Filmkritik
Die Unbeugsamen – Wenn Frauen den Ton angeben

Der neue Film von Torsten Körner zeichnet eindrucksvoll die Probleme und Kämpfe der Frauenbewegung in der Bonner Republik nach.
Die Unbeugsamen
Die Protagonistinnen des Films bilden einen Querschnitt der deutschen Parteienlandschaft ab © ©Majestic / AnnetteEtges

Eine Kanzlerin schien zu Zeiten, zu denen selbst eine zweite Frau im Kabinett hart erkämpft werden musste, unerreichbar. Doch auch dieser Traum ist inzwischen Realität. Vielleicht dauert es also gar nicht mehr allzu lang, bis das Geschlecht wirklich egal ist, denn Politik wird ja schließlich mit dem Kopf gemacht.

Aber wie sind wir überhaupt so weit gekommen? Diese Frage will Torsten Körner in „Die Unbeugsamen“ beantworten. Schon seit der Geburtsstunde der deutschen Demokratie mussten Frauen um Teilhabe und Mitbestimmung kämpfen. Vor etwas mehr als hundert Jahren war ihnen noch nicht einmal das Wählen gestattet, aktives politisches Engagement war undenkbar. Doch selbst nach dem 2. Weltkrieg konkurrierten sie lange um die wenigen verfügbaren Mandate.

Durch Interviews mit zahlreichen Zeitzeuginnen aus der Bonner Republik versucht Körner, den Werdegang der Frauen im deutschen Bundestag und den etablierten politischen Parteien nachzuzeichnen. Dabei wird vor allem eines klar: unabhängig von der politischen Ausrichtung standen sie lange vor einem gemeinsamen Problem. Unzählige Aufnahmen aus dem alten Parlament und die Aussagen der Politikerinnen machen betroffen. Sie zeichnen ein Bild, das noch heute weit verbreitet ist. Ein Bild von Reduktion auf das Geschlecht, Sexismus und einem veralteten Rollenbild.

In zwölf Kapiteln stellt der Film die bewegenden Momente feministischer Errungenschaften von den Kinderschuhen der Bonner Republik bis zur Wiedervereinigung dar. „Unbeugsame“ wie Ingrid Matthäus-Maier, Ursula Männle und Christa Nickels erinnern an unzählige Schwierigkeiten, Kämpfe und Demütigungen, sprechen aber auch über ihre großen Vorbilder wie etwa Hildegard Hamm-Brücher. Männer kommen nur in Archivausschnitten vor. Stolz tragen sie die Tatsache, dass Frauen andere Politik machen vor sich her. Wenn dem nicht so wäre, bräuchte man sie ja schließlich nicht, so eine der Zeitzeuginnen.

Wenn die Leute nicht weiterkämpfen, werden sie das, was sie haben, wieder verlieren.

Marie-Elisabeth Lüders

„Natürlich haben die Männer etwas zu verlieren“, analysiert Ursula Männle. Denn schließlich müssten zwangsläufig Männer den Posten räumen, um Frauen Platz in der Politik zu geben. Doch das ist zweitrangig, das Endergebnis zählt. Und das wird durch Vielfalt und Einbezug aller gesellschaftlichen Gruppen besser. Vom Misstrauensvotum zum Sturz von Helmut Schmidt über die noch immer andauernde Diskussion um die umstrittenen Abtreibungsgesetze oder auch die Aufrüstungsdiskussion, die Perspektive der Frauen in der Politik bereichert den Diskurs.

Es ist an der Zeit, dass Frauen in der Politik endlich als ebenbürtig wahrgenommen werden. Und auch, wenn schon viel erreicht wurde in den letzten 100 Jahren, so sind wir noch immer nicht am Ziel. Die letzten 16 Jahre haben auf jeden Fall gezeigt, dass Frauen auf der politischen Bühne angekommen sind und auch den Ton angeben können. Viele Kinder kennen ja schon heute gar keinen „Kanzler“ mehr.

„Die Unbeugsamen“ wurde von der Friedrich-Naumann-Stiftung vor dem offiziellen Start bundesweit gezeigt. Der Film läuft am 26. August in den deutschen Kinos an.