Singapur
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Im Jahr 2019 beschäftigte jeder fünfte Haushalt in Singapur eine Haushälterin

Im Jahr 2019 beschäftigte jeder fünfte Haushalt in Singapur eine Haushälterin

© Zachary Tang

 

  • Nach einer fünfjährigen Testphase hat Singapur am 1. September formell ein Programm eingeführt, bei dem ausländische Putzhilfen von Reinigungsfirmen eingestellt werden und jeweils mehrere Wohnungen in Teilzeit reinigen. Das hat die Abhängigkeit von Haushälterinnen (den sogenannten Live-In Maids) verringert, die in Vollzeit angestellt sind und im Haushalt ihres Arbeitgebers wohnen. Die Nachfrage nach den Teilzeit-Reinigungskräften hat während der Pandemie zugenommen, weil durch die strengeren Einreisebedingungen weniger Frauen aus ärmeren südostasiatischen Ländern einreisen konnten, die diese Jobs traditionellerweise übernehmen.
     
  • Die Teilzeit-Putzhilfen, von denen die meisten aus Myanmar stammen, werden besser bezahlt und sind einem geringeren Risiko ausgesetzt, von ihren Arbeitgebern misshandelt zu werden als Haushälterinnen, die im Haushalt des Arbeitgebers wohnen.
     
  • Jedoch verbessert das Konzept nicht das Image der Hausarbeit, die als minderwertige Beschäftigung gilt. Sowohl für Haushälterinnen als auch für die Teilzeit-Putzhilfen besteht weiterhin ein Risiko, zu Opfern ihrer Arbeitgeber zu werden.

Poe Ei San (25), die aus dem armen südostasiatischen Staat Myanmar stammt, war in das reiche Singapur gekommen in der Hoffnung, dort als Krankenschwester arbeiten zu können. Als das nicht klappte, putzte sie stattdessen Wohnungen.

Täglich putzt die Uni-Absolventin nun Toiletten, schrubbt Böden und wischt Küchen. „In Myanmar sind die Löhne gering und die politische Lage ist instabil, deshalb suchen viele junge Menschen Jobs in Übersee“, sagt sie.

Poe gehört zu einer kleinen, jedoch wachsenden Anzahl von Putzhilfen im Rahmen des Household Services Schemes (HSS), eines vor fünf Jahren gestarteten Programms, bei dem Unternehmen Migranten aus Ländern wie Myanmar, Thailand, Indien und Sri Lanka anstellen können, um deren Putzdienste dann Familien in Singapur anbieten zu können. Bei dem Programm geht es in erster Linie darum, die enorme Nachfrage nach Putzhilfen im Land zu bedienen. Gleichzeitig – quasi als Nebeneffekt – verringert es die Abhängigkeit von ausländischen Haushälterinnen, die im Haushalt des Arbeitgebers wohnen und als Maids bezeichnet werden.

Die Anzahl der Familien, in denen eine Haushälterin in Vollzeit angestellt ist, hat in Singapur in den vergangenen zehn Jahren um etwa 40 Prozent zugenommen, auf bis zu 250.000 im Jahr 2018. „Es ist nicht nachhaltig, dass die Anzahl der ausländischen Hausangestellten unaufhörlich wächst“, heißt es vom Arbeitsministerium (Ministry of Manpower, MOM) dazu.

Im Laufe der Jahre haben Singapurs 1,4 Millionen Haushalte begonnen, Arbeiten wie die Erledigung der Hausarbeit, die Zubereitung von Mahlzeiten und die Pflege von Senioren und Kindern sowie die Versorgung von Haustieren, mehr und mehr an Haushälterinnen zu delegieren. Die Frauen stammen meist aus armen asiatischen Ländern und kommen nicht in den Genuss derselben Gehälter und Privilegien wie singapurische Arbeiter.

Das HSS-Schema ist anders. Indem es die Hausarbeit formalisiert, bietet es den von Reinigungsfirmen angestellten Putzhilfen verglichen mit den Haushälterinnen eine bessere Bezahlung und mehr Rechte.

