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Wahlen 2026
Zille, liberales Urgestein im Rennen um Afrikas einflussreichstes Handelszentrum

Helen Zille

Chairperson of the Federal Council of the Democratic Alliance and the party’s Johannesburg mayoral candidate, Helen Zille, delivers a speech to supporters of her #BelieveInJoburg campaign.

© facebook.com/HelenZille

Helen Zille, eine der profiliertesten liberalen Stimmen Südafrikas und ausgewiesene Expertin für Regierungsführung, kandidiert für das Bürgermeisteramt von Johannesburg, Afrikas einflussreichstem Handels- und Wirtschaftszentrum. Bekannt wurde sie als frühere Vorsitzende der liberalen Democratic Alliance (DA) sowie als ehemalige Bürgermeisterin von Kapstadt und Premier der Provinz Westkap. Nun will Zille Johannesburg der Regierungspartei African National Congress (ANC) abnehmen.

Bei einem Abendessen mit Zille fragte diese Redaktion die 74-Jährige, warum sie sich entschlossen hat, ihren Namen erneut ins Rennen zu schicken, um eine Stadt wieder aufzurichten, die durch Missmanagement in der Kommunalverwaltung und zahlreiche gescheiterte Koalitionsanläufe schwer beschädigt ist. Zille, die in jüngeren Jahren zeitweise in der „City of Gold“ lebte, ist für ihre Kandidatur jüngst nach Johannesburg zurückgekehrt. Ihren Ehemann ließ sie in Kapstadt zurück. „Er kommt dort zurecht, er versteht, warum ich das tue, und er unterstützt mich“, sagt Zille über den Schritt.

Warum Zille zurück ins Amt will

Für Zille ist die Kandidatur in der finanziellen und wirtschaftlichen Hauptstadt des Landes auch strategisch wichtig: Lange Zeit habe die DA Macht vor allem im Westkap gewinnen und halten können. „Bei dieser Wahl müssen wir über das Westkap hinaus durchbrechen. Es gibt eine echte Chance, dass die DA in den meisten Metropolen zulegt, und Johannesburg ist als wirtschaftliches Zentrum der Hauptpreis.“

Zille verweist auf ihre Erfahrung an der Spitze kommunaler und provinzieller Verwaltungen, und darauf, dass Johannesburg genau das brauche. Von 2006 bis 2009 war sie Bürgermeisterin von Kapstadt und führte dort eine schwierige Koalition aus sieben Parteien. „Johannesburg wieder auf Kurs zu bringen, wird eine große Teamleistung. Aber ich bringe sehr viel Erfahrung mit. Ich habe schon zweimal Regierungen dem ANC abgenommen. Ich habe Einblicke, wie man Dinge wieder in Ordnung bringt. Erfahrung ist im Leben und in der Politik etwas Wertvolles, davon ich bringe viele Jahre mit an den Tisch.“

Zilles Prioritäten

Johannesburg steht heute vor einer Reihe von Problemen, am drängendsten ist wahrscheinlich die Wasserversorgung. Die Stadt ringt damit, grundlegende Leistungen wie Wasser aus dem Hahn verlässlich bereitzustellen; viele Bewohnerinnen und Bewohner sind tagelang ohne Versorgung. Hauptursache ist eine marode Infrastruktur, weil Wartung und Instandhaltung über Jahre vernachlässigt wurden. „Das Wichtigste ist, den Menschen sauberes und zuverlässiges Wasser zu liefern. So viele Vororte sitzen wochenlang ohne Wasser, es gab einen Fall mit vierzehn Wochen ohne Wasser. Das ist in einer modernen Stadt untragbar. Die Wasserkrise zu lösen, ist meine Priorität Nummer eins.“

An zweiter Stelle steht für sie eine verlässliche Stromversorgung. „Zuverlässiger Strom ist meine zweite Priorität.“

Drittens geht es um die Infrastruktur insgesamt. „Wir müssen Straßen und Schlaglöcher reparieren, Ampeln instand setzen, Straßenränder und Grünstreifen pflegen, die Straßenbeleuchtung wieder zum Laufen bringen. Die gesamte Verkehrsinfrastruktur ist so stark beschädigt.“

Koalitionen im Stadtrat

Auch wenn Zille eine klare Mehrheit in Johannesburg anstrebt, sind ihre Chancen gering. Zuletzt verfügte hier von 2011 bis 2016 eine Partei über eine absolute Mehrheit, damals mit Parks Tau als ANC-Bürgermeister. Seitdem geht es im Rathaus zu wie beim Stühlerücken.

„Wir führen keinen Wahlkampf mit dem Ziel einer Koalition“, sagt Zille. „Aber wenn es nötig ist, und in Systemen mit Verhältniswahl ist das meist der Fall, müssen wir die größte Partei sein, und zwar mit deutlichem Abstand. Dann brauchen wir Koalitionspartner, um in unterschiedlichen Konstellationen auf 50 Prozent zu kommen. Und wir werden die am wenigsten schlechte Option wählen.“