Taiwan
Innovation und Digitalisierung – FNF eröffnet Global Innovation Hub in Taipei

Eröffnung des neuen Büros in Taiwan
Taiwan
© Yan Zhihong / picture alliance - dpa

Im November 2020 verkündete die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, dass der Global Innovation Hub der Stiftung nach Taipei verlagert werden soll. Seit April nun klebt das Logo des Hubs endlich wieder an einer Büro-Tür.

Ein „Hub Büro“ ist eine relativ neue Besonderheit in der Stiftung. Traditionellerweise sind die Auslandsbüros der Stiftung nach Ländern und Regionen organisiert – weil sich ihre Arbeit auf das Land oder die Region bezieht. Im Gegensatz dazu sind die Hubs nicht einem Land, sondern einem Thema zugeordnet: Wirtschaft, Verteidigung, Entwicklungspolitik, oder im Fall vom Taipei Büro: Innovation und Digitalisierung.

Weshalb Taipei? Für den Hub war uns zum einen ein Ort wichtig, an dem die Stiftung ihre Arbeit unter stabilen politischen Bedingungen machen kann, und der uns zum anderen auch das passende Umfeld für unsere Themen liefert. Taiwan ist eine liberale, noch relativ junge Demokratie mit einer sehr lebendigen Zivilgesellschaft. Die ersten freien Präsidentschaftswahlen fanden erst 1996 statt, zu einer Zeit als das Internet gerade anfing, ein Massenphänomen zu werden. Und vielleicht ist diese zeitliche Parallele einer der Gründe, weshalb Taiwan so gut darin ist, Demokratie und (digitale) Technologie miteinander zu denken.

Dass es auch anders geht, zeigt die inzwischen wahrscheinlich berühmteste Person Taiwans: Audrey Tang – die erste non-binary und transgender Digitalministerin in der Geschichte der Insel. Audrey Tangs Vision von „Demokratie als eine Technologie, an deren Verbesserung alle Bürgerinnen und Bürger des Landes mitwirken können und sollen“, wird in Taiwan besonders gut umgesetzt. Insbesondere mit Hilfe von digitalen Tools.

Es gibt in Taiwan ein Recht auf schnelles Internet, für kontroverse Fragen wird mit Hilfe von interaktiven Plattformen wie pol.is ein Konsens gefunden – und wenn etwas nicht klappt, dann ist oftmals die taiwanische tech-affine Zivilgesellschaft zur Stelle. Zum Beispiel:Als in Taiwan zu Beginn der Corona-Pandemie die Schutzmasken knapp wurden, programmierten Mitglieder der Zivilgesellschaft eine interaktive Karte, die anzeigte, welche Geschäfte noch Masken vorrätig hatten. Tang wurde auf das Projekt aufmerksam und sorgte dafür, dass die Regierung das Projekt - und die Kosten - übernahm und die Karte zusätzlich mit Daten der nationalen Gesundheitsversorgung bestückt wurde.

Diese Art von zivilgesellschaftlicher Einflussmöglichkeit motiviert, und so sind insbesondere im digitalen Bereich viele spannende Organisationen, Akteurinnen und Akteure anzutreffen, die mit innovativen Ideen daran arbeiten, die Technologie namens Demokratie in Taiwan zu verbessern. Wir freuen uns darauf, mit Partnern aus diesem Spektrum - wie beispielsweise der g0v Community welche die Schutzmasken-Karte hervorgebracht hat - zusammen zu arbeiten.

Wir können digitale Tools die Demokratie stärken?

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ist zudem nicht die einzige international tätige NGO, die Taiwan als Standort entdeckt hat. Im Oktober 2020 gaben das US-amerikanische National Democratic Institute und das International Republican Institute zeitgleich bekannt, dass sie jeweils ein Büro in Taiwan eröffnen werden Im April dieses Jahres verkündete außerdem der tschechische ThinkTank „European Values“, in der zweiten Jahreshälfte nach Taiwan zu kommen. Die Volksrepublik China macht die Arbeit internationaler NGOs immer mühseliger und komplizierter, Hongkong ist seit der Verabschiedung des sogenannten „Nationalen Sicherheitsgesetzes“ nicht mehr der „Sichere Hafen“ der die Stadt einmal war. Es ist daher nicht verwunderlich, dass immer mehr NGOs den Blick auf die andere Seite der Taiwanstraße richten.

Der Global Innovation Hub der Stiftung in Taipei wird sich mit der Frage auseinandersetzen, wie Demokratie durch innovative und digitale Tools gestärkt und gefestigt werden kann. Es geht dabei nicht darum, Taiwans Herangehensweisen zu kopieren und zu exportieren. Sondern darum, die Erfahrungen und Lessons Learnt Taiwans nutzbar und auf andere Kontexte anwendbar zu machen. In Zeiten der Systemkonkurrenz mit illiberalen Demokratien und erfolgreichen autoritären Systemen ist das Thema umso wichtiger. Ein zweiter thematischer Fokus sind neue Technologien und die Frage, was diese für Gesellschaften bedeuten: Sind Algorithmen die besseren Richter? Welche Chancen und Risiken liegen in der Anwendung von Big Data? Wie steht es um die Zukunft des Internets? Um an diesen Themen zu arbeiten, um Neues zu lernen und die Ergebnisse dieser Prozesse unseren Partnern weltweit zugänglich zu machen, ist Taipei das richtige Umfeld. Wir freuen uns, hier nun mit der Arbeit loslegen zu können.

Anna Marti leitet das FNF-Büro in Taipei.

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Helena von Hardenberg, Presse und Digitale Kommunikation
Helena von Hardenberg
Pressereferentin & stellv. Pressesprecherin Ausland
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