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18. Berliner Rede zur Freiheit
Michel Friedman: „Freiheit ist der Sauerstoff des Menschen“

In der 18. Berliner Rede zur Freiheit machte der Publizist und Philosoph Michel Friedman eindringlich auf die Bedeutung individuellen Engagements für freiheitliche Systeme und Demokratie aufmerksam.
  Michel Friedman hält die 18. Berliner Rede zur Freiheit in Berlin. © FrankNuernberger.de

Michel Friedman hält die 18. Berliner Rede zur Freiheit in Berlin.

 

© FrankNuernberger.de

„Der Hass ist das Ende jeder zivilisierten Gesellschaft und damit der Demokratie. Und das gilt für unser Land genauso“, sagte Michel Friedman auf der 18. Berliner Rede zur Freiheit in Berlin auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Er schreibt seit Jahrzehnten gegen den Hass, zuletzt in seinem Buch „Judenhass“, und kämpft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er warnte davor, dass Gleichgültigkeit gegenüber Hass diejenigen, die untätig blieben, zu Mitschuldigen mache. „Der Satz ´ich habe doch nichts tun können' war schon immer nichts anderes als eine feige Entschuldigung von Menschen, die nichts getan haben. Diese Aussage ist nichts anderes als eine leere Lüge.“

Michel Friedman

Michel Friedman während seiner Rede zur Freiheit.

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Friedman machte auf die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte aufmerksam und erinnerte an die systematische Verfolgung und Ermordung von Jüdinnen und Juden während der nationalsozialistischen Ära. Er betonte, dass ein aktives Eintreten für Freiheit und Demokratie solch grausame Ereignisse hätte verhindern können. „Hätten die Menschen, die im Nachhinein behaupteten, man habe nichts tun können, tatsächlich gehandelt, wäre es nicht zu Auschwitz gekommen.“

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Friedman erinnerte, dass wir im Gegensatz zu den 1930er-Jahren in einem freien Land leben. „Jeder, der sagt ´was kann ich denn machen´, tritt mit dieser Aussage das Angebot der Demokratie mit Füßen. Denn was ist Demokratie und Freiheit anderes, als das Angebot: Tu was! Engagiere dich! Werde laut! Protestiere! Lege einen Einspruch ein!“

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„Freiheit ist der Sauerstoff des Menschen“

Darüber hinaus warnte Friedman vor aktuellen Bedrohungen der Freiheit durch reaktionäre, antidemokratische und aggressiven Kräfte, die die Würde des Menschen missachten.

Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, fragte in der Eröffnungsrede: „Wie kann so etwas in unserem Land passieren? Und was macht das mit unserer Gesellschaft, wenn so etwas geschieht, mit unserer Demokratie, mit unserem Zusammenleben?“

Karl-Heinz Paqué

Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

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Für Michel Friedman ist klar: „Ich stehe hier und rede nicht, weil ich jüdisch bin. Ich stehe hier, weil ich Mensch und Bürger dieses Landes bin und wenn in meinem Land Menschen Angst haben müssen vor Hass, verbaler und tatsächlicher Gewalt (…), dann habe ich als Mensch und Bürger in meinem Land keine Zukunft mehr und nicht nur, weil ich jüdisch bin. Die Freiheit ist der Sauerstoff des Menschen. Wenn ich bedroht und diskriminiert werde, dann vergiftet es mein Leben.“

Michel Friedman

Michel Friedman im anschließenden Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung und Bundesjustizministerin a. D.

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Im anschließenden Gespräch mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung und Bundesjustizministerin a. D., wurde über den Wert der Demokratie diskutiert. „Damit man sich den Wert der Demokratie bewusst mach kann, muss man wissen, was Demokratie bedeutet“, so Leutheusser-Schnarrenberger. Nur so könne der Kampf gegen autoritäre Übernahmen in Deutschland geführt werden. Sie mahnte, dass in der heutigen Zeit nur ein sehr verkürztes Wissen vorhanden sei. Friedman ergänzte, dass es nicht nur darum gehe, was Demokratie sei, sondern wofür man einstehe. „Demokratie akzeptiert die Komplexität des Einzelnen“, so Friedman.

Seit 2007 leisten Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft oder Kultur in den Reden zur Freiheit ihren gewichtigen Beitrag zum Freiheitsdiskurs. Bisherige Redner der jährlich im Frühjahr am Brandenburger Tor stattfindenden Stiftungs-Veranstaltung waren Udo di Fabio, Heinrich August Winkler, Joachim Gauck, Paul Nolte, Peter Sloterdijk, Karl Kardinal Lehmann, Gabor Steingart, Mark Rutte, Zhanna Nemzowa, Ryszard Petru, Christian Lindner, Timothy Garton Ash, Werner Hoyer, Ahmad Mansour, Lars Feld, Kaja Kallas und Sviatlana Tsikhanouskaya.