Auslandsakademie
Libanon 2022:Jallah Jallah Dschihad!

Libanon
© FNF

Nach einer Nacht – gefühlt wie in den Märchen aus Tausend und einer Nacht - ging es beinahe ohne das köstliche Frühstück weiter. Aber auch das klärte sich wie fast immer in diesem Land ganz überraschend mit einem dann doch möglichen, früheren Start.

Nach dem Checkout ging es durch die mittelalterlichen Gassen zum Bus.

Es ging es hier so eng zu, dass der Bus nicht mal mit der libanesischen „ hautengen" Fahrweise  direkt bis zum Hotel fahren konnte. Dies hieß für uns das Vergnügen eines kleineren Spazierganges durch die interessanten kleinen Gassen.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir bereits unseren ersten Haltepunkt: die Sommerresidenz des Präsidenten in Beit Eddine. Die Sommerresidenz ist ein Palast, welcher von Emir Bachir Chahabi von 1767 – 1850 erbaut wurde. Er liegt auf 900 m Höhe. Aktuell wird der Palast durch den libanesischen Präsidenten jedes Jahr für 22 Tage im August genutzt. Er residiert im hinteren Teil des Palastes.
Beim Bau des Palastes hielten unterschiedlichste gestalterische Elemente aus dem ottomanischen, dem toskanischen und dem  arabischen Bereich Einfluss. Zum Verweilen und Staunen luden hierbei die prachtvoll gestalteten Mosaike und  Schriftzüge ein.

Der früher dort herrschende Emir war Gerichtsherr, Richter und Herrscher in einer Person. Interessant hierbei ist, dass der Palast auch über einen großen Gerichtsbereich verfügte. Der Emir sprach seine Urteile mit dem Rücken zu den Angeklagten um nicht parteiisch zu wirken.

Besonders faszinierte uns der prunkvolle Badebereich der ähnlich einem römischen Bad funktionierte.

Da die Zeit leider drängte,  ging es nach einer etwas abgekürzten Führung auch gleich weiter ins Al-Chouf Naturreservat.

Das Al-Chouf Naturreservat

Während der Fahrt in die Berge gab es eine musikalische Unterhaltung mit Michel’s Specials, die für gute Stimmung sorgten. Unser Fahrer Dschihad kämpfte sich derweil den Berg hoch.

Kaum angekommen wollten wir uns der geplanten Baumpflanzung widmen. Leider gab es hier ein paar Schwierigkeiten – der lange vorbestellte Zedernbaum fehlte noch.

Wir nahmen es auf die libanesische Art und versuchten, trotzdem eine Lösung zu finden. So wurde es!

Der Baum wird nun in unserer Abwesenheit gepflanzt und wir bekommen ein Foto vom gepflanzten Baum mit Schild. Dieses wird dann im Nachgang auch hier im Block veröffentlicht. Durch die Haltezeit des Busses konnten wir, die herrlich saubere Luft und die sehr besondere Natur genießen und bewundern sowie – wenn auch nicht aktiv- einen kleinen Teil zur Wiederaufforstung des Zedernwaldes beitragen.

Unser Busfahrer Dschihad brachte uns zu unserem nächsten Haltepunkt, dem ältesten Teil des Reservates. Beim Al-Chouf Reservat handelt es sich um das größte zusammenhängende Reservat im Libanon. In den verschiedenen Wäldern des Reservats stehen bis zu 4 Millionen Bäume. Die Hauptaufgabe des Reservates ist der Schutz der Bäume vor menschlichen Einflüssen. Die Zedern benötigen 30 Jahre bis zur Geschlechtsreife, danach können sich die Zedernbäume selbst aussähen. Eine großflächige Anpflanzung ist daher nicht nötig. Zusätzlich sorgt die Ausbreitung der Wälder für neue Jobs für die umliegende Bevölkerung. Denn die Libanesen haben sehr schnell verstanden, dass das Reservat allen umliegenden Bewohnern Vorteile bringt. Das Reservat hat sich seit seiner Gründung 1996 zu einem beliebten Ausflugsort für lokale und internationale Gäste entwickelt.

In diesem alten Bereich des Reservates führte uns unser Reisebegleiter über einen kleinen Rundweg mit sehr alten und unglaublich schönen Bäumen. Lina übersetzte, den Guide aus dem Arabischen wunderbar, so dass uns kein Detail entging. Unser Reiseführer wurde auch nicht müde zu erwähnen, wie gut die Luft im Reservat ist. Faszinierend ist auch, dass einige der Bäume bis zu 2000 Jahre alte sind. Im Verlauf des weiteren Rundganges konnten wir viel neues über Zedernbäume lernen. Zum Beispiel, dass früher aus dem Harz des Zedernbaumes Parfüm für Kaiser und Könige gefertigt wurde. Auch wird in dem Park kein Holz von abgefallen Ästen entfernt. Einerseits dienen die Äste Zugvögeln als Nestbaumaterial andererseits tragen verwesende Äste zu einer guten Humusschicht bei. Beides sorgt auch wieder für den Schutz der Bäume, das die Zugvögel Schädlinge von den Zedern abhalten.

Auch hier ging es nach einer tollen Führung gleich weiter zum Bus.

Nach einen weiteren kurzen Halt für ein Gruppenbild ging es dann in ortsüblichen rasanter Fahrt wieder bergabwärts nach Beirut zurück.

 

Carlo Weigel studiert Bauingenieurwesen im 6. Semester an der Hochschule 21 in Buxtehude.