Die burmesische Migrantin Poe Ei San (25) zählt zur kleinen aber wachsenden Anzahl der Putzhilfen in Singapur, die im Rahmen des neu eingeführten Household Services Schemes angestellt sind

Die burmesische Migrantin Poe Ei San (25) zählt zur kleinen aber wachsenden Anzahl der Putzhilfen in Singapur, die im Rahmen des neu eingeführten Household Services Schemes angestellt sind

© Zachary Tang

Eine alternative Karriere

Nach einer Meldung des MOM vom 23. August führte Singapur das HSS angesichts eines durch die Covid-19-Einreiserestriktionen verursachten Versorgungsengpasses bei den Haushälterinnen am 1. September als permanente Einrichtung ein und erweiterte den Anwendungsbereich über Putzdienste im Haushalt hinaus auf Lebensmitteleinkäufe, Autowäsche und die Versorgung von Haustieren. Das Ministerium wird es Unternehmen zukünftig auch erlauben, Putzhilfen aus Kambodscha einzustellen. HSS-Putzhilfen arbeiten inzwischen in über 10.000 Haushalten.

Fast 90 Prozent der Putzhilfen, die etwa auf der HSS-Buchungsplattform Helpling eingetragen sind, stammen aus Myanmar und arbeiteten zuvor als Haushälterinnen, sagt der Geschäftsführer Zhong Jingjing.

Dominic Lim, Vertriebs- und Marketingmanager des Reinigungsbetriebes Fresh Cleaning, fügt hinzu, dass es in der myanmarischen Gemeinschaft durchaus bekannt ist, dass Jobs als HSS-Putzhilfen als Alternative zur Anstellung als Haushälterin zur Verfügung stehen.

Anders als Haushälterinnen reinigen HSS-Kräfte mehrere Haushalte, wohnen in einer eigenen Unterkunft und genießen den Schutz des Arbeitsgesetzes (Employment Act), das maximal 44 Arbeitsstunden pro Woche als Obergrenze vorgibt und mindestens die anderthalbfache Bezahlung für Überstunden, sieben Tage Jahresurlaub, 14 Tage Krankheitstage und einen Ruhetag pro Woche vorschreibt.

Für Haushälterinnen hingegen gelten andere Vorschriften, wonach die Unterkunft „akzeptabel“ und die Ruhezeit „ausreichend“ sein muss. Das MOM, das es ablehnte, interviewt zu werden, gibt auf seiner Website an, dass es „schwierig ist, die Bedingungen des Arbeitsgesetzes auf Hausangestellte anzuwenden, da diese im häuslichen Umfeld arbeiten und sich die Gewohnheiten von Haushalten voneinander unterscheiden.“

Singapur

Laut Experten zählen zu den Vorteilen von HSS höhere Löhne, besserer Schutz und ein geringeres Misshandlungsrisiko verglichen mit Haushälterinnen. Jedoch gibt es nur relativ wenige Putzhilfen, die in den Genuss dieser Vorteile kommen, laut Schätzung von Zhong lediglich 1.000-2.000 Frauen. Es gibt keine offizielle Statistik darüber.

Außerdem verbessert das HSS nicht das Imageproblem ausländischer Gastarbeiter sowie der Hausarbeit, die beide geringgeschätzt werden – die vordersten Gründe für die Misshandlung von Hausangestellten. Folglich sind Putzhilfen weiterhin Risiken ausgesetzt, genau wie Haushälterinnen.

Die Putzaufseherin Phyo Phyo Ei (36) arbeitete fast zehn Jahre lang als Haushälterin in Singapur, bevor sie zum Reinigungsdienst wechselte.„Arbeitgeber blicken auf Haushälterinnen hinab. Aber Kunden sehen es so, dass man kommt, um ihnen zu helfen. Sie sind dankbar, dass man da ist,“ erklärt sie

Die Putzaufseherin Phyo Phyo Ei (36) arbeitete fast zehn Jahre lang als Haushälterin in Singapur, bevor sie zum Reinigungsdienst wechselte.„Arbeitgeber blicken auf Haushälterinnen hinab. Aber Kunden sehen es so, dass man kommt, um ihnen zu helfen. Sie sind dankbar, dass man da ist,“ erklärt sie

© Zachary Tang

Im Jahr 2019 beschäftigte jeder fünfte Haushalt in Singapur eine Haushälterin. Dreißig Jahre früher war es lediglich jeder dreizehnte. Für die vielen Familien mit doppeltem Einkommen bieten Haushälterinnen eine bequeme Möglichkeit, die Haushaltsarbeit auszulagern, damit die Frauen arbeiten können.

