Todestag
Arno Esch – ein liberaler Märtyrer

Zum 70. Todestag von Arno Esch
Arno Esch
© picture alliance / ZB | Bernd Wüstneck  

Viele liberale Märtyrer im wörtlichen Sinne – also Blutzeugen – hat es nach 1945 in Deutschland nicht gegeben. Wenn wir aber in unsere Geschichte zurückblicken, so gab es auch hier Freiheitskämpfer, die ihr Leben für ihre politische Überzeugung und in diesem Fall für den Liberalismus opferten. Ein Beispiel dafür aus der jüngeren deutschen Geschichte ist ohne Zweifel Arno Esch, der vor 70 Jahren in Moskau hingerichtet wurde.

Dieses Ereignis soll uns als Mahnung dienen, dass sich so etwas nicht wieder ereignen darf.

Karl-Heinz Paqué
Karl-Heinz Paqué

Der 1928 in Memel Geborene war mit seiner Familie 1944 nach Mecklenburg geflohen. Er hatte das Ende der NS-Herrschaft als Befreiung empfunden und sich in seiner neuen Heimat Mecklenburg für freiheitliche Ziele engagiert. Versehen mit herausragenden rhetorischen und journalistischen Qualitäten begann er ein Jurastudium an der Universität Rostock. Er stieg rasch in der Jugendarbeit der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) auf und saß im Landes- und Zentralvorstand. Während die LDP immer mehr unter Druck der SED geriet, unterhielt Esch Verbindungen zu westlichen Kreisen, plante sogar mit einigen Gesinnungsfreunden die Gründung einer neuen liberalen Organisation.

Karl-Heinz Paqué zum 70. Todestag von Arno Esch

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Inhalt ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Doch bekanntlich kam es anders. Noch im Oktober 1949 setzte an der Ostseeküste eine wahre Verhaftungswelle gegen junge Liberaldemokraten ein, der schließlich 14 junge Männer zum Opfer fielen, andere konnten sich nur knapp durch Flucht entziehen. Obwohl die 14 sich nicht einmal alle persönlich kannten und auch nicht untereinander Kontakt gehalten hatten, konstruierten die SED und der sowjetische Geheimdienst daraus eine „Widerstands- und Spionagegruppe Arno Esch“. Es folgte eine Odyssee durch ostdeutsche und sowjetische Gefängnisse. Gleich zweimal wurde Esch von Sowjetischen Militärtribunalen zum Tode verurteilt. Nachdem ein Gnadengesuch vom Obersten Sowjet abgelehnt worden war, fand am 24. Juli 1951 in Moskau die Hinrichtung durch Erschießen statt. Ebenso erging es rund siebzig weiteren Liberaldemokraten, darunter drei von der sogenannten „Gruppe Esch“. Sechs – neben Arno Esch die beiden Stralsunder Gerhard Blankenburg und Karl-Heinz Neujahr, die beiden Anklamer Kurt Kiekebusch und Reinhold Posnansky sowie Heinrich Puchstein aus Bergen auf Rügen – wurden 1951 in der sowjetischen Hauptstadt zum Tode verurteilt und erschossen. Die übrigen bekamen langjährige Haftstrafen, wurden allerdings im Zuge des kurzen Tauwetters nach Stalins Tod Mitte der 1950er Jahre entlassen. Es dauerte Jahrzehnte, bis wirklich bekannt wurde, was mit Arno Esch und vielen anderen aus dem Widerstand in den Anfangsjahren der DDR geschehen war. Erst 1961 drang die Kunde vom Tode Arno Eschs in den Westen, die volle Wahrheit wurde erst am Ende der Sowjetunion bekannt. Immerhin hat diese Esch 1990 noch juristisch rehabilitiert, was an seinem tragischen Schicksal nichts änderte.

Wir wissen, daß der Liberalismus ein Grundpfeiler der Zukunft sein kann, wenn wir es wollen, und daß er es sein wird, weil wir es wollen.

Arno Esch

Heute erinnern wir an Arno Esch, an diesen aufrechten Liberalen und Demokraten, der vor seinem Tod Worte sprach, die uns auch heute noch Richtung geben können: „Wir wissen, daß der Liberalismus ein Grundpfeiler der Zukunft sein kann, wenn wir es wollen, und daß er es sein wird, weil wir es wollen.“