Lockdown

Ein Projekt über Unternehmer und für Unternehmer
Projekt Lockdown Bildschirmschoner

Der Titel unseres Beitrags verweist auf die Bezeichnung eines Projekts, die unser Partner Andrej Alexejev, Eigentümer des Filmklubs „Neft“ (Stadt Jaroslawl), und die Friedrich-Naumann-Stiftung dem Projekt über und für Unternehmer verliehen haben. Im April und Mai 2020, als praktisch weltweit die Ausgangssperre verhängt wurde, traf sich Andrej an jedem Arbeitstag im Onlineformat mit Unternehmern, um mit ihnen über Probleme und Komplikationen im Bereich ihrer Aktivitäten und selbstverständlich auch über die Zukunft zu reden. Ohne Zukunftsvisionen ist doch schließlich ein Unternehmer kaum unvorstellbar.

Screenshot der Lockdown

Ungeachtet der Schwierigkeiten des Daseins war jede Sendung ausgesprochen positiv und durchdrungen von Hoffnung. In knapp zwei Monaten waren 40 Unternehmer aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen Gäste am Lockdown-Kanal. Dazu gehörten Besitzer von Lichtspielhäusern und Restaurants, Paintball-Klubs und Tankstellen, Blumenläden, eines Komplexes von Saunas, Verleger und Produzenten des technischen Equipments. Die Aufnahmen aller Gesprächsrunden sind auf dem Youtube-Kanal der Stiftung abrufbar. Praktisch alle steckten finanziell in der komplizierten Klemme. Manche schafften es, die Arbeit in den Online-Modus zu überführen, andere ließen ihre Aktivitäten einfrieren, wobei die Personalstärke maximal aufrechterhalten wurde. In manchen Bereichen konnte der Lockdown doch mit hohem Vorteil genutzt werden: nützlich für viele und daher gefragt war psychologische Online-Hilfe, aber auch die Veranstaltungen von Online-Festen. Es gibt auch Leute, die schon lange auf Online umschalten wollten und planten, für sie war dann der Lockdown ein Impuls, die Pläne schnellstens zu realisieren.

Screenshot der Lockdown 2

Hier nur ein paar Geschichten. Die eine betrifft den Unternehmer Jegor Kyrow. Er ist Gründer eines Netzes von Fotostudios. Sein Team konnte er behalten, sein Foto-Business ging ihm nicht verloren, obwohl sein Tätigkeitsgebiet nicht ins Verzeichnis der von der Corona-Krise besonders betroffenen Branchen aufgenommen wurde. Außerdem wandte er sich einem anderen, recht unerwarteten Bereich zu. Er fasste den Beschluss, seine alte Idee zu realisieren. Ihr Motto lautet „Honig aus eigener Imkerei übers Instagram zu verkaufen“. Die andere Geschichte ist mit Dmitrij Wassiljew, dem Besitzer der Bar „Wlast“ in Jaroslawl verbunden. Damit sein Kundenstamm aufrechterhalten und gepflegt wird, ließ er sich gemeinsam mit seinem Team Online-Parties einfallen. Dabei konnte er noch aus eigener Tasche Geld für die Miete der Räume berappen, im Mai half dabei der Staat aus.

Screenshot der Lockdown 3

Kennzeichnend ist die Geschichte von Andrej Alexejev selbst. Er ist auch Unternehmer, sein Geschäft hat unter den ersten gelitten: Alle Kinos mussten für unbestimmte Zeit schließen. Wie jeder verantwortungsbewusste Unternehmer dachte Andrej eine kreative Lösung aus und eröffnete in Jaroslawl ein „Kino auf Rädern“, weil es nämlich „gar keine andere Methode gibt, Filme auf einer großen Leinwand und mit Berücksichtigung aller sanitären Vorschriften zu zeigen“.

Screenshot der Lockdown 4

Ende Mai wurde klar, dass das Ende der Ausgangssperre abzusehen ist. Das Projekt «Lockdown. Solange die Ausgangssperre herrscht» wurde ins Projekt «Lockdown. Exit» umgewandelt. Auch da geht es um Unternehmer und darum, wie sie den Krisenzustand überwinden. Die Idee einer solchen Fortsetzung sah vor, dass über die Aktivitäten eines Unternehmers detailliert berichtet, sein Betrieb besucht wird und ein Online-Gespräch über die helle Zukunft des Unternehmertums stattfindet. Gestartet wurde das Projekt mit dem Besuch in einem der Büros des IT-Unternehmens Tensor. Diesen Betrieb bezeichnet Nikita Kulikov, einer der Moderatoren des Projekts, als Silicon Valley von Jaroslawl.

Screenshot der Lockdown 5

Mit sehr viel Behaglichkeit war der Besuch in der Schäferei „Owetschnom“, deren Name in der russischen Sprache einerseits auf die Schafszucht hindeutet, auf der anderen Seite, wenn es „O wetschnom“ geschrieben wird, dann heißt es, ins Deutsche übersetzt: „Über das Ewige“. Die Farm gehört Olga Gavrilova. Auf die Frage darüber, wie sie als eingefleischte Städterin auf die Idee kam, es mit den Schafen zu versuchen, sagte sie etwas vom „Schwachsinn und Wagemut“.

Unternehmer zu sein hat natürlich mit Schwachsinn nichts zu tun. Dabei geht es um die Freiheit der Wahl, über Verantwortung für sich und sein Leben. Das Projekt «Lockdown. Exit» lief bis Ende Sommer 2020.

Alle Aufzeichnungen des Projekts «Lockdown» sind auf den Youtube-Kanälen der Stiftung und Andrej Alexejev abrufbar.