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Malediven
Gleichstellung auf den Malediven

Weiterhin viele Hürden für Frauen im Berufsalltag
Role of women in Maledivian Society

Role of women in Maldivian Society - Social media poster

© FNF South Asia

Das schönste Badeparadies der Welt, perfektes Urlaubswetter, fantastische Unterwasserwelten, traumhafte Wasserbungalows, malerische Sonnenuntergänge: Kommt das Gespräch auf die Malediven sind sich Touristen, die die Inselgruppe im Indischen Ozean besucht haben, schnell einig. Für tiefere Einblicke in den Alltag fehlt jedoch meist die Zeit. In der ehemals matriarchalisch organisierten Gesellschaft haben Frauen eine traditionell starke Stellung und sind stärker am Erwerbsleben beteiligt als in anderen südasiatischen Staaten. In der Politik spielen sie eine aktive Rolle.

Auf einer Online-Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) Anfang November 2022 beleuchteten Expertinnen, welchen Beitrag die Frauen der Malediven für die Wirtschaft leisten, wie es um die Gleichberechtigung steht und welchen Grad an politischer und gesellschaftlicher Freiheit sie erreicht haben.

In einem einleitenden Impuls erinnerte Lakshmi Sampath Goyal daran, dass die Malediven vor ihrem Aufstieg zu einer bekannten Tourismus-Destination vor allem vom Fischfang lebten. Während die Männer wochen- oder gar monatelang auf See waren, kümmerten sich die Frauen um alle öffentlichen und privaten Belange. Das habe ihre traditionell starke Rolle und ihren Anspruch auf Gleichstellung begründet, sagte die Geschäftsführerin des Centre for Civil Society, einer Denkfabrik mit Sitz in New Delhi. An Grund- und Sekundarschulen sei beim Besuch und auch beim Abschluss die Quote bei den Schülerinnen und Schülern ausgeglichen. Mit einer Alphabetisierungsrate von 99 Prozent liegen die muslimisch geprägten Malediven in Südasien beim Bildungslevel weit vorn. Jüngst seien zudem Gesetze erlassen worden, die die Beteiligung von Frauen am wirtschaftlichen und politischen Leben fördern sollen.

Laut Global Gender Gap Report (2020) des Weltwirtschaftsforums schneiden die Malediven gleichwohl eher schlecht ab. Das fünfte von der UN proklamierte Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG), das Erreichen von Geschlechtergleichheit und die Befähigung aller Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung, wird das Land verfehlen. Unter der Corona-Pandemie hätten viele Frauen stärker als Männer gelitten, da diese häufig informell in der Tourismusindustrie beschäftigt seien, ohne Sozial- und Rentenversicherung, so Goyal. Staatliche Hilfen während der Krise blieben ihnen deshalb verwehrt.

Dr. Marium Jabyn, Mitgründerin und Vorsitzende der Nichtregierungsorganisation Equal Rights Initiative und zuvor in diversen hohen Positionen in der Regierung ihres Landes, wies darauf hin, dass zwar viele neue Gesetze auf Gleichstellung abzielten. Bei der Umsetzung hapere es aber noch. „Das liegt auch daran, dass viele Schlüsselpositionen etwa bei Gerichten oder der Polizei nicht mit Frauen besetzt sind“, so die Juristin.

Jeehan Mahmood, die im Parlament die demokratische Partei Hinnavaru Constituency vertritt und sich als Vorsitzende des Parlamentarischen Ständigen Ausschusses für Menschenrechte, Kinderrechte und Gleichstellung einsetzt, berichtete, dass in den meisten der aktuell 17 ständigen Ausschüssen des Parlaments gar keine Frau vertreten sei. Von den 87 Abgeordneten im nationalen Parlament sind nur vier Frauen. Bei vielen Gesetzen würde die Stimme von Frauen somit gar nicht gehört und damit auch nicht auf deren Bedürfnisse eingegangen, sagte Mahmood. Trotz der Defizite habe die Zahl von Richterinnen oder etwa Ärztinnen, wenngleich von einem niedrigen Niveau, sehr stark zu genommen. Mut mache auch die deutlich gestiegene Frauenquote in den Kommunalparlamenten und in der Wirtschaft.

Yumna Rasheed etwa, Unternehmerin und Gründerin von Gift Baskets Maldives, die zuvor für die Regierung, die UN und die Weltbank arbeitete, nutzt ihr Unternehmerinnentum, um nicht nur ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Ihr gelang es, eine hartnäckige Schlafstörung in den Griff zu bekommen und positiver zu denken. Ihr Erfolg machte sie zu einer Quelle der Inspiration auf den Malediven.

Jeehan Mahmood, Mutter zweier Söhne, unterstrich, wie wichtig es sei, Söhne mit Respekt für Frauen großzuziehen und dass Frauen Mädchen und Frauen konsequent fördern müssten. Trotz der gleichberechtigten Ausbildung von Frauen in der Schule und an den Universitäten würde es noch immer nur wenigen gelingen, etwa im Staatsdienst in verantwortungsvolle Positionen aufzusteigen. Als Grund nannte Jeehan Mahmood, dass viele Frauen Familie und Job immer noch nicht vereinbaren können, da es etwa an Betreuungsmöglichkeiten fehle. Nach der Rückkehr in den Job sei es oftmals schwierig, den Anschluss zu finden, um in eine höhere Position aufzusteigen. Im privaten Sektor sei die Situation noch schwieriger. Marium Jabyn ergänzte, dass auch religiöse Hürden im Islam existierten. Frauen, die etwa ein Richteramt anstrebten, würde bisweilen bedeutet, dass dies keine angemessene Tätigkeit für sie sei.

Einig waren sich die Expertinnen, dass einerseits große Fortschritte auf den Malediven erzielt worden seien, andererseits trotz weiterhin großer Herausforderungen der Kampf für die Gleichstellung mit voller Kraft und Mut fortgesetzt werden müsse.

Dr. Carsten Klein, Leiter des Regionalbüros Südasien der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, unterstrich abschließend, dass die neuen maledivischen Gesetze zur Gleichstellung der Frauen bewiesen, welche große Bedeutung dem Thema eingeräumt werde. Festgeschrieben worden sei zum Beispiel, dass Frauen in Führungspositionen gefördert werden sollen, unter anderem in lokalen Parlamenten, aber auch in anderen Bereichen. Die Diskussion während des Webinars habe aber auch gezeigt, wie wichtig der gesetzliche Rahmen, die Vertretung der Frauen und Ressourcen seien, um die Entwicklung zu unterstützen. Klein berichtete zudem, dass die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit jüngst eine Kampagne mit dem Titel „Female Forward“ gestartet habe. Ein Fokus liege auf Unternehmerinnentum. Unter anderem unterstütze die Stiftung die Gründerinnen dabei, ihre Firmen digital zu präsentieren.

Auch die Stiftung selbst setzt ein starkes Zeichen für die Gleichstellung von Mann und Frau. Künftig sollen 50 Prozent aller Experten, Redner, Autoren und Trainer bei allen Projekten und Veranstaltungen Frauen sein.