LGBTQ+
Wie Transgender-Aktivistinnen in Südasien gegen Diskriminierung kämpfen

Born With Pride Event Poster
Born With Pride Event Poster © FNF South Asia

Transgender haben in Indien und Nepal vielfach schlechtere Bildungschancen und werden gesellschaftlich ausgegrenzt. Fragwürdige Gesetze bringen weitere Probleme mit sich.

Die indische Aktivistin Akkai Padmashali ist es gewohnt, mit öffentlichen Auftritten für Transgender-Rechte in ihrer Heimat zu kämpfen und die Politik damit unter Zugzwang zu bringen. Doch diese Rolle reicht der Trägerin der renommierten Rajyotsava-Auszeichnung – der zweithöchsten zivilen Ehrung in ihrem Heimatstaat Karnataka – nicht mehr aus: Padmashali will Indiens Politik aktiv mitgestalten und trat deshalb im vergangenen September in die oppositionelle Kongresspartei ein – als erste Transgender in dem südlichen Bundesstaat.

"Es geht darum, soziale Verantwortung zu übernehmen", sagte Padmashali über die Entscheidung bei ihrem Auftritt in der virtuellen Podiumsdiskussion "Born with Pride: Politics and Trans-Diversity", die Ende Juni vom Regionalbüro Südasien der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie der indischen Organisation Centre for Law and Policy Research veranstaltet wurde. Debattiert wurden dabei die Fortschritte der südasiatischen Länder bei der Gleichberechtigung von Transgender-Personen – und die Diskriminierung, die in Ländern wie Indien und Nepal nach wie vor zum Alltag gehört.

Es geht darum, soziale Verantwortung zu übernehmen. Die Regierung hat das Gesetz ohne Konsultation der Transgender-Gemeinschaft durchgesetzt. Sie hat damit gegen die Prinzipien und Werte unserer Verfassung verstoßen.

Portrait of Dr Akkai Padmashali
Dr. Akkai Padmashali, Aktivistin

Die fehlende Repräsentation von Transgendern in der Politik verstärkt die Probleme – wie das Beispiel Indien zeigt. Ende 2019 verabschiedete das Parlament des Landes ein Gesetz zum Schutz der Rechte von Transgendern. Doch die Stellungnahmen der Betroffenen waren in dem Gesetzgebungsverfahren weitgehend ignoriert worden. Resultat waren Regelungen, die aus Sicht von Menschenrechtsorganisationen die Transgender-Rechte in Indien untergraben anstatt sie zu schützen – unter anderem mit Blick auf die hohen Anforderungen für die Änderung der Geschlechtsangabe in offiziellen Dokumenten. "Die Regierung hat das Gesetz ohne Konsultation der Transgender-Gemeinschaft durchgesetzt", sagte Padmashali. "Sie hat damit gegen die Prinzipien und Werte unserer Verfassung verstoßen."

Die Dichterin und Kolumnistin Disha Pinky Sheikh betonte in der Veranstaltung die Bedeutung von politischem Engagement: "Es ist extrem wichtig, politisch Position zu beziehen. Denn sonst entscheiden andere darüber, wie wir zu leben haben." Sie fügte hinzu: "Die politischen Anführer müssen für unsere Anliegen sensibilisiert werden. Ansonsten drohen sich Entwicklungen durchzusetzen, die unser Leben noch schwerer machen."

Es ist extrem wichtig, politisch Position zu beziehen. Denn sonst entscheiden andere darüber, wie wir zu leben haben. Die politischen Anführer müssen für unsere Anliegen sensibilisiert werden. Ansonsten drohen sich Entwicklungen durchzusetzen, die unser Leben noch schwerer machen.

Portrait Disha Pinky Shaikh
Disha Pinky Shaikh, Dichterin und Kolumnistin

In Südasien werden Transgender vielfach an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Die Bevölkerungsgruppe wurde erstmals im Jahr 2011 im indischen Zensus separat erfasst. Die Daten offenbarten deutliche Benachteiligungen beim Bildungszugang: Nur 46 Prozent wurden als alphabetisiert eingestuft – in der Gesamtbevölkerung lag der Wert bei 74 Prozent. Transgender fällt es zudem schwerer, Jobs zu finden. Auch in der aktuellen Coronavirus-Impfkampagne fühlen sich viele Transgender ausgegrenzt – Aktivisten fordern leichter zugängliche Impfangebote und einfachere Registrierungsmöglichkeiten für Menschen ohne Smartphones. "Auf unseren Grundrechten wird tagtäglich herumgetrampelt"; beklagt Sheikh.

Auch die Aktivistin Rukshana Kapali sieht in ihrer Heimat Nepal erhebliche Hürden für Transgender – obwohl dem Land international vielfach eine progressive Transgender-Politik zugeschrieben wird. Der gute Ruf des Landes im Ausland entstand durch eine Entscheidung des obersten Gerichtes im Jahr 2007, das die Regierung aufforderte, sämtliche Diskriminierungen von LGBTQ-Personen abzubauen und in amtlichen Dokumenten ein drittes Geschlecht einzuführen. Doch die geschlechtliche Selbstbestimmung ist nach wie vor stark eingeschränkt: Wer die Geschlechtsangabe ändern möchte, hat ausschließlich das dritte Geschlecht als Option, erklärt Kapali. Die Änderung von männlich zu weiblich oder von weiblich zu männlich ist nicht möglich. "Wenn in den Medien behauptet wird, dass es in Nepal umfassende Rechte für die LGBTQ-Community gibt, dann ist das nicht die Wahrheit."

In der Politik ihres Landes vermisst Kapali das nötige Verständnis für die Anliegen von Transgender. Die fehlende inhaltliche Auseinandersetzung sieht sie als einen der Hauptgründe für die problematische Implementierung von Gesetzen, die eigentlich zur Unterstützung von Transgender gedacht sind. Die indische Aktivistin Padmashali will mit ihrem Schritt in die Politik für eine bessere Aufklärung sorgen. "In der Kongresspartei bin ich auf sehr viel Offenheit gestoßen", erzählte sie. "Viele Menschen gehen auf mich zu und wollen unsere Community verstehen." Padmashali sagt aber auch: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."

"Wenn in den Medien behauptet wird, dass es in Nepal umfassende Rechte für die LGBTQ-Community gibt, dann ist das nicht die Wahrheit."

Portrait of Rukshana Kapali
Rukshana Kapali, Aktivistin

In der Politik ihres Landes vermisst Kapali das nötige Verständnis für die Anliegen von Transgender. Die fehlende inhaltliche Auseinandersetzung sieht sie als einen der Hauptgründe für die problematische Implementierung von Gesetzen, die eigentlich zur Unterstützung von Transgender gedacht sind. Die indische Aktivistin Padmashali will mit ihrem Schritt in die Politik für eine bessere Aufklärung sorgen. "In der Kongresspartei bin ich auf sehr viel Offenheit gestoßen", erzählte sie. "Viele Menschen gehen auf mich zu und wollen unsere Community verstehen." Padmashali sagt aber auch: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."