Digitales Zentralbankgeld
Eine Krypto-Vision für Vietnam

Cryptocurrency Vietnam

© Ink Drop by ShutterStock

In Vietnam ist die Blockchain-Technologie zwar schon seit einigen Jahren bekannt, für die Staatsbank und die zuständigen Behörden ist CBDC jedoch noch ein neues Konzept. Dabei muss es eine langfristige Vision für das Land geben, fordern FNF-Büroleiter Andreas Stoffers und Doan Thanh Huyen in Hanoi. Zur Vorbereitung auf die Ausgabe des digitalen vietnamesischen Dong muss das Land jetzt rechtliche Reformen durchführen.

 

Das digitale Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) ist ein neues Thema, das weltweit Zentralbanken, Wirtschaftswissenschaftler und Gesetzgeber interessiert. Vereinfacht dargestellt ist CBDC ein Oberbegriff für eine Währungsvariante, die einen elektronischen Datensatz oder ein digitales Token verwendet, um die digitale Form der Währung eines Landes darzustellen. CBDC wird direkt von der Zentralbank ausgegeben und verwaltet und könnte wie eine herkömmliche Währung in Umlauf gebracht werden. Viele Experten bewerten ein solches digitales Zentralbankgeld als innovativ und gewinnbringend für die Wirtschaft und die Gesellschaft. Andere betonen die Gefahr, die eine zentralisierte Kontrolle mit sich bringen kann. Wie man auch dazu stehen mag: Die Blockchain-Technologie hat das Zeug dazu, ein echter Game-Changer zu sein.

Nach Angaben des IWF haben viele Zentralbanken eingehende Diskussionen über die Angemessenheit und Durchführbarkeit der Ausgabe von CBDC begonnen, darunter die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank. Einige andere sind in die Phase der Pilotierung ihrer CBDC eingetreten, wie die Zentralbanken von Schweden, der Ukraine und der Bahamas. Vor allem China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, testet seit April 2020 den e-Yuan in der Praxis in vier großen Städten: Shenzhen, Suzhou, Chengdu und Xiongan. Im nächsten Jahr wird China mit einer breitangelegten Einführung beginnen.

Für Vietnam haben die Umwälzungen, die die Blockchain-Technologie mit sich bringt, einen disruptiven Charakter für viele Bereiche der Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. China ist der zweitgrößte Exportmarkt Vietnams, so dass der Einfluss des digitalen Yuan auf die vietnamesische Wirtschaft absehbar ist, sobald er in großem Umfang verwendet wird. Eine angemessene Vorbereitung kann Vietnam helfen, unter verschiedenen Umständen angemessen zu reagieren.

Einfluss des e-Yuan auf die vietnamesische Wirtschaft

Unumgänglich ist eine gründliche Untersuchung des Einflusses des CBDC einschließlich des digitalen Yuan auf die vietnamesische Wirtschaft. Dazu zählt auch die Reaktion auf den Fall, dass die Einfuhr von Materialien und Waren aus China auf die Zahlung in digitalen Yuan umgestellt wird.

Innerhalb einer marktorientierten Wirtschaft kann die Blockchain-Technologie in der Logistik eingesetzt werden. Etwa um sicherzustellen, dass das Geld in Millisekunden auf dem Konto des Exporteurs landet, sobald die aus Vietnam in die EU exportierten Waren einen vereinbarten Punkt erreichen und der QR-Code gescannt wird. Denkbar ist auch die direkte, Smart-Contract-basierte Zahlung von Maschine zu Maschine. Für die meisten dieser Anwendungen wird eine Form von digitalem Geld benötigt. Zwar ist prinzipiell auch eine dezentrale Kryptowährung wie Bitcoin denkbar, aber die meisten Zentralbanken, darunter auch die State Bank of Vietnam (SBV), werden sich hier ungern die Zügel aus der Hand nehmen lassen wollen. Darüber hinaus ist eine weltweite Verknüpfung der Währungssysteme notwendig.

In Vietnam ist die Blockchain-Technologie zwar schon seit einigen Jahren bekannt, für die Staatsbank und die zuständigen Behörden ist CBDC jedoch noch ein neues Konzept. Für Vietnam muss es aber eine langfristige Vision für das Land geben, einen digitalen Dong auszugeben. Dieser muss dann einerseits auf die spezifischen Bedingungen Vietnams eingehen und andererseits im weltwirtschaftlichen Konzert anderer CBDC bestehen können.

Reformen sind notwendig

Die neue Form der CBDC zieht verschiedene rechtliche Konsequenzen nach sich. Daher wirft sie sowohl für Zentralbanken und politischen Entscheidungsträger wichtige rechtliche Fragen auf. Viele Länder haben bereits Zentralbank- und Währungsgesetze entwickelt, um ihrer Zentralbank ein Mandat zur Ausgabe von CBDC zu erteilen.

Der derzeitige Rechtsrahmen Vietnams sieht vor, dass die Staatsbank Vietnams die einzige Stelle im Land ist, die Banknoten und Metallmünzen der Sozialistischen Republik Vietnam ausgibt und für die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung der Wirtschaft mit Banknoten und Münzen verantwortlich ist. Zur Vorbereitung auf die Ausgabe des digitalen vietnamesischen Dong muss das Land jetzt weitgehende rechtliche Reformen durchführen. Dazu zählt, das Mandat der Staatsbank auf die Ausgabe und den Umlauf digitaler Währungen auszuweiten und die digitale Form der offiziellen Währung anzuerkennen. Zusätzlich ist es unabdingbar, rechtliche Bestimmungen und Standards für die professionelle Ausgabe und den Umlauf digitaler Währungen und deren Verwendung als Zahlungsmittel in der Wirtschaft festzulegen.

 

Mehr zu dem Thema lesen Sie hier: https://vietnamlawmagazine.vn/central-bank-digital-currency-economic-and-legal-aspects-a-vision-for-vietnam-37998.html

 

*Andreas Stoffers leitet das FNF-Büro in Hanoi. Doan Thanh Huyen Dozentin für Völkerrecht an der Hanoi Law University.