Fachkräftemigration
Deutschland muss ausländische Abschlüsse schneller anerkennen
Deutschland sucht Fachkräfte – und zwar dringend. Doch wer mit einer qualifizierten Ausbildung aus dem Ausland hier arbeiten will, stößt auf ein System, das viel zu oft bremst, obwohl es eigentlich helfen sollte. Eine neue Studie des RWI im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigt klar: Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse dauert in vielen Fällen schlicht zu lange. Und das vor allem bei Berufen, in denen der Mangel besonders groß ist.
Besonders dramatisch ist die Lage in Pflege- und Erziehungsberufen. Hier vergehen im Schnitt rund 500 Tage, bis Fachkräfte nach den erforderlichen zusätzlichen Qualifizierungsschritten – etwa Ergänzungskursen oder Prüfungen – endlich ihre volle Berufserlaubnis erhalten. Das ist fast dreimal so lange wie 2016. 500 Tage, in denen Menschen, die gerade dringend gebraucht werden, nicht arbeiten dürfen.
Hohe Nachfrage – aber ein Verfahren, das nicht mithält
Die Zahl der Anerkennungsanträge hat sich seit 2016 nahezu verdoppelt und lag 2023 bei rund 60.500. Besonders gefragt sind Gesundheits- und Pflegeberufe, aber auch technische Berufe und Erziehungsberufe. Die gute Nachricht: Bei vielen nicht reglementierten Berufen – etwa Elektroniker/innen, Elektroanlagenmonteur/innen, Kfz-Mechatroniker/innen oder Köchinnen/Köchen – sind die Verfahren schneller geworden.
Doch es gibt auch schlechte Nachrichten. Dort, wo noch Qualifikationen nachgeholt oder Prüfungen abgelegt werden müssen, stockt der Prozess massiv. Die Studie von Julia Bredtmann (RWI) zeigt: Viele Beteiligte, unterschiedliche Zuständigkeiten und eine unzureichend digitalisierte Infrastruktur erschweren den Prozess deutlich. Für Fachkräfte ist oft unklar, wie ihre Qualifikation bewertet wird. Arbeitgeber wiederum wissen häufig nicht, wie weit ihre potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verfahren sind. Die Folge: Verzögerungen, Frustration und ein enormer Verlust an Arbeitskraft.
Talente benötigen Chancen statt Hürden
Ein modernes Einwanderungsland, das in hohem Maße auf Wirtschaftswachstum angewiesen ist, darf Talente nicht auf die Warteschleife setzen. Wir müssen für diese qualifizierten Arbeitskräfte Chancen schaffen statt Hürden aufbauen. Es braucht ein durchgängig digitales Anerkennungssystem, bundesweit einheitliche Prozesse, klarere Zuständigkeiten, mehr Kapazitäten für Ergänzungskurse und Prüfungen sowie eine zentrale Datenplattform, die Arbeitgebern und Fachkräften Orientierung gibt.
Wenn Deutschland im globalen Wettbewerb um Fachkräfte bestehen will, braucht es ein Anerkennungssystem, das Talente willkommen heißt – und nicht ausbremst. Schnelle, transparente und digitale Verfahren sind keine Verwaltungsdetails, sondern Standortpolitik für Deutschland.