Klima
Maßnahmen zum Schutz vor Hitze: Ice Ice Baby

hitze
© picture alliance / Fotostand | Fotostand / Reuhl

Die Attraktivität des städtischen Lebens ist nach wie vor ungebrochen. Berufsperspektiven, kulturelle Angebote, Freizeitbeschäftigungen und Gesundheitsversorgung – wer in den Städten lebt, lebt am Puls der Zeit. Dass das urbane Leben allerdings nicht nur positive Seiten hat, wird spätestens im Hochsommer klar. Wer bei zweiunddreißig Grad am Schreibtisch schwitzt, kommt doch ins Grübeln, ob die Vorteile der Stadt ihre Nachteile aufwiegen können.

Fest steht: In den Städten schlagen Hitzewellen meistens besonders zu Buche. Einmal aufgeheizt brauchen Städte lange, um sich wieder abzukühlen. Das liegt insbesondere am sogenannten Hitzeinseleffekt. Der hohe Grad der Bodenversiegelung verhindert, dass Wasser verdampfen und das Umfeld kühlen kann. Gleichzeitig erhitzen sich die im Bau benutzen Materialien besonders stark. Somit wird auch über Nacht die Hitze in den Städten gespeichert.

In einem älteren Artikel wurden die Gründe für den Hitzeinseleffekt bereits ausführlich beschrieben.In diesem Artikel geht es nun um die konkreten Lösungsmöglichkeiten. Denn auch wenn kurzfristig nur der Gang ins Freibad oder zur nächsten Eisdiele Milderung verspricht, können kommunale Entscheidungsträger, Städteplaner und auch die Bevölkerung mittelfristig das Problem der Hitzeinseln durchaus adressieren.

Maßnahmen zum Schutz vor Hitze

Grünflächen und Stadtbäume

Grünflächen sind das wohl wirksamste Mittel gegen städtische Hitze. Durch die Verdunstungskühle erzeugen sie eine spürbare Temperaturreduktion für umliegende Stadtteile. Gleichzeitig bieten Grünflächen Platz für Erholung sowie Lebensraum für Tiere und Insekten. Doch eins ist klar: Urbane Flächen sind insbesondere bei Wohnraummangel (zurecht) hart umkämpft. Eine „blinde“ Ausweitung von Grünflächen kann an anderer Stelle neue Probleme schaffen. Im Kern sollte es daher um eine Aufwertung bestehender Grünflächen gehen. Denn nicht alle Grünflächen sind qualitativ gleichzusetzen. Eine Mischung aus Wiesen, Sträuchern, schattenspendenden Bäumen und Wasserflächen hat einen deutlich größeren Effekt auf das urbane Mikroklima als großräumige monotone Rasenflächen. Darüber hinaus sollte der Effekt einzelner Stadtbäume auf öffentlichen Plätzen oder entlang von Verkehrswegen nicht unterschätzt werden. Bäume bieten Schatten, sorgen für bessere Luft, dienen als Lärmschutz und können darüber hinaus die Umgebungstemperatur um bis zu 7 Grad Celsius senken. Stadtbäume sollten daher gezielt eingesetzt werden, um punktuell für Entlastung zu sorgen.

Dach- und Fassadenbegrünungen

Mit Dach- und Fassadenbegrünungen können zusätzliche Grünflächen – egal ob horizontal oder vertikal – geschaffen und Hitzequellen reduziert werden. Insbesondere herkömmliche Bitumendächer können im Sommer Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius erreichen und damit auch die direkte Umgebung aufheizen. Auf begrünten Dächern betragen die Maximaltemperaturen gerade einmal 30 Grad Celsius. Dach- und Fassadenbegrünungen haben dabei nicht nur einen temperaturreduzierenden Effekt nach außen, sondern auch eine kühlende Wirkung nach innen. Insbesondere Fassadenbegrünungen haben zudem einen schönen Nebeneffekt: Neben ihrer wichtigen luftreinigenden Funktion verfügen sie auch aus ästhetischer Sicht über einen echten Mehrwert für die Stadt. Mit der Begrünung öffentlicher Gebäude kann die Stadt bei diesem Thema mit gutem Beispiel vorangehen.