Aber laut Befragten von vier Reinigungsunternehmen kamen im Zuge der verschärften Einreisebedingungen weniger Haushälterinnen ins Land und es stieg die Nachfrage nach Putzhilfen. Laut MOM nahm die Anzahl der am HSS-Programm teilnehmenden Unternehmen von 50 im Jahr 2019 auf 76 im Jahr 2021 zu.

Die Kundschaft von Helpling waren in der Vergangenheit vor allem Arbeiter aus dem Ausland, vor allem aus westlichen Ländern, umfasst inzwischen aber viele Singapurer, insbesondere jüngere Familien, die in staatlichen Mietwohnungen in neueren Wohnanlagen wie Punggol und Choa Chu Kang wohnen.

Eine andere Reinigungsfirma, United Channel Construction & Facility Services, deren Kunden überwiegend in Eigentumswohnungen wohnt, gab an, dass manche Kunden die Putzhilfen an bis zu fünf Tagen die Woche buchten. Der Firma zufolge hätten mehrere Kunden Gefallen an dem Reinigungsdienst gefunden, die eigentlich nur eine Putzhilfe anheuern wollten, bis ihre Haushälterin wieder einreisen könnte. Die Arbeitgeber genössen es, den Haushalt nicht mit einer anderen Person teilen und für die sie Kost und Unterkunft zur Verfügung stellen zu müssen, sagte Flora Sha, Managerin bei der Firma.

Aber während die Pandemie die Nachfrage nach Putzhilfen in die Höhe trieb, glauben die meisten Unternehmen, dass dieser Trend endet, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden und Haushälterinnen – oder illegale Putzhilfen aus Nachbarländern – zurückkehren. Dies würde das Potenzial des Programms ausbremsen, die Lebensverhältnisse der Haushälterinnen in größerem Maßstab zu verbessern.

Ein Pilotprojekt läuft bereits, das das Angebot an Haushälterinnen steigern soll. Die erste Gruppe von über 100 Haushälterinnen kam im August in Singapur an; etwa 2.000 Haushalte waren interessiert.

Als Putzhilfe verdient Phyo Phyo Ei S$1.000 (US$735) – das Doppelte ihres Lohns als Haushälterin, obwohl sie jetzt die Hälfte ihres Einkommens für Essen, öffentlichen Transport und Produkte des täglichen Bedarfs ausgeben muss. „Obwohl ich etwa gleich viel Geld anspare, arbeite ich wegen der größeren Freiheit lieber als Putzhilfe,“ sagt sie

Als Putzhilfe verdient Phyo Phyo Ei S$1.000 (US$735) – das Doppelte ihres Lohns als Haushälterin, obwohl sie jetzt die Hälfte ihres Einkommens für Essen, öffentlichen Transport und Produkte des täglichen Bedarfs ausgeben muss. „Obwohl ich etwa gleich viel Geld anspare, arbeite ich wegen der größeren Freiheit lieber als Putzhilfe,“ sagt sie

© Zachary Tang

Geld regiert die Welt

Laut Tan Hui Bin, Betriebsmanager bei der Reinigungsfirma A1 Facility Services, könnte eine Lohnsteigerung für Haushälterinnen die Nachfrage nach HSS-Putzhilfen effektiv eindämmen, da dadurch der Preisunterschied verringert würde. Unternehmen bieten Reinigungsdienste für etwa S$20-$25 (15-18 US-Dollar) pro Stunde an, wobei die Putzhilfen für Zeitblöcke von zwei bis acht Stunden Dauer angeheuert werden können.

Während Haushälterinnen ein Fixgehalt beziehen, setzt sich das Gehalt der Putzhilfen aus einem Grundgehalt, Zuschüssen für Transport und Verpflegung, einem Überstundenzuschlag und Leistungsanreizen zusammen. Zusammengerechnet kommt dabei ein Lohn heraus, der um das Zwei- oder Dreifache höher liegt als bei einer Haushälterin.

Ein wöchentliches, dreistündiges Haushaltsreinigungspaket kostet etwa S$240-300 (175-220 US-Dollar) pro Monat, während die Anstellung einer Haushälterin etwa S$450-650 (330-480 US-Dollar) pro Monat kostet.

