Krieg in Europa
Russland und Afrika: Alte Waffenbrüder

Russland kann in Afrika an sowjetische Hilfe für Befreiungsbewegungen anknüpfen
Faustin Archange Touadera (L), Präsident der Zentralafrikanischen Republik, und der russische Präsident Wladimir Putin

Faustin Archange Touadera, Präsident der Zentralafrikanischen Republik, und der russische Präsident Wladimir Putin

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picture alliance/dpa/TASS | Kirill Kukhmar

Barbara Groeblinghoff sprach mit Steffen Honig von der Magdeburger Volksstimme  im Videochat über Russlands Freunde in Afrika und über die Auswirkungen des Ukraine-Krieges.

Volksstimme: Was erreicht die Afrikaner von Putins Krieg?

Barbara Groeblinghoff: Natürlich bestimmte der Krieg sofort die Nachrichten auch hier in Südafrika. In der weiteren Berichterstattung wurde aber deutlich: Das ist weit weg. Im Leben war der Krieg indes sofort durch steigende Benzin- und Lebensmittelpreise zu spüren. Zudem gibt es die große Sorge vor steigenden Nahrungsmittelpreisen für Mais, Getreide und Speiseöl. Südafrika könnte damit wohl fertig werden, die Länder weiter nördlich aber nicht.

In Afrika sind Allianzen nicht so festgelegt wie etwa in Europa. Wie ist das Image Russlands bei den Afrikanern?

Das unterscheidet natürlich auf dem Kontinent. In Südafrika steht eine russlandfreundliche Fraktion gegen die Leute, die die Aggression ablehnen. Dabei spielen die Erfahrungen mit der Sowjetunion im Kalten Krieg eine Rolle. Sie lehnte im Gegensatz zum Westen das Apartheidregime in Südafrika konsequent ab und unterstützte die Befreiungsbewegungen in Angola, Namibia und Mosambik. Daraus resultiert noch immer ein „großes Herz für Russland“. Die Befreiungsbewegungen haben außerdem viele Studenten zu Studium in der Sowjetunion geschickt, auch in die Ukraine.

Welche Konsequenzen hat das?

Der Flügel von Jacob Zuma im regierenden ANC in Südafrika unterstützt die russische Seite und nennt den Ukraine-Krieg offiziell einen „Konflikt“. Das hat zu scharfen Angriffen der Opposition geführt.

Welchen Umfang hat die ökonomische Kooperation?

Im Fall Südafrikas sind die wirtschaftlichen Verflechtungen gering. Der Anteil Russlands und der Ukraine am Handelsvolumen liegt unter einem Prozent.

Wie sieht es auf militärischem Gebiet aus? In Mali sind russische Wagner-Söldner zugange. Ist die Truppe auch im Süden Afrikas präsent?

Wagner-Söldner wurden von Mosambik angefordert, um in der Nordprovinz Cabo Delgado gegen islamistische Rebellen zu kämpfen. Doch trotz brutalen Vorgehens hat die Truppe nicht viel erreicht. Ansonsten ist Russland für Afrika ein wichtiger Lieferant von Waffen aller Art.

Seit Jahren fährt China eine Investitionsoffensive in Afrika und hat damit großen Einfluss gewonnen. Nehmen sich die Russen daran ein Beispiel?

Sie gehen ähnlich vor. Russland ist an den Bauxit-Vorkommen in Guinea interessiert. Dabei sind Regierungsform und Menschenrechtslage uninteressant. Das ist natürlich attraktiv für afrikanische Autokraten. Am Horn von Afrika will Russland eine Flottenbasis aufbauen. Präsident Putin empfing dazu am 24. Februar den Chef der sudanesischen Militärregierung, General Mohamed Hamdan Dagalo. Am selben Tag hat Russland die Ukraine überfallen.

Kommt sich Russland nicht mit China ins Gehege?

Das sind verschiedene Größenordnungen. China ist in Afrika erheblich präsenter als Russland und verfügt über ganz andere Geldquellen. Die Chinesen bauen bei ihren Projekten gleich Eisenbahnen und Straßen mit. Ein wichtiges Exportgut Russlands für Afrika sind Atomkraftwerke einschließlich personeller Unterstützung.

Wie groß ist der Rückhalt für die Ukraine in Afrika?

In einer vielbeachteten Rede hat im UN-Sicherheitsrat Martin Kimani, der Botschafter von Kenia, die Sicht Afrikas auf den Russland-Ukraine-Konflikt dargestellt. Die Eskalation in der Ostukraine verglich er mit Entwicklungen in Afrika in der Kolonialzeit. Kimani plädierte zwei Tage vor Kriegsbeginn für eine friedliche Lösung. Die Charta der Vereinten Nationen welke unter dem „unnachgiebigen Angriff der Mächtigen“, erklärte Kimani mit großer Empathie.

 

Das Interview erschien erstmalig am 23. März 2022 in der Magdeburger Volksstimme.

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