Die richtigen Materialien und Farben

Deutschlands Städte sind nicht die einzigen Städte, die mit zunehmender Hitze zurechtkommen müssen. Daher lohnt sich ein Blick in andere Länder, die sich schon immer auf hohe Temperaturen einstellen mussten. Das Bild griechischer Städte, in denen alle Häuser aus Stein bestehen und allesamt weiß gestrichen sind, ist wahrscheinlich jedem geläufig. Solche Städte sind nicht nur aus ästhetischen Aspekten gefällig, sondern es gibt auch einen ganz pragmatischen Grund: Durch die weiße Farbe wird das Sonnenlicht besser reflektiert, die Häuser heizen sich also weniger stark auf. Überhaupt haben die verwendeten Materialen einen zentralen Einfluss auf die Hitzeentwicklung in Städten. Materialien wie Holz oder Naturstein erwärmen sich weit weniger stark als konventionelle Baustoffe. Genauso nehmen helle Farben deutlich weniger Wärme auf als dunkle. Ein einfaches Anwendungsbeispiel zur Reduzierung urbaner Hitzeinseln könnte daher die Verwendung heller Straßenbeläge sein.

Teilentsieglung von Flächen

Wenig überraschend ist der Anteil versiegelter Flächen in Städten besonders hoch. Versiegelte Flächen nehmen mehr Hitze auf. Gleichzeitig können versiegelte Flächen kein Wasser speichern, das dann bei der Verdunstung kühle Luft erzeugen würde. Die Lösung kann natürlich nicht lauten, städtische Flächen großräumig zu entsiegeln – die städtische Infrastruktur ist auf befestigte Flächen angewiesen. Doch einige befestigte Flächen müssen nicht zwangsläufig vollständig versiegelt sein. Insbesondere Gehwege oder Parkplätze können mit Rasengittersteinen, Fugenpflastern oder wasserdurchlässigem Beton problemlos teilentsiegelt werden.

Innovative Ideen sind auf dem Weg

Neben den bereits genannten Möglichkeiten gibt es auch eine Reihe innovativer Ideen zur Absenkung urbaner Temperaturspitzen. Findige Start-ups haben das urbane Hitzeproblem frühzeitig erkannt und wirksame Lösungen auf den Weg gebracht. Bei sogenannten Citytrees handelt es sich vereinfacht gesprochen um einen Holzturm, der Moosflächen und Ventilatoren enthält und mit Sensoren auf das Umfeld reagiert. Diese smarten Bäume können die Umgebungstemperatur um bis zu 4 Grad senken und besitzen die luftreinigende Wirkung von 275 „natürlichen“ Bäumen. Sonnensegel können extreme Hitze auf großen Plätzen lindern. Gleichzeitig sind solche Installationen eine echte Attraktion und können damit die Aufenthaltsqualität in den Innenstädten steigern. Auch Nebelduschen bieten bei akuten Hitzewellen die Möglichkeit zur schnellen Abkühlung.

Klimaschutz funktioniert global – Anpassungen an die Klimafolgen lokal

Wirksamer Klimaschutz muss global gedacht werden. Nur mit einem weltweit abgestimmten Handeln können die Auswirkungen des Klimawandels so gut wie möglich eingedämmt werden. Der Schutz vor den schon jetzt unvermeidlichen Folgen des Klimawandels muss jedoch vor Ort stattfinden – allen voran in den Städten, die am stärksten unter den Auswirkungen leiden. Neben Hitzeperioden werden aller Voraussicht nach auch Starkregenereignisse in Zukunft deutlich zunehmen. Dies wurde uns bereits durch die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 schmerzhaft vor Augen geführt. Die gute Nachricht: Beim Hitze- und Hochwasserschutz gibt es wertvolle Synergien. Die meisten hitzereduzierenden Maßnahmen wirken auch vorbeugend beim Schutz vor Starkregenereignissen. Dach- und Fassadenbegrünungen kühlen beispielsweise nicht nur die Umgebungsluft, sondern können auch Wasser aufnehmen und damit die Kanalisation entlasten.

Die Herausforderungen des Klimawandels machen eine intelligente Stadtplanung in Zukunft noch wichtiger. Insbesondere aus liberaler Sicht muss es darum gehen, unsere Infrastruktur klima- und damit zukunftsfit zu machen und dafür zu sorgen, dass unsere Städte lebenswerte Orte bleiben. Innovative Ideen sind auch bei diesem Thema der Schlüssel zum Erfolg. Wie die Zukunft von Städten und Innenstädten aussehen könnte, zeigt unsere Studie Zukunft der Innenstädte in Kooperation mit Fraunhofer IAO.

Bis dahin hilft aber erstmal der Gang zur nächsten Eisdiele, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Ice Ice Baby!

Bei Medienanfragen kontaktieren Sie bitte:

Helena von Hardenberg, Presse und Digitale Kommunikation
Helena von Hardenberg
Referatsleitung Presse & Digitale Kommunikation
Telefon: +49 30 288778-565