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Irrationale Flucht in den Extremismus

Die irrationale Flucht in den Extremismus ist gegeben, wenn bisher mehr oder weniger demokratisch gesonnene Menschen, Gruppen oder ganze Siedlungen, Ortschaften oder Landstriche sich von ihren mehr oder weniger demokratischen Überzeugungen abwenden und sich antidemokratisch und antidialogisch extremistischen Gruppen oder Parteien anschließen.

Es handelt sich dabei um das Phänomen eines meist kollektiven irrationalen Protestverhaltens und ist die Konsequenz einer schweren Enttäuschung darüber, in seinen Hoffnungen und vertrauensvollen Erwartungen an die Regierung betrogen worden zu sein. Diese Menschen werden umso empfänglicher für einfache, brachiale politische Rezepte und für die primitiven Stammtischparolen populistischer Rattenfänger. Sie machen sich dann auch umso rascher die Vorurteile und die Trug- und Feindbilder zu eigen, die sie schon lange tief in ihr Unterbewusstsein versenkt zu haben glaubten.

Der psychologische Hintergrund ist das Gefühl, zu den Abgehängten, an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, den Ignorierten und nicht mehr Gesehenen und Beachteten zu gehören, die um das ihnen Zustehende gebracht worden sind.

Die Extremismus-Forschung setzt für extremistisches Handeln eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur voraus. Bezeichnend dafür ist ein verstärkter Hang zur Heimatsuche von Menschen mit einem traumatisierenden lebensgeschichtlichen Hintergrund. Für erhöhten Fanatismus und die Neigung zu Gewalttätigkeit können entwicklungspsychologisch auch besondere psychische Schädigungen besonders bei der Mutter-Kind-Beziehung im frühesten Kindesalter bis zurück zu den ersten drei Lebensjahren verantwortlich gemacht werden.

Dies darf jedoch nicht dazu führen, Extremisten oder auch nur rechtsextreme „Mitläufer“ vorschnell als persönlichkeitsgestört abzutun oder sie aus Mitleid gewähren zu lassen. Es ist in der Politik bisher immer wieder ein großer, typischer Fehler gewesen, sich um die Benachteiligten, fernab Abgehängten etwa in den neuen deutschen Bundesländern zu wenig zu kümmern und sich nicht für eine Verbesserung ihrer Situation und eine Reform der Infrastruktur ihres Lebensbereichs einzusetzen.

Genau so war es auch ein Fehler der Siegermächte im Ersten Weltkrieg, das besiegte Deutsche Reich mit übermäßigen Forderungen zu demütigen, statt diesem, wie die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, die Hand zu reichen und den Wiederaufbau zu fördern. Dies war einer der Gründe für den perfiden Erfolg der Dolchstoßlegende und das Erstarken der Nazis.

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