„Die Kosten einer Putzhilfe sind noch immer ziemlich hoch, wenn man sie mit denen einer Haushälterin vergleicht, die im Haushalt wohnt – das habe ich im Parlament thematisiert“, sagt der Abgeordnete Louis Ng. „Wir müssen Wettbewerbsgleichheit herstellen, weshalb ich Putzsubventionen ähnlich wie bei Haushälterinnen fordere, bei denen Haushalte mit Senioren und Kindern weniger bezahlen.“

Eine Sprecherin des Wohlfahrtsverbandes Humanitarian Organisation for Migration Economics (HOME) sagt, es bestehe „keine Möglichkeit“, dass HSS-Putzhilfen Haushälterinnen ersetzen könnten, da Singapurer „daran gewöhnt sind, dass Hausangestellte sie bei den unterschiedlichsten Aufgaben unterstützen – beim Babysitten, dem Aufpassen auf Haustiere, dem Kochen, der Haushaltsführung, der Autoreinigung – und all das zu sehr geringen Kosten.“ Das durchschnittliche Haushaltseinkommen betrug in Singapur im Jahr 2020 S$7.744 (5.700 US-Dollar) pro Monat.

Poe Ei San macht nach der Arbeit einen Videoanruf, um mit ihrem Freund zu sprechen, einem burmesischen Migranten, der in Malaysia arbeitet. Anders als Haushälterinnen haben Putzhilfen komplette Autonomie, was ihre Aktivitäten nach Feierabend betrifft

Poe Ei San macht nach der Arbeit einen Videoanruf, um mit ihrem Freund zu sprechen, einem burmesischen Migranten, der in Malaysia arbeitet. Anders als Haushälterinnen haben Putzhilfen komplette Autonomie, was ihre Aktivitäten nach Feierabend betrifft

© Zachary Tang

Zusatznutzen

Obwohl es nicht das Ziel war, bietet das HSS-Modell den großen Vorteil, das Misshandlungsrisiko für die Putzhilfen zu verringern. Rechtsexperten und Wohlfahrtsverbände weisen darauf hin, dass bei HSS das Mitwohnen im Haushalt und damit ein wichtiger Risikofaktor der Misshandlung wegfällt, da Haushälterinnen – die im selben Haushalt wie ihr Arbeitgeber wohnen – von der Außenwelt abgeschottet werden können und ihnen der Zugriff auf ein Telefon verweigert werden kann.

Amarjit Singh Sidhu ist Rechtsanwalt und beschäftigt sich häufig mit Misshandlungsfällen von Haushälterinnen. Er sagt, dass die Putzhilfen der Reinigungsfirmen mehr mit der Gesellschaft interagieren und damit mehr Möglichkeiten haben, Misshandlung zu melden.

Da Putzhilfen getrennt von den Familien wohnen, für die sie arbeiten, besteht weniger Potenzial für schlechte Behandlung und Misshandlung, fügt Rechtsprofessor Eugene Tan von der Singapore Management University hinzu. Aufgrund der klareren Unterscheidung zwischen dem Wohn- und Arbeitsort können die Rechte, das Wohlergehen und die Interessen von Putzhilfen besser geschützt werden.

Die Misshandlung von Haushälterinnen stand in den letzten Jahren aufgrund einiger besonders prominenter Fälle wiederholt im Blickpunkt der singapurischen Öffentlichkeit, etwa der Tod der myanmarischen Haushälterin Piang Ngaih Don. Zwischen 2017 und 2020 gab es jährlich etwa 270 Polizeiberichte über die Misshandlung von Haushälterinnen.

Dieses Risikos ist sich die Absolventin Poe bewusst, seitdem sie im Februar über den Tod von Piang gelesen hatte. Die Haushälterin war einer 14 Monate währenden Tortur ausgesetzt gewesen: Sie wurde von ihrem Arbeitgeber verbrannt, geschlagen und gewürgt, bekam nicht genug zu essen, verlor 15 Kilogramm an Gewicht und schlief die letzten Nächte ihres Lebens angekettet an ein Fenstergitter.

