Internationale Tag der Bildung
Bildung unter Beschuss

Ein Korridor im Inneren einer durch den Beschuss russischer Truppen zerstörten Schule

Ein Korridor im Inneren einer durch den Beschuss russischer Truppen zerstörten Schule

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Die Welttage der Vereinten Nationen dienen nicht einfach dazu, Sonntagsreden auch an Wochentagen zu ermöglichen. Stattdessen bietet der heutige Internationale Tag der Bildung die Gelegenheit zu einer bedrückenden Rückschau auf ein Jahr, in dem die Bildung zum Teil wortwörtlich unter Beschuss geraten ist. Die Kernbotschaft am 24. Januar lautet daher: das Recht auf Bildung muss immer wieder neu verteidigt und eingefordert werden.

Nach der Machtübernahme in Kabul haben die Taliban afghanischen Mädchen und Frauen systematisch vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen. Am 20. Dezember 2022 wurden zudem über 100.000 Studentinnen der Zugang zu Hochschulen verwehrt. Das Recht auf Bildung junger Afghaninnen wird daher tagtäglich verletzt, weswegen die Vereinten Nationen ihnen explizit den heutigen Tag gewidmet haben. „Es muss ein Aufschrei durch die Welt gehen. Es ist unerträglich, dass Mädchen und Frauen so häufig sehr viel geringere Bildungsmöglichkeiten und damit weniger Aussichten auf ein erfülltes Leben haben. Die Situation in Afghanistan ist besonders verheerend“ kommentiert Maria Böhmer, die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, daher völlig zurecht.

Während die Taliban die Eingänge von Schulen und Hochschulen blockieren, fallen in der Ukraine russische Bomben auf die Bildungseinrichtungen. Laut der Website des ukrainischen Bildungsministeriums sind seit dem 24. Februar 2022 2631 Gebäude beschädigt und 420 vollständig zerstört worden. In den besetzten Gebieten versucht der Kreml, ukrainische Kinder zu indoktrinieren und ihre nationale Identität auszulöschen – wenn die Kinder nicht gleich nach Russland verschleppt werden. Bildung ist daher weit mehr als nur ein Kollateralschaden im russischen Angriffskrieg: Die Zerstörung des ukrainischen Bildungssystems ist ein integraler Bestandteil von Putins Plan, die Nachbarländer zu unterjochen und zu „russifizieren.“ Nicht nur die Verteidigung der Ukraine mit militärischen Mitteln, sondern auch der (digitalgestützte) Weiterbetrieb der nationalen Bildung ist daher ein wichtiges Mittel, um dem russischen Imperialismus entgegenzutreten.

 „Um in Menschen zu investieren, muss Bildung priorisiert“ heißt es auf der Website der Vereinten Nationen und der UN-Generalssekretär António Guterres erklärt dazu: „Lassen Sie uns Bildungssysteme schaffen, die gleichberechtigte Gesellschaften, dynamische Volkswirtschaften und die grenzenlosen Träume aller Lernenden in der Welt unterstützen können.“ Guterres liegt damit am Wortlaut der UN-Resolution A/RES/73/25 mit der der Internationale Tag der Bildung am 3. Dezember 2018 ins Leben gerufen worden ist. Und es ist ja richtig, wie es in der Resolution heißt, „dass die Bildung eine Schlüsselrolle beim Aufbau nachhaltiger und widerstandsfähiger Gesellschaften und zur Erreichung aller anderen Ziele für nachhaltige Entwicklung Entwicklungsziele spielt.“ Doch 2023 zeigt: selbstverständlich ist daran nichts.