Interview
Angriff auf das Kapitol: Welche Schuld trifft die Medien?

Interview mit Claus Gramckow im rbb
Sturm aufs Kapitol Trump Unterstützer zerstören Medienequipment
Unterstützer von Präsident Trump zerstören das Equipment von Journalisten, die über die Proteste am Kapitol berichtet hatten. © picture alliance / AA | Tayfun Coskun

Im Interview mit dem rbb spricht der Leiter unseres Büros in Washington D.C. über die Frage, welche Rolle die Medien bei der Kreation des ‘Mythos Trump’ gespielt haben. Erst die Rationalisierung und Normalisierung durch die Medien, hat Trump so gefährlich gemacht, analysiert Claus Gramckow.

Wen haben die US-Fernsehsender, die jeweils eindeutig einem Lager zugeordnet werden können, für das, was im Kapitol passiert ist, verantwortlich gemacht?

Es hat ja bereits gestern Abend angefangen. Heute im Laufe des Tages versuchten insbesondere die harten rechten Informationsblasen, die Behauptung aufzustellen, dass die Antifa-Leute damit zu tun hatten und eigentlich diejenigen waren, die das angestiftet haben. Aber die große Masse der Medien ist der Auffassung, dass die Rede von Trump der Verursacher davon war. Und wenn sie sich die Rede genauer anhören, beschreibt er ja auch das, was sie dann gemacht haben. Er hat ihnen ja gesagt: "Geht nach oben und unterbrecht diese Abstimmung."

Bei den Tageszeitungen ist es ein bisschen anders in den USA. Die legen großen Wert auf Objektivität im Nachrichtenteil. Das wird der New York Times zum Beispiel auch explizit vorgeworfen. Von wegen, sie hätten Trump normalisiert. Welche Schuld trifft aus Ihrer Sicht denn die Medien selbst? Und was ist jetzt das größere Problem? Die Subjektivität oder die Objektivität der Medien?

Die Medien haben ja, das muss man ja auch so sagen, um zurückzublicken, haben Donald Trump ja erst geschaffen. Und ich glaube, das war der viel größere Fehler. Ohne die freien Medien - wenn Sie sich noch erinnern, 2016, also vor vier Jahren - hat Donald Trump ja Reichweite in den freien Medien im Werte, man hat das hinterher ausgerechnet, von ungefähr zwei Millionen Milliarden Dollar bekommen. Und die haben ihn ja immer wieder in den Vordergrund gestellt, mit seinen Äußerungen. Das ist im Prinzip das Problem gewesen. Sie haben da dieses Monster kreiert. Und dann ist natürlich die Diskussion, und diese Diskussion werden wir auch weiterhin haben, mit der Frage der Objektivität. Es fing ja schon an, sehr stark Kritik daran geübt zu werden, gerade von Medien wie eben der erwähnten New York Times, dass man anfängt, Joe Biden zu kritisieren. Wo dann Leute gesagt haben: ‘Na sag mal was macht ihr da eigentlich?’ Und das ist dieses Mal auch weniger gewesen. Hillary Clinton ist ja 2016 brutal behandelt worden, von allen Medien, und auch von den sogenannten objektiven Medien. Also insofern spielen die Medien da eine eine sehr zwiespältige Rolle, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Die sozialen Netzwerke können wir hier natürlich auch nicht auslassen. Ein bekannter Investor und Fernseh-Promi hat die Facebook-Chefs jetzt direkt verantwortlich gemacht mit den Worten: ‘An euren Händen klebt Blut, vier Jahre lang habt ihr diesen Terror jetzt rationalisiert.’ Waren die sozialen Netzwerke da viel zu lange - also jetzt haben sie ihn ja gesperrt - aber waren sie vorher zu lange zu naiv im Umgang mit Trump und seinen Anhängern?

Ja, sie haben damit ja auch Geld verdient. Das wird ja auch immer wieder unterschätzt. Und es gibt ja ein hier sehr hohes Gut in der amerikanischen Politik. Und das ist die Redefreiheit, die wird ja wesentlich höher angesetzt, auch definiert, als zum Beispiel in Deutschland. Klar ist die Redefreiheit und die Pressefreiheit ein hohes Gut in Deutschland, aber nicht so, wie sie es hier ist. Und insofern haben die sich dann ja immer, gerade am Anfang, dahinter versteckt und gesagt: “Wir geben nur eine Plattform, wo diese Leute, ihre Meinungsäußerung rausbringen können.” Und da haben sie sich im Prinzip vier Jahre lang hinter versteckt. Und der Zynismus, der jetzt natürlich da ist, auf einmal stoppt Mark Zuckerberg die Facebook-Page von Donald Trump. Also da wird es auch noch hier eine sehr, sehr intensive Diskussion geben. Was sind die Social-Media-Plattformen eigentlich und was ist ihre Aufgabe?

Dieses Interview wurde transkribiert und erschien erstmalig am 08.01.2021 im rbb.

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Helena von Hardenberg, Presse und Digitale Kommunikation
Helena von Hardenberg
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