Poe arbeitete gerade als Kellnerin in einem Hotel im Zentrum von Myanmar und schmiedete Pläne, einen Job in Singapur zu ergattern, als sie die Schlagzeilen las. „Danach wollte ich nicht mehr Haushälterin werden“, sagt sie. „Keiner weiß, ob dein Arbeitgeber dich schikaniert.“

Das HSS-Schema soll auf Lebensmitteleinkäufe, das Aufpassen auf Haustiere sowie auf die Reinigung von Autos ausgeweitet werden. Zukünftig deckt es vielleicht sogar Pflegedienste ab

Das HSS-Schema soll auf Lebensmitteleinkäufe, das Aufpassen auf Haustiere sowie auf die Reinigung von Autos ausgeweitet werden. Zukünftig deckt es vielleicht sogar Pflegedienste ab

© Zachary Tang

Niedere Arbeit

Trotz der verbesserten Arbeitsbedingungen sind HSS-Putzhilfen weiterhin skrupellosen Arbeitgebern ausgeliefert, sagt die Sprecherin von HOME. Die Organisation hilft jährlich zwischen 10 und 20 Putzhilfen bei Themen wie Überarbeitung und der Nichtzahlung von Gehältern. Sie fügt hinzu, dass die Misshandlung von Haushälterinnen und Putzhilfen ein Resultat davon ist, dass Hausarbeit generell geringgeschätzt werde und Migranten als minderwertig betrachtet werden würden.

„Viele Arbeitgeber sind der Ansicht, dass Migranten dankbar sein sollten, dass sie überhaupt eine Arbeit bekommen. Es entsteht so etwas wie ein Besitzanspruch auf die Reinigungskraft“, sagt sie. „Die Misshandlung entsteht daraus, dass Arbeitgeber sowohl die Hausarbeit verachten als auch diejenigen, die sie verrichten.“

Die befragten Reinigungsfirmen sagten, dass ihnen keine Fälle der physischen Misshandlung bekannt seien, obwohl es Fälle verbaler Misshandlung gebe. Auf der Sperrliste von Helpling sind etwa 700 Kunden zu finden, die Putzhilfen misshandelt oder ihre Rechnungen nicht bezahlt haben, während laut United Channel rund 30 Prozent der Kunden ihre Putzhilfen anschreien.

Aufgrund der geringeren Isolierung erleben Putzhilfen möglicherweise weniger Misshandlung als Haushälterinnen, gab die Sprecherin von HOME zu bedenken. Aber um Misshandlung vorzubeugen, müsste das Ansehen der Hausarbeit verbessert werden. Hierzu müssen Menschen erkennen, wie solche Arbeit dazu beiträgt, dass die Gesellschaft als Ganze effizienter funktioniert.

Angesichts der Knappheit an Haushälterinnen haben manche Singapurer festgestellt, wie sehr sie auf ihre Hausangestellten angewiesen sind, fügt sie hinzu.

MOM gab im August bekannt, es wolle prüfen, ob der Umfang an Diensten, die für HSS in Frage kommen, in Zukunft erweitert werden könne. Anfang des Jahres sagte die frühere Arbeitsministerin, Josephine Teo, dass es sich bei der Pflege etwa von Senioren um einen solchen Dienst handeln könnte – aber es gibt auch hier Bedenken, ob dadurch nicht ein Misshandlungsrisiko entsteht.

Margaret Thomas, Vorsitzende des Verbandes Association of Women for Action and Research, sagte, dass Hausangestellte, die Senioren pflegen, häufig überarbeitet sind und einem Misshandlungsrisiko von Pflegebedürftigen ausgesetzt sind, insbesondere von Senioren mit Demenz.

Sha, Manager bei United Channel, wies darauf hin, dass es manchmal vorkomme, dass demente Patienten gewalttätig würden, indem sie ihre Pfleger zum Beispiel an den Haaren ziehen oder Gegenstände auf sie werfen.

Trotz dieser Warnungen würde Poe sich freuen, wenn Pflegejobs zur Verfügung stünden. Sie träumt weiterhin davon, Krankenschwester zu werden und hofft, dass die berufliche Erfahrung im Pflegesektor es ihr erlauben würde, einen Job in einem myanmarischen Krankenhaus zu finden, wenn sie zurückkehrt.

„Ich weiß, dass ältere Menschen mich möglicherweise misshandeln werden, aber ich werde geduldig mit ihnen sein“, sagt sie. „Bei HSS ist das Unternehmen für die Mitarbeiter verantwortlich. Ich bin mir sicher, dass es besser ist, als eine Haushälterin zu sein.“

 

Disclaimer: Dieser Bericht wurde durch Bildungsmaßnahmen und mit Mitteln der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit unterstützt.

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