Senegal
Besuch des Bundespräsidenten in einem Land mit Vorbildcharakter

 Bundespräsident Steinmeier ist zu einem dreitägigen Besuch in der westafrikanischen Republik Senegal.

Bundespräsident Steinmeier ist zu einem dreitägigen Besuch in der westafrikanischen Republik Senegal.

© picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Während sich besonders in Westafrika in letzter Zeit die schlechten Nachrichten von Staatsstreichen, Militärregierungen und einem sich verschärfenden Kampf gegen den islamistischen Terror aneinanderreihen und damit dem Bild von Afrika als ewigem Krisenkontinent neue Nahrung geben, wird häufig übersehen, dass es auch dort Länder gibt, die diesem negativen Klischee nicht entsprechen.   

Die Republik Senegal, in der Bundespräsident Steinmeier gerade seinen eigentlich dreitägigen Staatsbesuch wegen der Ukraine Krise um einen Tag verkürzen musste, ist so ein Fall. Während Senegal in Deutschland vielleicht eher durch seine nach Europa exportierten Fußballer oder den erst kürzlich medienwirksam gezeigten, farbenfrohen Gewinn der Afrikameisterschaft bekannt ist, wird die politische Ausnahmerolle des Landes in der Region oftmals übersehen.

Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1960 gab es im Senegal nur friedliche Machtwechsel von demokratisch gewählten Regierungen; das Land verfügt im regionalen Vergleich über gefestigte Institutionen, eine freie Presse und eine rege Zivilgesellschaft. Das macht den Staat in Westafrika zu einem der stabilsten des Kontinents und nicht zuletzt aus diesen Gründen eine überzeugende Destination für den Besuch des Bundespräsidenten.

Wirtschaftswachstum von Senegal

Blickt man auf die makro-ökonomischen Daten und die internationalen Klassierungen zu Regierungsführung, Korruption und der Achtung der Menschenrechte, so bleibt in der Tat der Eindruck, dass im Senegal all das einigermaßen funktioniert, was in vielen umliegenden Ländern zunehmend in Auflösung gerät.

Zweifellos gibt es auch im Senegal große Korruptionsprobleme sowie Rechtstaatsdefizite, doch alles eben in einem relativ überschaubaren Maaß, wenn man mal als Vergleichskriterium nicht irgendeinen skandinavischen Staat nimmt, sondern den regionalen Kontext anlegt. In einem geographischen Raum von dysfunktionalen Staaten, die wie Mali und Burkina Faso grosse Teile ihres Staatsgebietes gar nicht mehr kontrollieren oder deren endemische Korruption wie in Guinea oder Guinea-Bissau alles staatliches Handeln lähmt, steht Senegal als Leuchtturm einer funktionierenden demokratischen Ordnung.

Neben dieser demokratischen Stabilität, weist das Land seit Jahren ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum von eindrucksvollen sechs Prozent und mehr aus, was selbst durch die Covid Krise nur kurz geschmälert wurden. Seit im Jahre 2000 die erste liberale Regierung unter dem damaligen Präsidenten Abdulaye Wade an die Macht kam, hat sich das Bruttoinlandsprodukt des Landes nahezu vervierfacht.

Zielsetzung bis 2035

Der 2019 wiedergewählte liberale Präsident Macky Sall hat sich zum Ziel gesetzt, Senegal bis zum Jahr 2035 zu einem Schwellenland zu machen und die Entwicklungsplanungen dazu werden Schritt für Schritt im ganzen Land umgesetzt. Neue Infrastrukturmaßnahmen dominieren die Städte und ein anhaltender Bauboom lassen besonders die Hauptstadt Dakar sich immer schneller verändern. Ausländische Investoren sind hochwillkommen und anders als in vielen anderen Ländern Afrikas dominiert China dieses Feld nicht völlig, sondern reiht sich neben türkische, französische und andere Unternehmen, die im Senegal tätig sind. Erst seit kurzem verbindet ein französisch gebauter Regionalzug die Hauptstadt Dakar mit seinen Vorstädten. Diese „Private Public Partnership“ zwischen französischen Unternehmen und dem senegalesischen Staat läuft bisher sehr erfolgreich und wird in der langfristigen Entwicklung der Metropole eine Schlüsselrolle übernehmen. Ab 2023 soll im Norden des Landes Öl- und vor allem Gas aus Offshore Feldern gefördert werden. Die damit einhergehende Zunahme der Staatseinnahmen werden dem Land zusätzlich neue Entwicklungsperspektiven öffnen. 

