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Smarte Sympathieträger

Führungskräfte in der Digitalwirtschaft könnten zu unternehmerischen Vorbildern werden. Eine riesige Chance, aber bisher kaum genutzt.
Ökonomische Inhalte in Kinder- und Jugendbüchern
Ökonomische Inhalte in Kinder- und Jugendbüchern

Wer kennt es nicht - das klassische Bild des Unternehmers: ein älterer Herr möglichst mit Zigarre in patriarchalischer Haltung, Anzug tragend mit Krawatte, vom Schreibtisch aus sein Haus führend und lenkend. Es taucht auch heute noch überall auf: als Schreckbild des kapitalistischen, gewinnmaximierenden Ausbeuters des Gebieters über ein riesiges Arbeiterheer.

Was wir über „Wirtschaft" lernen ist heute veraltet

Längst hat dieses Bild kaum mehr was mit der Realität zu tun. Es beherrscht aber - direkt oder indirekt - noch immer den Geist der Darstellung von Wirtschaft in Kinder- und Schulbüchern, wie die neueste Studie im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit belegt. Wie eine Marktwirtschaft funktioniert, wird dabei kaum beleuchtet. Nur das Ergebnis steht fest: eine hierarchische Ordnung, die vielleicht effizient und zielgerichtet arbeitet, aber keinerlei Sympathien weckt. Wer will da schon mitmachen - außer als still leidender Arbeitnehmer, der seinem geregelten Job nachgeht, um seinen Lebensstandard zu sichern?

Diese Welt der Industriekapitäne ist längst untergegangen. Ersetzt wurde sie durch die dynamische Aura individualistischer Entscheidungsträger, wie sie sich in der modernen digitalen Dienstleistungswelt findet: junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich schon äußerlich bemühen, jene Innovationskraft auszustrahlen, für die ihr jeweiliges Unternehmen steht. Nicht Macht, sondern Motivation steht im Vordergrund.

Marktwirtschaft wird von Innovationen getrieben

Ein überaus sympathisches Bild. Es passt zur überragenden Bedeutung, die der Innovationskraft in der politischen Rhetorik heute zukommt. Zu Recht, denn sie ist der wahre Treiber der digitalisierten Marktwirtschaft - und nicht das Kapital, weshalb der Begriff „Kapitalismus“ auch zunehmend anachronistisch wirkt. Tatsächlich ist heute bei extrem niedrigen Zinsen nicht der Mangel an Kapital die größte Gefahr für Wachstum und Wohlstand, sondern das Versiegen der Innovationskraft - gerade in Deutschland mit seiner alternden und bald schrumpfenden Bevölkerung.

Kurzum: Unternehmerinnen und Unternehmer sind in dieser „brave new world“ von überragender Bedeutung. Ihre Bereitschaft, Risiken zu tragen und dadurch Innovationen voranzubringen, ist der unerlässliche Motor auf dem Weg in die Zukunft. Man fragt sich allerdings: Warum wird jungen Menschen dies nicht erklärt? Warum verharren Schulbücher und Kinderliteratur im veralteten „männlich-machtzentrierten“ Unternehmerbild der klassischen industriellen Ära? Warum verlassen Schülerinnen und Schüler ihre Schulen ohne solide Kenntnisse der Marktwirtschaft und Wissen über die tragende Rolle der Unternehmerschaft? Warum halten sich tradierte Feindbilder des Klassenkampfs zwischen Kapital und Arbeit viel länger als die industrielle Gesellschaft?

Wieso hält sich die marxistische Klassenvorstellung?

Es liegt wohl an einer Art geistigen Trägheit, die auch früher schon gesellschaftlich verbreitet war. Noch lange nach dem Übergang in die Welt der Industrie im späten 19. Jahrhundert dominierten die Werte der untergegangenen Agrargesellschaft. Und so ist es heute der Nachhall der marxistischen Klassenvorstellungen aus der großen Zeit der Industrie, der trotz Digitalisierung noch immer die Bilder der Wirtschaftswelt dominiert. Er liefert ja auch so schöne Stories von Gut und Böse, mit denen man dann Tatort-Krimis und die Belletristik bestücken kann - fernab der eigentlichen neuen Realität.

Diese Ignoranz könnte sich rächen. Denn wir brauchen dringend eine neue Generation junger Unternehmerinnen und Unternehmer, um unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationskraft zu erhalten und, wenn möglich, zu stärken. Aber wer wählt schon gerne einen Beruf, der so niedrig im Kurs steht und obendrein hochriskant ist? Dann lieber Angestellter werden mit gesicherter Beschäftigung. Oder besser noch: Beamter beim Staat.