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Südafrika
Warum Deutschland seinen strategischen Vorteil in Südafrika schützen muss

Flaggen Südafrika und Deutschland

Flaggen Südafrika und Deutschland

© Bild mit KI erstellt

Südafrika ist einer der strategisch wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands in Afrika. Es ist der größte Handelspartner Deutschlands auf dem Kontinent und zugleich der drittgrößte Handelspartner Deutschlands weltweit. Deutsche Unternehmen sind tief in die südafrikanische Industrie eingebunden – besonders in Automobilproduktion, Maschinenbau und Hightech. Diese Partnerschaft verschafft Deutschland einen klaren Vorteil, den es jetzt sichern und aktiv ausbauen muss, während Geopolitik und internationaler Handel in eine neue Phase eintreten.

Ein aktueller Bericht der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigt: Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Südafrika stehen an einem entscheidenden Punkt. Drei Kräfte verändern das globale Handelsumfeld grundlegend:

Erstens destabilisiert der US-Handelsprotektionismus globale Wertschöpfungsketten, insbesondere in der Automobilindustrie. Südafrikanische Exporte in die USA haben sich 2025 nach Zöllen von 30 Prozent bereits halbiert – Lieferketten, in die BMW, Volkswagen und Mercedes eng eingebunden sind, geraten unter Druck.

Zweitens verschärft Europas Klimapolitik die Rahmenbedingungen weiter. Der CO-Grenzausgleichsmechanismus der EU (CBAM) belastet zunehmend kohlenstoffintensive Importe. Südafrikas kohlebasierter Strommix führt zu hohen eingebetteten CO-Kosten. Zwischen 2027 und 2030 könnten CBAM-Regelungen auf nachgelagerte Produkte wie Fahrzeugkomponenten ausgeweitet werden, was deutsche Lieferketten zusätzlich trifft.

Drittens beschleunigt sich das Nearshoring: Nordafrika punktet bei europäischen Herstellern mit geografischer Nähe und politischer Anschlussfähigkeit, während China und andere BRICS-Partner in Afrika rasch finanzieren und Infrastrukturprojekte umsetzen.

Reagiert Deutschland nicht strategisch, schwächt sich Südafrikas Rolle in deutschen Lieferketten ab – nicht wegen der Partnerschaft, sondern wegen zu langsamer deutscher Reaktionen.

Aus deutscher Perspektive bleibt Südafrika ein Schlüsselpartner. Das Land vereint industrielle Skalierbarkeit mit regulatorischer Vertrautheit, einer qualifizierten Arbeitskräftebasis und Marktzugang über die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) sowie die Afrikanische Freihandelszone (AfCFTA). Hinzu kommen enge institutionelle und unternehmerische Verflechtungen mit Deutschland. Für die Industrie ist Südafrika damit nicht nur ein Absatzmarkt, sondern zugleich Produktionsstandort, Lieferkettenpartner und regionales Drehkreuz. Ein Bedeutungsverlust würde die industrielle Resilienz Deutschlands spürbar schwächen.

Der Bericht macht klar: Wer die Partnerschaft sichern will, muss handeln. Industriepolitisch vorrangig ist die Dekarbonisierung: Ohne schnellen Zugang zu erneuerbarem Strom verlieren Produktionsstandorte und deutsche Lieferketten Wettbewerbsfähigkeit. Stromabnahmeverträge, Netzdurchleitung und gezielte Risikoteilung durch Entwicklungsfinanzierer wie die KfW sind keine bloße Klimapolitik, sondern strategische Notwendigkeit im Zeitalter von CBAM.

Ebenso dringend ist Emissionstransparenz. Ein belastbares, CBAM-kompatibles System zur Messung und Berichterstattung von CO-Emissionen ist entscheidend, um regulatorische Risiken zu minimieren. Technische Unterstützung für Südafrika ist keine Entwicklungshilfe, sondern eine Investition in die Planungssicherheit deutscher Unternehmen.

Politisch darf Deutschland nicht abwarten: Anerkennung der südafrikanischen CO-Steuer im CBAM und eine Modernisierung des EU–SADC-Wirtschaftsabkommens sind Hebel, um fairen Marktzugang zu sichern und gleichzeitig europäische Klimaziele einzuhalten.

Zudem muss die Zusammenarbeit breiter werden. Die Konzentration auf die Automobilindustrie ist längst eine strukturelle Verwundbarkeit. Wer Resilienz will, muss in grüne Energien, die Weiterverarbeitung kritischer Rohstoffe, Wasser- und Digitalinfrastruktur sowie Agrarverarbeitung investieren – Bereiche, in denen Deutschland technologisch führend ist.

Am Ende entscheidet Tempo über Einfluss. Verzögerungen bei Global Gateway untergraben europäische Glaubwürdigkeit, während andere Akteure schneller finanzieren, bauen und verhandeln. Deutschlands Standards bleiben ein Vorteil – aber nur, wenn sie mit Geschwindigkeit, klarer Strategie und politischem Willen umgesetzt werden.

Experten warnen: Europa droht, durch langsame Entscheidungsprozesse an Einfluss zu verlieren. Die Chance, die Beziehung zu Südafrika in eine zukunftsorientierte Allianz zu verwandeln, die auf kohlenstoffarmer Industrieproduktion, diversifiziertem Handel und gemeinsamer Resilienz basiert, ist jetzt besonders groß. Mit der aktuellen Regierungskoalition aus African National Congress und Democratic Alliance und weiteren Parteien besteht erstmals seit Langem die Möglichkeit, Reformen voranzutreiben und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen – ein Fenster, das Deutschland nutzen muss. Südafrika ist Deutschlands stärkster Wirtschaftspartner in Subsahara-Afrika. Wer diese Position halten will, darf nicht auf vergangene Erfolge bauen. Es ist Zeit zu handeln – entschlossen, strategisch und sofort, bevor andere den Vorsprung übernehmen.