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Eine Streiterin für Frauenrechte, Finanzen und Integration

Liselotte Funcke zum 10. Todestag
Liselotte Funcke

Liselotte Funcke

© TroNa GmbH

Als viertes von fünf Kindern eines Hagener Fabrikanten kam sie 1918 zur Welt. Die ersten Lebensjahre in der krisengeschüttelten Weimarer Republik erlebte sie als turbulent und dennoch auch glücklich. Der Nationalsozialismus beeindruckte sie zwar, aber insbesondere die Haltung der Eltern führte auch bei ihr zu zunehmender Skepsis. 1937 machte sie ihr Abitur und wechselte zum Studium an die Wirtschaftshochschule nach Berlin. 1941 legte sie ihr Diplom ab. Ihr Interesse für Politik, Wirtschaft und Finanzen war früh spürbar. Der Bezug zur praktischen Arbeit und zur finanziellen Selbstständigkeit blieb wichtig für sie. So arbeitete sie in einer Radiofabrik, bei den Bayerischen Motorenwerken (BMW) in München und zeitweise auch als Straßenbahnschaffnerin. Während ihrer ersten beruflichen Anstellung bei einem Wirtschaftsprüfer in Wuppertal erfuhr sie früh, dass man Frauen einen solchen Beruf damals einfach nicht zutraute. Das Kriegsende mit den Bombardements von Wuppertal und Hagen erlebte sie hautnah; ihr Elternhaus wurde im März 1945 zerstört; im April zogen amerikanische Besatzungstruppen in Hagen ein.

„Die Demokratie lebt von der Mitwirkung und Mitverantwortung des Bürgers"

Liselotte Funcke
Liselotte Funcke

Von Wahl zu Wahl

Funcke arbeitete seit Ende 1944 als Abteilungsleiterin im Familienunternehmen Funcke & Hueck. Das liberale politische Engagement des Vaters hatte sie als Jugendliche wahrgenommen; 1946 trat sie mit ihm gemeinsam in die FDP in Hagen ein. Sie wurde schon Ende der 1940er Jahre in den NRW-Landesvorstand gewählt, dem sie bis 1981 angehörte. 1950 zog sie als eine von wenigen Frauen und von dem eigentlich hoffnungslosen Listenplatz 23 aus überraschend in den nordrhein-westfälischen Landtag ein. Hier brachte sie sich in die leidenschaftliche Debatte um die Gemeinschaftsschule ein. Aber auch der Lehrermangel, die Schulraumnot und die Koedukation waren Anliegen, die sie verfolgte. 1956 unterstützte sie den von den sogenannten „Jungtürken“ Walter Scheel, Willi Weyer und Wolfgang Döring vorangetriebenen Koalitionswechsel zur SPD.

Fünf Jahre später, 1961, kandidierte Liselotte Funcke erfolgreich bei den Bundestagswahlen. Als Abgeordnete bewährte sich ihre berufliche Erfahrung als Wirtschaftsprüferin, indem sie Mitglied im Finanzausschuss wurde, dem sie 18 Jahre lang angehörte und davon sieben den Vorsitz führte. Wichtige Steuergesetze wie diejenigen über Mehrwert-, Einkommens-, Gewerbe- oder Erbschaftssteuer wurden unter ihrer professionellen Leitung beraten und beschlossen. Als persönlicher Referent stand ihr in den 1970er Jahren Hermann-Otto Solms zur Seite.

Nach der Wahl von Walter Scheel zum Außenminister und Vizekanzler 1969 nahm sie dessen Posten als Vizepräsident(in) des Deutschen Bundestages ein. Sie behielt dieses Amt für ein Jahrzehnt. Seit 1968 saß sie außerdem neben Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Wolfgang Mischnick im Bundespräsidium der FDP, dem sie bis 1982, zuletzt sieben Jahre als stellvertretende Bundesvorsitzende angehörte.

Neben der Politik engagierte sich Funcke in der evangelischen Kirche. Seit 1953 saß sie im politischen Ausschuss der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, seit 1971 war sie Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bei der Reform des § 218 des Strafgesetzbuches setzte sich Funcke für die Fristenregelung ein. 1974 wirkte sie zudem beim sogenannten Kirchenpapier der FDP „Freie Kirche im freien Staat“ mit.

liselotte funcke
© FNF

Frauenpolitik

Schließlich ist Funckes Engagement in Fragen der Gleichberechtigung der Geschlechter, der damals sogenannten „Frauenpolitik“ zu erwähnen. Ihre Kritik, dass im Bundesverfassungsgericht sieben Männer und nur eine Frau über die Reform des § 218 entschieden, löste ein großes Presseecho aus. Aber es ging auch um Fragen, die heute nur noch Verwunderung auslösen: Das Tragen eines Hosenanzugs im Bundestag oder die Anrede „Frau“ statt „Fräulein“ für unverheiratete Frauen. Gleichstellung war für Liselotte Funcke auch immer ein Thema der gesellschaftlichen Gerechtigkeit.

1979 schied Funcke als Abgeordnete aus dem Deutschen Bundestag aus, denn angesichts der kriselnden FDP in Nordrhein-Westfalen wurde sie von Genscher gebeten, das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in Düsseldorf zu übernehmen. Von Mitte November 1979 bis Anfang Juni 1980 blieb es ein relativ kurzes Gastspiel als Ministerin, weil die FDP den erneuten Einzug in den Landtag verpasste.

Mit Fragen der gesellschaftlichen Gerechtigkeit hängt auch Funckes Engagement in ihrem letzten wichtigen politischen Amt zusammen. Von 1981 bis 1991 arbeitete sie als erste Beauftragte der Bundesregierung für die Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen. Für ihren unermüdlichen Einsatz erhielt sie später den Ehrennamen einer „Mutter der Türken“ verliehen.

Auch in den rund zwei Jahrzehnten des politischen Ruhestands nach 1991 blieb Funcke umtriebig, kümmerte sich um die Geschichte ihrer Heimatregion und weiterhin auch um kirchliche Belange und Gleichstellungsfragen. Mit ihrem großen und mutigen politischen und sozialen Engagement hat sich Liselotte Funcke, die am 1. August 2012 im Alter von 94 Jahren starb, über die liberalen Parteigrenzen hinaus Achtung und Anerkennung erworben.

Liselotte Funcke: Die beständige Visionärin

Liselotte Funcke

Sie setzte sich für die Integration von Ausländern ein wie keine zweite und liebte unbürokratische Abläufe. 

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Für Gleichberechtigung und Integration

Liselotte Funcke

Liselotte Funcke, erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Zeit Ihres Lebens setzte sie sich für eine offene Gesellschaft aller Bürger ein. 

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