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Das Ringen um Nachhaltige Energieimporte

Nach der Weltklimakonferenz in den Vereinigten Arabischen Emiraten und den aktuellen Regierungsplänen steht vor allem eines fest: Es gibt viel zu tun – und angesichts verhärteter internationaler Fronten könnte auch die konstruktive Kompromissbereitschaft in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Auch im deutschen Inland hat die Klimaschutzbewegung ein hartes Jahr hinter sich. Die eindeutig antiisraelische Positionierung der einstigen Klimaikone Greta Thunberg brachte den deutschen Ableger von Fridays For Future in Erklärungsnot und entfachte einen internen Kulturkampf. Ebenso haben die anhaltende Blockade von Verkehrsinfrastrukturen, die Zerstörung von Kulturgütern und die permanente Störung der öffentlichen Ordnung durch die Agitatoren der sogenannten Letzten Generation dem Klimadiskurs in Deutschland mehr geschadet als ihn gefördert. Hinzu kommt die zunehmende Entmutigung vieler Unternehmen und Bürger, die sich angesichts gestiegener Energiepreise verunsichert fühlen und sorgenvoll in die Zukunft blicken. Kurzum: Die Ausgangslage könnte besser sein.

Kohle- und Gaskraftwerk Staudinger am Main in der Nähe von Hanau

Kohle- und Gaskraftwerk Staudinger am Main in der Nähe von Hanau

© picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski

Optimismus ist gefragt

Doch gerade in Zeiten, in denen der Druck spürbar wird, können ganzheitlich gedachte und innovative Lösungen einen bedeutenden Beitrag zur Behebung von Problemen leisten. Derzeit werden 75 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie aus fossilen Importen gewonnen, hauptsächlich aus Kohle, Erdgas und Erdölderivaten. Dass diese Energieformen im Widerspruch zu den deutschen Klimaambitionen stehen, ist unbestritten. Die oft einseitige Abhängigkeit, die sich zwischen exportierenden Nationen und deutschen Verbrauchern entwickelt hat, wurde bereits umfangreich diskutiert, insbesondere seit Russlands völkerrechtswidrigem Angriff gegen die Ukraine. Nun ist es an der Zeit, Lehren aus diesen Erfahrungen zu ziehen und Lösungen zu suchen, anstatt zu verzagen. Hier setzt auch das neue Gutachten zu klimaneutralen Energieimporten an, das im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erstellt wurde.

Nachhaltigkeit ist nur global möglich

Um den internationalen, aber auch den deutschen Energiebedarf nachhaltig und politisch krisenresilient zu decken, sind neue und vielfältige Handelsbündnisse erforderlich. Dabei muss nicht nur das regionale, sondern auch das stoffliche Portfolio deutlich breiter aufgestellt sein als bisher. Angesichts der Vielfalt möglicher Anwendungen sind unterschiedliche Energieträger für die jeweiligen Verbraucher sinnvoller als andere. Auch eine breite Auswahl an Transport- und Verkehrsinfrastrukturen muss berücksichtigt werden. Nicht zuletzt müssen die regionalen Gegebenheiten, einschließlich Handelserfahrungen, vorhandener Infrastruktur, Kostenbedingungen und institutioneller Stabilität, beachtet werden. Das Gutachten zeichnet ein umfassendes Bild und bewertet eine Vielzahl von Parametern, um mögliche Handelsbeziehungen mit über 40 potenziellen Partnern zu bewerten. Die Autoren kommen zu einem klaren Ergebnis: Um das Ziel einer klimaneutralen und nachhaltigen Zukunft zu erreichen, muss die internationale Perspektive stärker berücksichtigt werden. Das bedeutet auch, dass private Investitionen in eine internationale Wasserstoffwirtschaft bereits jetzt getätigt werden müssen, um spätestens bis zum Ende des Jahrzehnts die internationalen Märkte mit nachhaltigen Wasserstoffderivaten zu versorgen. Ein klarer Auftrag.