Tag der Befreiung
Kriegsende und die Potsdamer Konferenz

Im Gespräch mit dem amerikanischen Historiker Robert S. Mackay
Die Truman-Villa 1945. Heutiger Sitz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Potsdam.

Die Truman-Villa 1945. Heutiger Sitz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Potsdam.

© CC Commons / U.S. National Archives and Records Administration

Erschien erstmalig am 08.05.2020 auf freiheit.org

Robert S. Mackay ist ein amerikanischer Historiker, der über Zeitgeschichte publiziert, unter anderem auch über die Truman-Villa, dem heutigen Hauptsitz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, im Wandel der Zeit. Anlässlich des Tages der Befreiung vom Nationalsozialismus haben wir mit ihm über die historische Bedeutung der Truman-Villa gesprochen. 

Freiheit.org: In der ganzen Welt wird am 8. Mai dem Kriegsende gedacht. Als Amerikaner und Historiker, der sich intensiv mit Zeitgeschichte beschäftigt hat: Was sind Ihre Gedanken, wenn Sie heute von Potsdam aus in die Welt und in die Vergangenheit zurück blicken?

Auch wenn ich in Berlin lebe, habe ich eine besondere Verbindung zu Potsdam - besonders an die Truman Villa. Sie spiegelt 125 Jahre deutscher Geschichte wider, wie kaum ein anderer Ort. Nehmen Sie nur die wechselnden Straßennamen: „Kaiserstraße 2“, „Straße der SA“ und „Karl-Marx Str.2“. Die Gründerjahre, die man als „bourgeois“ beschreiben kann. Krieg und Entbehrung, tödliche Unterstützung eines psychopathischen Führers, Plünderungen und Vergewaltigungen, Potsdamer Konferenz, Teilung, Mauer und Todesschüsse bis hin zur Wiedervereinigung und dem modernen Wohlstand. Kein anderer Ort kann auch mit einer solchen Besucherliste konkurrieren: Fontane, Behrens, Quandt, Redslob, Truman, Churchill, Stalin, Eisenhower, Kennedy, Scheel, Genscher und Lambsdorff.

Richard von Weizsäcker hat für Generationen die Debatte über das Kriegsende geprägt. Heute werden revisionistische Stimmen lauter, die die Deutschen als Opfer sehen. Eines nationalsozialistischen Terrorregimes und dann später der Sowjets. Wie beurteilen Sie, dass die Rechtspopulisten solche Narrative aufgreifen und verstärken?

Die Deutschen haben (verständlicherweise) fast paranoide Angst vor rechten politische Entwicklungen – ich nicht. Die AfD ist eine Partei für politische Verrückte, die keine Zukunft haben wird. Außerdem: Trump ist viel gefährlicher als Gauland.

Auf der Potsdamer Konferenz wurde nur wenige Wochen später die Teilung der Welt zementiert. War diese Entwicklung im Sommer 1945 unausweichlich?

Wahrscheinlich war sie es. Die Paranoia von Josef Stalin gegenüber einem wiederaufgebauten Deutschland war einfach zu groß. In den Nachkriegsjahren wurden zwar die Grundlagen für den Kalten Krieg gelegt.


Im Moment stelle ich übrigens mein neues Manuskript Harry S. Truman und die Bundesrepublik Deutschland fertig, nach acht Jahren ArbeitAber die Ursachen für die Teilung der Welt liegen im Jahr 1933, als Adolf Hitler in Deutschland die Macht übernahm. Daran sollten wir 75. Jahre nach Kriegsende erinnern.