Sprache in der Türkei
Sprachenrechte und sprachliche Vielfalt in der Türkei

Herausgegeben von Bülent Bilmez

Dieses Buch basiert auf den Vorträgen, die von Spezialisten aus verschiedenen Ländern im Rahmen einer Workshop-Reihe mit dem Titel „Linguistische Vielfalt und Sprachenrechte“ gehalten wurden, die am 18, 19, 25-26 Juli 2020 stattfand. Die Workshop-Reihe wurde von der Studiengruppe zu Kulturen der Türkei an der Bilgi-Universität Istanbul mit Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung in Istanbul und dem Beitrag des Netzwerks zur Überwachung, Dokumentation und Berichterstattung über Sprachenrechte (Dil Hakları İzleme Belgeleme ve Raporlama Ağı, DHİBRA) organisiert. Während der ersten drei Sitzungen der Workshop-Reihe wurden die Themen sprachliche Vielfalt und Sprachenrechte in ihren verschiedenen Dimensionen diskutiert. In der letzten Sitzung der Workshop-Reihe wurde das Thema Menschenrechtsüberwachung und -berichterstattung in Bezug auf sprachliche Rechte von Experten auf diesem Gebiet diskutiert. Die drei Beiträge, die in der letzten Sitzung präsentiert wurden und sich hauptsächlich auf den Austausch von Erfahrungen und Beobachtungen konzentrieren, bilden den letzten Teil des Buches. Alle Vorträge wurden nach dem Workshop von den Autoren überarbeitet, und die meisten wurden in Form von ausgearbeiteten Artikeln neu geschrieben. Die Kommentare und Empfehlungen der Diskutanten am Ende der Sitzungen haben enorm zu diesem Überarbeitungs- und Umschreibungsprozess beigetragen.

Die in den 14 Artikeln dieses Buches behandelten Themen der sprachlichen Vielfalt und der sprachlichen Rechte sind in der Türkei leider vernachlässigte Themen. Der erste Teil dieses Sammelbandes, „Verschiedene Dimensionen des sprachlichen Pluralismus, der Sprachpolitik und der sprachlichen Rechte“, besteht aus sieben Kapiteln und zielt darauf ab, ein Thema umfassend zu untersuchen, zu dem es nur unzureichend in türkischer Sprache verfasste oder aus anderen Sprachen übersetzte Literatur gibt. Der erste Teil beginnt mit einem Beitrag von Bülent Bilmez, der eine allgemeine Übersicht und einen theoretisch-konzeptionellen Rahmen für die Diskussionen über sprachliche Pluralität in der Türkei vorstellt, und enthält die folgenden Artikel: Christoph Schroeder diskutiert die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit am Beispiel der Türkei; İnci Dirim stellt ihre Studie über den Unterricht von Deutsch als Zweitsprache in Deutschland und Österreich mit Bezug auf die Hindernisse in der Türkei vor; Ingrid Gogolin & Irina Usanova skizzieren die Ergebnisse ihrer Feldforschung über mehrsprachige Bildung in Deutschland; und Şerif Derince konzentriert sich ebenfalls auf Mehrsprachigkeit im Bildungswesen, indem er das Thema der kurdischsprachigen Wahlpflichtfächer in Deutschland mit einer vergleichenden Diskussion über die Türkei diskutiert. Von den beiden anderen Beiträgen der ersten Sektion greift Cuma Çiçek das Thema „Revitalisierung von Sprachen“ durch eine umfassende und kritische Analyse der einschlägigen klassischen Literatur zum Thema auf. Anu Leinonenerörtert die Frage der ‚Sprachverschiebung‘ zwischen dem Kurdischen und dem Türkischen und die Umkehrung dieses Prozesses im Kontext der Soziolinguistik und Politik. Die meisten Beiträge des ersten Teils wurden nach den Workshop-Präsentationen grundlegend überarbeitet oder neu geschrieben. Zusammengenommen bieten sie eine kompetente Grundlage für weitere Diskussionen und Studien zu den im Türkei-bezüglichen Kontext eher vernachlässigten Themen der sprachlichen Pluralität und insbesondere der ‚mehrsprachigen Erziehung‘ und ‚Mehrsprachigkeit im Bildungswesen‘.

Der zweite Teil des Buches mit dem Titel „Rechtlicher Rahmen“ besteht aus vier Aufsätzen, die sich mit der nationalen und internationalen rechtlichen Dimension von Sprachenrechten und sprachlicher Pluralität beschäftigen. Im ersten Beitrag, der sich mit dem internationalen Rechtsrahmen befasst, bietet Olgun Akbulut eine kritische Kurzzusammenfassung über den Stellenwert sprachlicher Rechte im internationalen Recht. Ruth Bartholomäanalysiert dagegen kritisch die ‚Europäische Charta für Regional- oder Minderheitensprachen‘ im Rahmen der Soziolinguistik. Derya Bayır nimmt eine umfassende Bewertung der sprachlichen Rechte im Gerichtsbarkeit im Rahmen von internationalen Recht vor, wobei auch die Situation in der Türkei berücksichtigt wird. Im letzten Beitrag dieses Teils skizziert Salim Orhan den rechtlichen Rahmen der sprachlichen Rechte in der Türkei, ohne dabei den soziopolitischen Kontext zu vernachlässigen.

Im dritten und abschließenden Teil, der den „Allgemeinen Beobachtungen und Erfahrungen“ über die Überwachung und Berichterstattung von Menschenrechten im Allgemeinen gewidmet ist, erörtern führende Persönlichkeiten auf diesem Gebiet den „Prozess der Überwachung, Berichterstattung und Verteidigung von Menschenrechten“ in Bezug auf die drei Bereiche ihrer Spezialisierung. Feray Salman, eine führende Expertin auf dem Gebiet der Menschenrechte in der Türkei, stellt einen kurzen methodischen Rahmen zur Verfügung und diskutiert einige Herausforderungen, die bei der Feldarbeit erlebt wurden. Mine Yıldırım, eine bahnbrechende Expertin für Glaubensfreiheit und religiöse Rechte in der Türkei, konzentriert sich auf die Methodik und die praktischen Herausforderungen in ihrer Feldarbeit. Ihre Hinweise auf sprachlichen Rechten zeigen die interjektionelle Natur der Menschenrechte auf und belegen die Unumgänglichkeit eines holistischen Ansatzes für die zukünftige Arbeit. Der Autor des letzten Beitrages des Buches, Adem Arkadaş-Thibert, konzentriert sich auf das höchst sensible Thema der Kinderrechte aus der Perspektive der sprachlichen Rechte. Abgeleitet aus seiner erfahrungsbasierten Kompetenz macht er auf spezifische Probleme im Monitoring aufmerksam und unterbreitet Vorschläge zu deren Überwindung.

Dieser Sammelband schlägt vor, eine wesentliche Lücke in der Türkei über sprachliche Rechte als wesentlicher Teil der kulturellen Pluralität zu füllen. Wir hoffen, dass er eine nützliche Quelle für akademische und nicht-akademische Forscher sowie für Sprachaktivisten sein wird, die Forschungen über die Sprachen der Türkei, sprachliche Pluralität und sprachliche Rechte durchführen.