchsprogramme
Digitale Kampagnenplanung in der Kommunalpolitik

Ein Online-Programm für die chilenische Partei Evópoli
Chile Digital Campaigning

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Nach unserer interessanten ersten digitalen Session "Kampagnenplanung" mit der chilenischen Partei Evópoli im Juni 2020, haben wir im Januar 2021 eine zweite virtuelle Programmwoche mit neuen und spannenden Gesprächspartnern geplant. Evópoli ist ein aktives Mitglied des Stiftungsnetzwerks RELIAL. Sie sind Teil der chilenischen Regierung. Da eine Anreise nicht möglich war, ermöglichten uns glücklicherweise die technischen Errungenschaften der Online-Meetings sowie die Möglichkeit, bei diesen Treffen eine Simultanübersetzung ins Spanische anzubieten, die chilenischen und deutschen Experten virtuell zusammenzubringen.

Erfreulicherweise konnten wir wieder Dr. Monika Ballin-Meyer-Ahrens als Moderatorin und als Expertin für das Einführungsseminar gewinnen, um einen tieferen Einblick in die Planung und den Wahlkampf von Kommunalwahlen in Gemeinden zu geben. Sie ist Politikberaterin, kandidierte als Oberbürgermeisterin in der Stadt Leverkusen und war somit eine große Bereicherung für unser Programm.

Unsere Teilnehmer erhielten praktische Anregungen für ihre anstehenden Wahlen und hilfreichen Input, wie sie ihr Netzwerk stärken und das Vertrauen der Wähler gewinnen können. Einige Schlüsselaspekte für den Wahlkampf wurden in allen Treffen während der Woche genannt - hören Sie den Wählern zu, seien Sie zuverlässig und erweitern Sie Ihr soziales Netzwerk.

Derzeit befinden wir uns aufgrund der Pandemie in einer schwierigen Situation. Daher wird eine digitale Kampagne unumgänglich und neue Strategien sind notwendig. 

 

Eine digitale Kampagne muss frisch und attraktiv sein, aber bestimmten Regeln und Techniken folgen. Wir haben Dr. Julian Jaursch, Projektleiter der Stiftung Neue Verantwortung (SNV), einem Think Tank an der Schnittstelle von Technologie und Gesellschaft, eingeladen, um über die Dos and Don'ts im Digital Campaigning zu diskutieren. Die digitale Welt bietet viele neue Möglichkeiten, ist aber gleichzeitig auch kaum Einschränkungen unterworfen. Wähler lassen sich durch eine geschickte Kampagne und bestimmte technische Features zwar leichter beeinflussen, eine mögliche Manipulation lässt sich aber nicht so leicht aufdecken. Internet-Cookies und spezielles Tracking könnten potentielle Manipulationsmöglichkeiten sein und den Einfluss von Parteien und Personen mit einem höheren finanziellen Rückhalt erhöhen.

 

Evópoli

Nachdem unsere chilenischen Teilnehmer einige der Herausforderungen in Bezug auf Online-Wahlkampf kennengelernt hatten, wurden sie Thorsten Anders, dem Geschäftsführer des Landesverbands der Liberalen in Nordrhein-Westfalen, vorgestellt. Er zeigte uns die verschiedenen Möglichkeiten und neuen Technologien, die die FDP, die Freie Demokratische Partei, während ihrer verschiedenen Kampagnen nutzte. Alle FDP-Mitglieder haben die Möglichkeit, einzigartige, aber einheitlich gestaltete Anzeigen für ihre Kampagnen zu erstellen - alles über eine Webseite. Diese Einheitlichkeit würde die Wiedererkennung der FDP-Designs unterstützen und gleichzeitig die Professionalität in den Kampagnen erhöhen. Social-Media-Kampagnen oder Plakate und Flyer hätten ein spezielles Design, wären aber direkt als FDP-bezogen zu erkennen.

