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Bildung
Bildungsdefizit Wirtschaft und Unternehmertum in Deutschland

Zur Darstellung wirtschaftlicher Themen in deutschen Schulbüchern
Wirtschaft und Recht

Schülerinnen und Schüler schreiben Prüfung im Fach "Wirtschaft und Recht".

© picture alliance/KEYSTONE | GAETAN BALLY

Nach einem goldenen Jahrzehnt ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland nicht rosig. Fehler der Vergangenheit wie der Bürokratieaufbau, einseitige Abhängigkeiten bei der Gasversorgung bis zum Aufweichen der rentenpolitischen Reform kumulieren mit negativen globalen Trends. Dazu kommen langfristige Herausforderungen wie die Vereinbarkeit von Umweltschutz und Wachstum, der demographische Wandel und die fortschreitende Digitalisierung mit KI als neuestem Megatrend.

Die Lage schreit nach entrepreneurial spirit. Nach innovativen Ideen und nach Menschen, die diese mutig in der Praxis umsetzen – im vollen Bewusstsein, damit auch scheitern zu können. Kurz: Wir brauchen Unternehmer und Unternehmerinnen. Damit die wirtschaftliche Aussicht besser wird. Und damit wir Lösungsansätze für die Bewältigung der vielen Probleme in der Praxis ausprobieren können. An dieser Stelle rächt sich ein weiteres Versäumnis der goldenen Jahre (und der Zeit davor): Wirtschaft, Unternehmerpersönlichkeiten und unternehmerische Innovationsdynamiken werden an Deutschlands Schulen eher skeptisch beäugt.

Glücklich, wer in seiner Schulzeit anderes erlebt hat – positive Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder. Aber in der Tendenz ist es so, dass die Skepsis gegenüber Märkten und Unternehmern überwiegt. Dies zeigt – wie bereits auch frühere Untersuchungen (hier und hier beispielsweise) – eine neue Studie, die die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit Die JUNGEN UNTERNEHMER in Auftrag gegeben hat. Die Forscher vom Zentrum für ökonomische Bildung in Siegen (ZÖBIS) kommen zu dem Schluss, dass der Staat „in den Schulbüchern als benevolenter, paternalistischer Akteur“ auftritt, „der über seine Bürger wacht und stets das Gute will“. Seine Rolle wird nicht kritisch betrachtet, während marktliche Lösungsmöglichkeiten im Hintergrund stehen. Angesicht der wirtschaftlichen Lage müssen wir auch dieses lange bestehende Defizit endlich angehen."

Der Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Professor Karl-Heinz Paqué, kommentiert:

„Wirtschaftsunterricht braucht Fachlehrer und einen zentraleren Platz auf dem Lehrplan. Denn bisher schafft er es nicht, junge Menschen zu befähigen, unternehmerisch und gut informiert ihre eigene wirtschaftliche Zukunft gestalten zu können.“

Thomas Hoppe, Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer:

„Die Zeitenwende in der ökonomischen Bildung wird gerade verpasst. Unsere systematische Untersuchung der an deutschen Schulen eingesetzten Schulbücher deckt eindeutige fachliche Mängel auf und macht deutlich, dass Wirtschaftsthemen oft einseitig und ideologisch dargestellt sind. Wie sollen Schüler ökonomisches Denken lernen, wenn das Unterrichtsmaterial derart ungeeignet, teilweise sogar falsch ist?“

 

7 Thesen der Studienauftraggeber zur Ökonomischen Bildung: 

  1. Ökonomische Bildung muss verstärkt werden! Ökonomische Bildung ist die Grundlage, damit Schüler und Schülerinnen ihr/das Leben in einer demokratischmarktwirtschaftlichen Ordnung reflektieren können. Deshalb muss das Thema endlich höhere Priorität erfahren. Bisher kommen wirtschaftliche Themen im Unterricht viel zu kurz. Ökonomische Bildung muss als Teil der Staatsbürgerkunde verstanden werden.
  2. Ökonomische Bildung muss fehlerfrei vermittelt werden! An zu vielen Stellen der untersuchten Bücher finden sich noch Fehler und Ungenauigkeiten. Dazu bedarf es besserer, d.h. fachlich richtiger und pluraler Unterrichtsmaterialien. Schulbüchern nehmen hier eine zentrale Rolle ein. Zur Verbesserung muss sowohl bei der Zulassung als auch der Schulbucherstellung mehr Transparenz herrschen. Zudem bedarf es einer objektiven Qualitätskontrolle und mehr Wettbewerb auf dem Schulbuchmarkt.
  3. Ökonomische Bildung muss von Fachleuten vermittelt werden! Lehrerausbildung muss im gleichen Schritt verbessert werden, sonst hilft auch ein Schulfach Wirtschaft wenig. Die Studie zeigt auch Mängel in den Lehrkräftebänden. So wie der Mathematikunterricht besser nicht vom Deutschlehrer übernommen wird, so sollten auch ökonomische Inhalte nur von gut ausgebildeten Fachleuten vermittelt werden.
  4. Ökonomische Bildung muss in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften verankert werden! Ohne gute Weiterbildungsangebote und ohne fachlich und didaktisch exzellente Ausbildung wird es nicht gelingen, das Fach Wirtschaft qualitativ hochwertig zu verankern.
  5. Ökonomische Bildung muss ideologiefrei erfolgen! Unternehmertum und die Rolle des Staates muss müssen objektiv dargestellt werden. Wirtschaftliche Themen, die Soziale Marktwirtschaft und das Unternehmertum kommen in Schulbüchern nicht nur zu kurz, sondern werden allzu oft durch eine ideologisch aufgeladene, marktskeptische Brille betrachtet.
  6. Ökonomische Bildung muss sich an der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen orientieren! Praxisferne Beispiele, uninspirierte Aufgaben und ein Fokus auf Strukturen statt auf Personen: Wenn ökonomische Inhalte aktuell aufgegriffen werden, dann viel zu häufig maximal unzugänglich für die Zielgruppe.
  7. Ökonomische Bildung muss fachlich fundiert sein! Wir brauchen ein eigenständiges Fach Wirtschaft/ökonomische Bildung in allen Bundesländern – nur so kann die Ökonomische Bildung fundiert erfolgen.