Baupolitik
Geht der Traum vom Eigenheim doch noch in Erfüllung?

Junge Menschen träumen von den „eigenen vier Wänden“ – erreichbar ist dieses Ziel nur für die wenigsten. Daran könnte sich nun etwas ändern.
Hausbau auf einem Grundstück

Foto: Peter Cade

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Junge Menschen träumen vom Eigenheim – Die Realität sieht anders aus

Neun von zehn (87 Prozent) aller 14- bis 19-Jährigen wollen bereits mit 30 Jahren im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung leben. Gleichzeitig gehen 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen fest davon aus, dass sie später auch die finanziellen Möglichkeiten haben werden, Wohneigentum zu erwerben. Lediglich 4 Prozent schließen aus, dass der Erwerb von Wohneigentum für sie möglich sein wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung des Forsa-Instituts im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen, die im Mai 2021 durchgeführt wurde. (Quelle: https://www.bausparkassen.de/blog/2021/05/12/wie-und-wo-wollen-junge-menschen-wohnen-und-leben/ )

Ein Blick auf die Realität erscheint vor diesem Hintergrund ernüchternd. Mit etwa 46 Prozent hat Deutschland die niedrigste Wohneigentumsquote innerhalb der EU. Noch dramatischer ist die Situation bei den Unter-45-Jährigen. Nur jede bzw. jeder Vierte besitzt hier Wohneigentum (siehe Abb. 1). Obwohl die niedrigeren Zinsen der letzten Jahre den Eigentumserwerb sogar vereinfacht hätten, schaffen immer weniger jüngere Haushalte den Sprung ins eigene Haus oder die eigene Wohnung. 

Abb. 1: Wohneigentumsquote in unterschiedlichen Altersklassen

Abb. 1: Wohneigentumsquote in unterschiedlichen Altersklassen

Die meisten scheitern an den Eigenkapitalhürden

Wie unsere Studie „Wohneigentumspolitik in Europa“[1] des IW Köln zeigt, ist dieser Missstand kein Zufall. Andere Länder weisen eine deutlich geringere Grunderwerbsteuer und niedrigere Erwerbsnebenkosten auf, gleichzeitig gibt es im europäischen Ausland deutlich mehr Unterstützung bei der Finanzierung. In der Folge scheitern vor allem die jüngeren Haushalte in Deutschland an den wachsenden Eigenkapitalhürden.

Bei einem Durchschnittspreis für Wohneigentum in Deutschland von rund 300.000 Euro muss ein Haushalt rund 60.000 Euro angespart haben – dies trifft aber nur auf rund 12 Prozent der Gruppe der 25- bis 40-jährigen Mieterinnen und Mieter zu (siehe Abb. 2). Um es kurz zu fassen: Unter den aktuellen Voraussetzungen könnte der Traum von den „eigenen vier Wänden“, den fast 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland haben, für die meisten ein Traum bleiben.

[1] https://shop.freiheit.org/#!/Publikation/1086

Abb.2: Erfüllung der Eigenkapitalvoraussetzungen

Abb.2: Erfüllung der Eigenkapitalvoraussetzungen

Unter den aktuellen Voraussetzungen könnte der Traum von den „eigenen vier Wänden“, den fast 90 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland haben, für die meisten ein Traum bleiben.

Die Koalitionsvereinbarungen machen Hoffnung

Doch es besteht berechtigter Grund zur Hoffnung. Die angestrebten Maßnahmen der Ampelkoalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP richten sich auf die beiden Haupthindernisse der Eigentumsbildung – die hohen Erwerbsnebenkosten und die mangelnde Unterstützung bei der Finanzierung.

So sieht der Koalitionsvertrag für die Bundesländer eine flexiblere Gestaltung der Grunderwerbsteuer sowie die Möglichkeit zur Einführung von Freibeträgen vor. Zur Gegenfinanzierung sollen in Zukunft sogenannte Share Deals ausgeschlossen werden, mit denen Konzerne die Grunderwerbsteuer beim Immobilienerwerb missbräuchlich umgehen können. Dieser Schritt könnte die Erwerbsnebenkosten für junge Käuferinnen und Käufer erheblich reduzieren. Auch bei der Finanzierung ist mit eigenkapitalersetzenden Darlehen, Tilgungszuschüssen und Zinsverbilligungen in Zukunft eine gezielte Unterstützung in Aussicht gestellt.

Fazit

Wohneigentum kann Altersarmut verhindern, zu einer gleichmäßigeren Vermögensverteilung führen und Schutz vor Gentrifizierung bieten. Diese Vorteile darf man den jungen Menschen in Deutschland nicht vorenthalten, der Traum einer ganzen Generation nicht länger ignoriert werden. Wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung jüngst zeigte, wurde die Schrumpfung der Mittelschicht gestoppt.[1] Mit den Koalitionsvereinbarungen wurden nun die Weichen dafür gestellt, dass der Erwerb von Wohneigentum wieder zu einem echten Aufstiegsversprechen für die Mittelschicht werden könnte.

 

[1] https://www.freiheit.org/de/studie-zur-mittelschicht-mehr-mitte

Wie andere europäische Länder ihre Wohneigentumspolitik gestalten finden Sie in unserer Studie: