Regionale Kooperation
Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien - Wie aus entfremdeten Nachbarn eine Zukuntsschmiede wird

Menschenrechte, Anti-Diskriminierung und Geschlechterfragen
See in Action
© SEE in Action-Friedrich Naumann Foundation Greece and Cyprus

Mit der Mission eine trilaterale Zukuntsschmiede in Bewegung zu setzen, brachte die Organisation SEE in Action gemeinsam mit der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit zivilgesellschaftliche Organisationen aus Griechenland, Bulgarien und Nordmazedonien zusammen, die sich intensiv mit Fragen zu Menschenrechten, Antidiskriminierung und Gender befassen. Das zweite Treffen der Projektreihe fand vom 24. bis 26. Juni 2022 in Skopje, Nordmazedonien statt. Die Abschlussveranstaltung dieses grenzüberschreitenden Projekts findet im September in Sofia, Bulgarien, statt.

Das übergeordnete Ziel des Projekts besteht darin, junge Menschen aus den drei Nachbarländern zusammenzubringen, um Probleme zu diskutieren, welche die junge Generation betreffen, und bewährte Verfahren auszutauschen, die für andere Organisationen in anderen Ländern als Vorbild dienen können. Die Teilnehmer nahmen an einer Reihe von professionellen und dennoch jugendfreundlichen Gesprächsrunden teil, die es ihnen ermöglichten, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den drei Ländern zu finden, aber vor allem, was die drei Länder gemeinsam haben. Die Stärkung der  Jugend und gute nachbarschaftliche Beziehungen sind Voraussetzungen für die Behandlung wichtiger Probleme, die die Zukunft der trilateralen Beziehungen der Länder grundlegend verändern kann.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Frau Eleni Siapikoudi, Vertreterin der Friedrich-Naumann-Stiftung, und Frau Anna Bampili, der gemeinsamen Koordinatorin des SEE in Action Verbands. Frau Dr. Siapikoudi stellte die Geschichte, Tätigkeitsbereiche und Werte der Friedrich-Naumann-Stiftung vor. Frau Bampili gab einen Überblick über die Arbeit von See in Action sowie ihrer Werte und jüngsten Aktivitäten. Das Programm für die nächsten Tage wurde detailliert besprochen, danach hatten Vertreter der jeweiligen Organisationen die Möglichkeit, sich vorzustellen und die Arbeit der jeweiligen Organisationen zu präsentieren. Zu den teilnehmenden Organisationen gehören das Diotima-Zentrum für Gleichstellung und Rechte der Geschlechter aus Griechenland, das Institut für Menschenrechte und Elizabeta Buova (verantwortlich für das SEA-Schulungszentrum und Vertreterin von Radar) aus Nordmazedonien sowie die Unterorganisation Women's European Lobby und die Bulgarian Association Demetra. Die Organisatoren zeigten große Ambitionen: Die Politikempfehlungen aller Teilnehmer sollen im Anschluss zur Veranstaltung an die jeweiligen Behörden und Interessengruppen in Griechenland, Bulgarien und Nordmazedonien verteilt werden. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen eine Stimme und eine Plattform zu geben, um auf der Grundlage ihres Fachwissens zu den Themen, die ihnen am Herzen liegen, Praktiken und Empfehlungen zu entwickeln. See in Action und FNF glauben, dass junge Menschen aktiv in die Entscheidungsfindung einbezogen werden sollten, insbesondere wenn es um Jugendangelegenheiten geht.

See in Action
© SEE in Action-Friedrich Naumann Foundation Greece and Cyprus

Während des ersten Rundtischgesprächs am Samstag, dem 25. Juni, stellte Nikos Bakirtzis, Gründungsmitglied von See in Action, den Menschenrechtsaktionsplan der Europäischen Union (2020-2022) vor. Es befasst sich auch mit der Interdependenz von Menschenrechten und Zivilgesellschaft. Sein Vortrag gab der Diskussion einen starken Impuls und führte zu einer lebhaften Diskussion unter den Teilnehmern. Dimitra Latsiou (Rechtsanwältin im Diotima Center) startete in den Tag mit „Rätseln“ im Zusammenhang mit Menschenrechten, da diese eine gute Grundlage für tiefgreifende und produktive  Diskussionen zwischen den Beteiligten bieten. In der Vormittagssitzung konzentrierte sich die Gruppe auf das Thema „Protecting and Empowering Individuals“. Frau  Anna Bampili moderierte die Diskussion. Zunächst tauschten die Teilnehmer erfolgreiche Beispiele ihrer Arbeit aus. Anschließend wurde die Gruppe gebeten, die Frage zu beantworten: "Wie können Organisationen der Zivilgesellschaft anderen helfen, wenn sie ihre eigenen Probleme nicht lösen können?"

Die griechischen und mazedonischen Teilnehmer waren sich einig, dass es in beiden Ländern an Kooperation zwischen Staat und Zivilgesellschaft fehle. Darüber hinaus betonten Delegierte aus allen drei Ländern die Notwendigkeit, liberale demokratische Werte, insbesondere Inklusivität, weiter zu fördern,  da alle drei Länder aufgrund der geringen politischen Beteiligung und der Entfremdung von einem großen Teil der Gesellschaft vor großen Herausforderungen stehen. Darüber hinaus schaffen wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten in Verbindung mit der Unsichtbarkeit marginalisierter Mitglieder unserer Gemeinschaften große Härten für schutzbedürftige Menschen.

Die Nachmittagssitzung konzentrierte sich auf das Thema „Aufbau einer widerstandsfähigen, integrativen und demokratischen Gesellschaft“. Frau Anna Bampili moderierte die Diskussion. Zivilgesellschaftliche Organisationen versuchen laut den Teilnehmern, die Lücken zu füllen, die durch den Mangel an aktiver staatlicher Unterstützung für benachteiligte Gruppen entstanden sind. Zivilgesellschaftliche Organisationen nehmen den Staat also in die Pflicht, weshalb die Stärkung des zivilen und politischen Raums in den drei Ländern auf allen Ebenen unterstützt werden muss.

Alle Teilnehmer kamen zusammen, um Politikempfehlungen im Rahmen der dreigliedrigen Zusammenarbeit zu diskutieren. Ihre zentrale Forderung: Staat, Zivilgesellschaft und nicht staatliche Akteure müssen gemeinsam an einem Aktionsplan arbeiten, der Grundfreiheiten und Rechtsstaatlichkeit fördert und gleichzeitig Wirtschaft, Soziales, Kultur und Arbeit schützt.

See in Action
© SEE in Action-Friedrich Naumann Foundation Greece and Cyprus    

Am Sonntag,  26. Juni, moderierte  Anna Bampili den abschließenden Runden Tisch. Die Delegierten überprüften und verfeinerten ihre politischen Ideen und Empfehlungen aus früheren Sitzungen und gaben den Organisatoren Empfehlungen zur Verbreitung und Förderung dieser politischen Empfehlungen. Die aktive Beteiligung aller Beteiligten hat zur Entwicklung einer Reihe von Politikempfehlungen auf zwei Ebenen geführt. Sie kamen überein, konkrete Vorschläge sowohl für  Organisationen der Zivilgesellschaft als auch für die Behörden Griechenlands, Bulgariens und Nordmazedoniens zu unterbreiten. Sie vereinbaren auch, eine Plattform für den Menschenrechtsdialog für Minderheiten und andere marginalisierte Einzelpersonen, Gruppen und Gemeinschaften  einzubeziehen und bereitzustellen.

Insgesamt war die dreitägige Veranstaltung äußerst produktiv, da die Teilnehmer  ein integratives Umfeld geschaffen und  eine beeindruckende Bandbreite an  Ideen, Vorschlägen und Empfehlungen entwickelt haben, die in das endgültige Strategiedokument einfließen werden, was nach der dritten und letzten Veranstaltung, die im September in Sofia stattfindet, an die Behörden der drei Länder verteilt wird. Die abschliende Veranstaltung wird sich auf die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit konzentrieren.

Die Jugendzusammenarbeit schafft die Voraussetzungen für die Versöhnung der Gesellschaften und die Überwindung von Streitigkeiten und Feindseligkeiten, die unsere Region viel zu lange im Dunkeln gehalten haben.

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