Die Designs und das Marketing der FDP werden von der Werbeagentur "heimat" organisiert. Sie hielten eine interessante Präsentation mit praktischem Input, vielen Beispielen aktueller und vergangener Kampagnen und einigen Anzeigen, die frisch und frech waren und uns zum Schmunzeln brachten. Im Mittelpunkt stand der Kommunalwahlkampf in Nordrhein-Westfalen für Frau Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die als Bürgermeisterin in Düsseldorf kandidierte. Die Beispiele zeigten eine moderne und clevere Strategie, um die Aufmerksamkeit der Wähler zu gewinnen.

Unser nächster Gast hatte nach seinem klugen Wahlkampf einen Erdrutschsieg und war damit ein toller Gesprächspartner für unsere chilenische Gruppe, da viele von ihnen noch am Anfang ihres politischen Weges stehen. Enrico Eppner gewann gegen seinen CDU-Kontrahenten, der 26 Jahre lang als Bürgermeister einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen im Amt war. Er betonte, wie wichtig es sei, ein gemischtes Arbeitsteam mit verschiedenen Altersgruppen, Meinungen und Hintergründen zu haben und damit die Möglichkeit, viele verschiedene Wählergruppen durch ein vielfältiges Programm zu erreichen. Ein innovativer Wahlkampf, auch online und in den sozialen Medien, neue Ideen und vor allem ein offenes Ohr für seine Gemeinde haben sein Wahlergebnis sicher unterstützt.

"Das Programm betonte die Bedeutung von Teamarbeit und bot viele tolle Ideen für den Aufbau einer politischen Kampagne."

Teilnehmer

Den letzten Tag unserer chilenisch-deutschen Online-Reise beschloss Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Da wir ihre Kampagnen- und Designelemente bereits durch die Werbeagentur "heimat" kennengelernt hatten, hatte die Gruppe viele Fragen und wurde durch ihre Beispiele aus ihren Erfahrungen als Kommunalpolitikerin in Düsseldorf unterhalten. Die witzigste und innovativste Aktion war eine Kritik an der sogenannten Umweltspur (für Pendler mit mehr als drei Personen im Auto) in Düsseldorf. Während der Hauptverkehrszeit wurde die Strecke auf zwei von drei Linien reduziert, mit einer Pendlerlinie, was den Verkehr verringern sollte. Stattdessen vergrößerte sich natürlich der Stau. Also stellte die Kampagne von Frau Strack-Zimmermann eine riesige Anzeige neben der Straße auf, mit einem QR-Code zu einer Spotify-Liste mit vielen berühmten Liedern zum Thema Verkehr, Stau und Wartezeit. Als Zugabe stand sie mit einem Schild neben der Straße und "sucht Pendler", die zu zweit in ein Auto einsteigen, um mit ihr den Umwelttrack zu nutzen und staufrei in die Stadt zu kommen. Es war ein großer Erfolg und führte zu tollen Gesprächen mit den anderen Pendlern. Außerdem gab sie nützliche Tipps für eine mögliche Strategie zur Finanzierung eines Wahlkampfes und empfahl deutlich, den persönlichen Kontakt nicht nur zu Wählern, sondern auch zu Unterstützern zu pflegen. Ein Aspekt war, sich selbst treu zu bleiben und immer geradlinig zu sein.   

Während der Woche haben wir viele wirklich interessante und erfahrene Gesprächspartner getroffen. Die Quintessenz bei den Treffen war, sich persönlich zu verbinden und den potenziellen Wählern zuzuhören. Die Digitalisierung bietet jedoch neue Möglichkeiten und Chancen und zukünftige Kampagnen könnten zunehmend online stattfinden, warum also nicht die aktuelle Zeit nutzen, um in das digitale Zeitalter zu starten.

"Ursprünglich habe ich nur für die verfassungsgebende Versammlung teilgenommen. Dieses Seminar hat meine Motivation gesteigert, für Evópoli zu kandidieren. Für mich gibt es ein Vorher und ein Nachher mit der Friedrich-Naumann-Stiftung."

Teilnehmer

Wir bedanken uns bei unseren tollen Gesprächspartnern, Frau Ballin-Meyer-Ahrens, unserem Projektbüro in den Andenländern und besonders auch bei unseren Dolmetschern, die unserer Gruppe mehrsprachige Stimmen verliehen.