Equal Pay Day
Diskriminierung von berufstätigen Frauen in Südkorea

Choyoung Son FemaleForwardBlog

Trotz der schnellen Industrialisierung nach dem Koreakrieg und der Entwicklung zu einem modernisierten Land, nimmt Südkorea immer noch einen hohen Rang bei der Ungleichheit der Geschlechter ein. Im Jahr 2019 betrug das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen in Südkorea 32,5 %. Dies war der höchste Anteil unter den OECD-Mitgliedsländern. Obwohl die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt in der koreanischen Gesellschaft zugenommen hat, ist ihre Gleichstellung dort noch immer nicht erreicht.

Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes vergrößert sich das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern nach dem 30. Lebensjahr, zu der Zeit wo Frauen häufig Karriereunterbrechungen aufgrund von Heirat oder Mutterzeit erleben. Im Allgemeinen haben Frauen in ihren 30ern die höchsten Löhne und neigen dazu, ab ihren 40ern einen Rückgang des Einkommens zu erleben. Nach ihrem 40. Lebensjahr ist der Anteil der Frauen, die in Niedriglohnbereichen arbeiten, höher als der der Männer. Auf der anderen Seite verdienen Männer ihr höchstes Gehalt in ihren 40ern. In der Altersgruppe der 50-Jährigen ist der Unterschied im Lohngefälle zwischen Männern und Frauen am größten. Frauen verdienten hier im Allgemeinen fast 2 Millionen KRW (ca. 1470 EUR) weniger pro Monat als Männer.

Die Bildungsabschlüsse und die Einschreibequoten an Universitäten sind bei südkoreanischen Frauen allerdings höher als bei Männern. Das wirft die Frage auf, wie eine so große Lohnlücke weiterhin bestehen kann.  Blickt man auf den Prozess der Beschäftigung ist die Arbeitsmarktsegregation nach Geschlecht klar ersichtlich: Stereotypen prägen immer noch die Arbeitsfelder, in denen Männer und Frauen beschäftigt sind. Eine Folge davon ist, dass Frauen von Führungspositionen ausgeschlossen werden. Dies führt wiederum dazu, dass Frauen im Niedriglohnsektor vermehrt beschäftigt werden. 

Der Anteil von Frauen in höheren Führungspositionen ist durchweg gering. Für Frauen, die bei der Einstellung, Stellenbesetzung und Beförderung diskriminiert werden, ist es schwieriger Schlüsselpositionen im Unternehmen zu erreichen. Daher werden Männer meist in den für ein Unternehmen zentralen Abteilungen eingesetzt. Frauen werden mit Hilfs- und minderen Funktionen betraut. Dies führt dazu, dass Frauen in Bezug auf ihre beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen hinter den Männern zurückbleiben, was gleichzeitig zu einem Einbruch bei den Beförderungen führt. Dies erschwert wiederum die Einführung einer Beschäftigungspolitik für Frauen. Dieser Teufelskreis kann nur dann durchbrochen werden, wenn mehr Frauen in Führungspositionen sind.  

Um das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern zu verringern, muss Elternzeit unabhängig vom Geschlecht garantiert werden. Zudem darf es keine geschlechtsspezifischen Nachteile bei Beförderungen geben. Die Regierung sollte darauf drängen, die Unterschiede auszugleichen und die Gleichstellung durch politische und institutionelle Maßnahmen zu erreichen, zum Beispiel durch die Einführung eines Systems zur Offenlegung von Löhnen und Gehältern. Vom Einstellungs- bis zum Beförderungsprozess muss das System verbessert werden, um Benachteiligungen von Frauen zu verhindern. Damit die „Gläserne Decke “ auch nur einen kleinen Kratzer bekommt, ist es notwendig, dass die Gesellschaft insgesamt  ihre Wahrnehmung ändert. Darüber hinaus sind Anstrengungen für die Gleichstellung der Geschlechter in der südkoreanischen Arbeitsgesellschaft sowohl von Unternehmen selbst als auch von der Regierung unerlässlich.

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Helena von Hardenberg
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