Deutsche Wirtschaft in Westafrika

Deutsche Unternehmen findet man dagegen bislang eher wenig im Senegal. Noch scheint das Interesse der deutschen Wirtschaft in Westafrika sich auf die anglophonen Länder Ghana und Nigeria zu richten. Doch was nicht ist, kann noch kommen. Der Bundespräsident hatte auch eine Wirtschaftsdelegation im Gepäck und die Besichtigung des zukünftigen Biontech Fabrikationsgeländes für die Herstellung von Corona Impfstoff im Programm. All das passt in das von den Senegalesen sehr stark nach außen präsentierte Bild , einer modernen, fortschrittlichen Wirtschaftsentwicklung ihres Landes.

Diese durchaus positiven makro-ökonomische Eckdaten sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Senegal vor gewaltigen Herausforderung steht, die – sofern sie nicht konsequent angegangen werden – die Stabilität des Landes durchaus kompromittieren können. 

Wie viele seiner Nachbarländer trifft auch den Senegal die eigene demographische Entwicklung. Die Bevölkerungszahl hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt und das jährliche demographische Wachstum relativiert umgehend die eigentlich positive wirtschaftliche Entwicklung. Die Fertilitätsrate im Land sinkt zwar kontinuierlich, sie lag aber 2020 immer noch bei 4,49 Kindern pro Frau, wobei große Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gebieten bestehen. Von den 16,7 Millionen Senegalesen sind nach offiziellen Statistiken mehr als 40% unter 15 Jahre alt. Hunderttausende drängen jährlich neu auf den Arbeitsmarkt. Es ist jedoch bisher nicht gelungen, das wirtschaftliche Wachstum in die Schaffung von Arbeitsplätzen – und hier insbesondere in Arbeitsplätzen für die Jugend – umzuleiten. Dieses Kernproblem zieht andere nach sich. Da auch die traditionellen Arbeitsplätze in der Fischerei oder Landwirtschaft nur begrenzt aufnahmefähig sind, nimmt die Landflucht weiter zu.  Der informelle Sektor in den Städten wächst damit weiter, Bildungs- und Gesundheitssysteme bleiben überlastet und qualitativ mangelhaft.  Nicht zuletzt treibt diese Perspektivlosigkeit die arbeitssuchende Jugend in die Arme von religiösen oder politischen Demagogen. Der Populismus nimmt auch in der senegalesischen Politik stark zu und gefährdet die demokratische Ordnung. Für andere bleibt als Ausweg die illegale und gefährliche Überfahrt in den Holzpirogen nach Europa. Allein 2021 sind schätzungsweise mehr als 4000 Menschen beim Versuch von Westafrika die kanarischen Inseln zu erreichen, ertrunken. Viele der Boote kommen aus dem Senegal. 

Besuch des Bundespräsidenten

Diese jungen Generationen in geregelte Arbeit zu bekommen ist eine Mammutaufgabe, die der Senegal nicht allein wird lösen können; hier sind die internationalen Partner mit gefragt, unter anderem auch Deutschland. Ganzheitliche Ansätze aus Entwicklungszusammenarbeit, wirtschaftlichen Investitionen, Migrations- und Bildungspolitik sind notwendig. Bisher sind ganze Berufszweige im Senegal stark unterentwickelt und ihrem enormen Potential für den Arbeitsmarkt wird nicht ansatzweise Rechnung getragen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat im Bereich berufliche Ausbildung und Jungunternehmerförderung bereits eine Vorreiterrolle übernommen, die es weiter zu flankieren gilt. Der Bundespräsidentenbesuch zollt diesen Entwicklungen Rechnung. Neben den offiziellen Terminen mit Staatspräsident und dem Präsidenten der Nationalversammlung tauschte er sich mit jungen senegalesischen Führungskräften aus Politik und Wirtschaft aus. Dabei konnte auch er sich davon überzeugen, dass das Potential und die Motivation diese Entwicklungsherausforderungen zu meistern, im Senegal durchaus gegeben ist.  

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Helena von Hardenberg, Presse und Digitale Kommunikation
Helena von Hardenberg
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