Maldives
Offenheit statt Abschottung: Wie die Malediven die Coronakrise hinter sich ließen

people of maldives

People of Maldives

© olivingstonegmailcom for pixabay

Als Urlaubsland waren die Malediven von der Pandemie hart getroffen. Doch dem Inselstaat gelang eine schnelle Kehrtwende. Eine Online-Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung beleuchtete die Erfolgsstrategien.

An den weißen Sandstränden der Malediven ist von der Coronakrise kaum noch etwas zu spüren: Während andere populäre, asiatische Urlaubsziele wie Thailand oder die indonesische Insel Bali auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch unter dem Fernbleiben der Touristen leiden, kann sich der Inselstaat im Indischen Ozean bereits wieder über gut gefüllte Hotelanlagen freuen. Dem tropischen Ferienparadies südlich von Indien ist ein rasanter Neustart des Reisegeschäftes gelungen, der den Malediven eine der höchsten Wachstumsraten der Welt beschert.

Der Aufschwung in dem knapp 600.000 Einwohner großen Land, das zu einem Großteil vom Tourismusgeschäft lebt, war im Februar Thema einer von der Friedrich-Naumann-Stiftung organisierten virtuellen Podiumsdiskussion. Politiker und Experten tauschten sich darin über die Erfolgsstrategien der Malediven im Umgang mit der Pandemie aus – und diskutierten, vor welchen Herausforderungen der Äquatorstaat mit Blick auf den Klimawandel steht.

Als Grund für die rasante wirtschaftliche Erholung der Malediven hob Tourismusminister Abdulla Mausoom die Entscheidung hervor, Urlauber frühzeitig wieder ins Land zu lassen. "Wir mussten die Grenzen öffnen", sagte Mausoom mit Blick auf die Entscheidung, bereits im Juli 2020 die ersten Touristen wieder zu empfangen – zu einer Zeit, als sich die meisten Länder Asiens noch mit strengen Quarantäneregeln vom Rest der Welt abschotteten. Die Malediven wollten und konnten sich dies aber nicht leisten: Bis zum Beginn der Pandemie hing laut dem Branchenverband World Travel and Tourism Council mehr als die Hälfte der maledivischen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt am Tourismus.

"Wir mussten die Grenzen öffnen"

Dr Abdulla Mausoom
Dr. Abdulla Mausoom

"Es war uns aber klar, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn sich die Gäste bei uns sicher fühlen", fügte Mausoom hinzu. Hotel-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter erhielten in der Impfkampagne deshalb Priorität – und können inzwischen eine Impfquote von 98 Prozent vorweisen. Gleichzeitig ging es darum, neben dem Gesundheitsschutz auch den Komfort der Touristen im Blick zu behalten: Wer sich in seinem Urlaub ausschließlich auf den Resortinseln bewegt und deshalb mit Einheimischen kaum in Kontakt kommt, muss bei der Einreise lediglich ein negatives PCR-Testergebnis vorweisen. Zudem entwickelte die Regierung ein Covid-19-Versicherungsprodukt, mit dem sich Reisende gegen Behandlungs- und Quarantänekosten absichern können. "Auf die Malediven zu kommen, ist jetzt sehr entspannt", sagt Mausoom.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt, der Mitglied im Auswärtigen Ausschuss ist und sich unter anderem auf die Asien-Politik spezialisiert hat, lobte die vorausschauende Politik der maledivischen Regierung. Zu Beginn der Pandemie habe sie sich als eine der ersten mit den Risiken des Virusausbruchs auseinandergesetzt und Schutzmaßnahmen ergriffen. Später habe sie sich unter anderem mit Impfangeboten für Besucher abgesetzt. "Die Regierung war äußerst fokussiert und reaktionsschnell, wenn es darum ging, die Herausforderungen der Pandemie zu bekämpfen", sagte Müller-Rosentritt.

Die Regierung war äußerst fokussiert und reaktionsschnell, wenn es darum ging, die Herausforderungen der Pandemie zu bekämpfen.

Mr Frank Müller Rosentritt
Herr Frank Müller-Rosentritt

Seit Beginn der Pandemie verzeichneten die Malediven rund 300 Todesopfer in Zusammenhang mit dem Virus. Zum Vergleich: Die Zahl der Verstorbenen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist in Deutschland dreimal so hoch. Die ökonomischen Auswirkungen waren im ersten Pandemiejahr jedoch massiv: Die Wirtschaftsleistung der Malediven brach 2020 wegen ausbleibender Touristen um ein Drittel ein. Doch bereits im darauffolgenden Jahr gelang die Kehrtwende: Das BIP legte Schätzungen zufolge um rund 30 Prozent zu – vor allem wegen der Rückkehr der Urlauber: Die Tourismusindustrie meldete fast 150 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr – und liegt nun nur noch knapp unter dem Niveau von vor der Pandemie.

"Natürlich war die Pandemie nicht gut für uns, aber sie hat auch Chancen gebracht", sagte Thoyyib Mohamed, Geschäftsführer der staatlichen Marketingfirma der Malediven in der FNF-Veranstaltung. So habe man Möglichkeiten gefunden, sich von einzelnen Ländern, aus denen früher ein großer Teil der Gäste kamen, unabhängiger zu machen. Während die Grenzen Chinas immer noch geschlossen seien, sei die Zahl der Gäste aus Indien stark gestiegen. Zudem sehe man ein starkes Wachstum bei Urlaubern aus Osteuropa oder südamerikanischen Ländern wie Brasilien und Argentinien. Ein weiterer erfreulicher Trend aus Sicht des Landes: Die durchschnittliche Urlaubsdauer ist länger geworden. "Wir müssen noch herausfinden, ob das daran liegt, dass die Gäste mehr Zeit brauchen, um sich von dem Pandemie-Stress zu erholen, oder ob sie einfach verlorene Urlaubszeit nachholen wollen", sagte Mohamed.

Der Parlamentsabgeordnete Ahmed Saleem, der dem Ausschuss für Klimawandel und Umwelt vorsitzt, hob hervor, dass das Land die Zeit während der Pandemie auch dafür nutzte, um die Klimapolitik nachzuschärfen. So wurde unter anderem ein Klimanotstandsgesetz ratifiziert, das unter anderem die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen regelt.

Für Saleem handelt es sich um ein entscheidendes Zukunftsthema, das seine Heimat entscheidend prägen wird: "Der Klimawandel trifft die Malediven auf jede erdenkliche Art", sagte er. So nehme der Regen ab, während die Wassertemperatur steige – ebenso wie der Meeresspiegel. Und weil die meisten maledivischen Inseln nur bis zu einem Meter aus dem Wasser herausragen, seien sie sehr verwundbar. "Die Gefahren des Klimawandels werden langfristig auch die Tourismusindustrie treffen", prognostizierte Saleem.

Der Abgeordnete verwies auch auf andere Umweltprobleme: "Plastikverschmutzung ist eine der größten Bedrohungen für unser Ökosystem, insbesondere für unsere Korallenriffe", sagte er. Die Malediven hätten darauf mit dem Plan reagiert, Einwegplastik bis 2023 komplett aus dem Inselreich zu verbannen. "Ich bin sehr optimistisch, dass das gelingen wird", sagte Saleem. "Die Regierung weiß, dass ohne Umweltschutz nicht nur der Tourismus leiden wird, sondern das ganze Land."