Südasien
Heiß-Zeit in Südasien: Schnelles Ende der Hitzewelle nicht in Sicht

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Terbela Lake

© Birgit Lamm

Seit Anfang April erlebt Südasien eine extreme Hitzewelle, von der insbesondere der Nordwesten Indiens und Pakistan betroffen sind. Extreme Hitze ist an sich auf dem Subkontinent nichts Besonderes. Südasien ist eine der heißesten Regionen der Welt und die Menschen sind seit Jahrhunderten an Hitze gewöhnt. In diesem Jahr kam die Hitze allerdings einige Wochen früher als gewohnt. Der Winter ging praktisch ohne Übergang in den Sommer über. In den Metropolen Lahore, Karachi, Islamabad und Peshawar steigen die Temperaturen schon seit Tagen über 40 °C, nachts kühlt es nicht ab. In der südlichen Provinz Sindh nähern sich die Temperaturen sogar schon der 50 °C  Marke. Ein schnelles Ende der Hitze-Welle sehen die Meteorologen nicht.

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Temperaturprognose für den indischen Subkontinent

© picture alliance/dpa/dpa Grafik | dpa-infografik GmbH

Die andauernde extreme Hitze und Trockenheit ist nicht nur eine tägliche körperliche Belastung für die Menschen, sie trifft Pakistan auch in einer an sich schon wirtschaftlich und politisch angespannten Situation. Die geringen Niederschläge des letzten Monsuns und des Winters reichten nicht aus, um Seen, Flüsse und Staudämme genügend aufzufüllen. Das wirkt sich jetzt zusätzlich zur verfrühten anhaltenden Hitze negativ auf die Ernte-Erträge in der Landwirtschaft, aber auch auf die Stromgewinnung aus. Denn in Pakistan wird ein beträchtlicher Anteil der Energieversorgung aus Wasserkraft gedeckt. Die Energieknappheit in Pakistan, die wegen der modernisierungsbedürftigen Infrastruktur und der weltweit ansteigenden Energiepreise bei gleichzeitig steigender Nachfrage schon länger ein Problem ist, wird dadurch noch verschärft. Schon jetzt kommt es deshalb vielerorts zu Engpässen bei der Strom- und Wasserversorgung.

„Hitze-Management-Plan“

Aber hat man aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt? Bereits 2015 wurden Pakistan und Indien von einer verheerenden Hitzewelle heimgesucht, die in Pakistans größter Stadt Karachi mehr als 1.200 Todesopfer forderte und 50.000 Fälle von Hitzekrankheit verursachte. Damals waren die Behörden mit der Situation völlig überfordert. Um zukünftig besser mit solchen Situationen umgehen zu können, entwickelte die Stadt Karachi 2017 erstmals einen „Hitze-Management-Plan“ (Heatwave Management Plan), der jährlich nach der heißen Sommerperiode evaluiert und aktualisiert wird. In diesem Plan ist festgelegt, wie die Behörden, Zivilgesellschaft und Bürger zusammenarbeiten, um hitzebedingte Gesundheitsprobleme und Todesfälle in Karachi zu vermeiden, insbesondere in den anfälligsten Gruppen der Bevölkerung. Im Wesentlichen konzentriert sich der Plan auf drei Punkte:

  1. Rechtzeitige Information der Bevölkerung über eine bevorstehende Hitzeperiode und geeignete Schutzmaßnahmen in einem dreistufigen Warnsystem
  2. Effiziente Koordination zwischen den beteiligten öffentlichen Stellen, sodass Verantwortung und Kompetenzen klar sind
  3. Zeitnahe Erhebung von Daten und Information über die Hitzebelastung im Stadtgebiet, z.B. durch Wetterstationen in den Stadtteilen, Sammeln von Informationen über Fälle von Hitze-Erkrankungen in den Krankenhäusern und Daten über Bebauungsart, Wohnsituation und Demografie in den Stadtteilen

Ziel dieses Plans ist es, die Bewohner Karachis rechtzeitig zu informieren, sodass sie sich und ihre Familien in einer Hitzeperiode ausreichend schützen können. Neben dieser konkreten Vorbereitung und Reaktion auf eine Hitzeperiode sind -  so die Meinung von Stadtplanern - jedoch auch langfristige Strategien notwendig, um extreme Wettersituationen wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Dürreperioden, die in den letzten Jahren in Pakistan zugenommen haben, abzumildern oder abzuwenden. Dazu gehört nach Expertenmeinung unbedingt eine langfristige, nachhaltige Stadtplanung. Flächennutzungs – und Entwicklungspläne sollten das ungeordnete Wuchern der Millionen-Metropole in geordnete Bahnen lenken: Flächen für hohe Bebauung müssen speziell ausgewiesen werden, damit entsprechende Verkehrsinfrastruktur, Wasserversorgung und Freiflächen eingeplant werden. In bestehenden Stadtvierteln sollten Modernisierungs- und Umbaupläne Grünflächen berücksichtigen, die das Problem dichter Bebauung und daraus entstandener Hitze-Inseln mildern. Die Förderung nachhaltiger Verkehrssysteme und die Entwicklung neuer Stadtteilzentren kann zur Reduzierung der Verkehrsdichte einen wichtigen Beitrag leisten, so die Experten.

Opfer des Klimawandels

In Pakistan sieht man sich in erster Linie als Opfer des Klimawandels, der vor allem durch Treibhausgase in den Industrieländern angetrieben werde. Insofern herrscht bei Politik und Bevölkerung oft die Meinung vor, dass es die Aufgabe der Industrieländer sei, dieses Problem zu lösen und für entsprechende Maßnahmen die notwendigen Gelder bereitzustellen. Dabei fehlt oft das Bewusstsein dafür, welche Auswirkungen achtlose lokale Entscheidungen wie unkontrolliertes städtisches Wachstum, Abholzung von Wäldern und ineffizienter Wasserverbrauch auf diese Entwicklung haben. Eine zusätzliche Herausforderung stellt das starke Bevölkerungswachstum dar, wodurch immer mehr Menschen um knappe Ressourcen konkurrieren.

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Doch auch in Pakistan entwickelt sich insbesondere unter jungen Menschen in den wachsenden Städten des Landes langsam ein Umweltbewusstsein. Umweltschützer wie die Aktivisten der Organisation SHEHRI Citizens for a better Environment setzen sich für den Erhalt von Grünflächen ein, kämpfen für Artenschutz oder entwickeln nachhaltige Geschäftsideen wie die junge Unternehmerin Emaan Khan, die aus Plastik-Abfällen traditionelle Puppen herstellt und damit ökologische Bildungsinitiativen für Kinder und Jugendliche finanziert. 2019 startete die Regierung Pakistans ein groß angelegtes Wiederaufforstungsprogramm unter dem Titel „10 Billion Tree Tsunami“, um den Folgen des Klimawandels entgegenzutreten. Das Projekt feierte gerade einen wichtigen Meilenstein, als der milliardste Baum gepflanzt wurde. Für Pakistan ist Umweltschutz eine Überlebensfrage. Denn das fünft bevölkerungsreichste Land der Welt gehört nach Angaben von UNEP auch zu den sechs Ländern der Welt, die am anfälligsten für den Klimawandel sind.

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Blick auf Bhamala Stupa, Khanpur Lake, vom gegenüberliegenden Ufer des Haro River

© Birgit Lamm

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