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China
Chinesische Interessen in Gefahr

Der Iran ist ein wichtiger Partner Chinas im Nahen Osten. Trotz des Krieges versucht Peking jedoch, eine politische Eskalation mit den USA zu vermeiden.
China-Iran

Wang Yi and Mohammad Javad Zarif at the Ministry of Foreign Affairs of Iran, after signing the 25-year cooperation deal between China and Iran, 2021-03-27

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Der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran bedroht zentrale strategische Ziele Chinas: den Zugang zu iranischem Öl, die Verhinderung eines pro-amerikanischen Regimewechsels in Teheran sowie die Wahrung der eigenen innenpolitischen Stabilität.

Mit einem Machtwechsel im Iran würde China nicht nur einen wichtigen Partner im Nahen Osten verlieren. Regime-Change würde auch die chinesische Sorge verstärken, dass durch äußeren Druck unterstützte Massenproteste ein etabliertes System stürzen – ein Szenario, das die chinesische Führung mit Blick auf die eigene Stabilität sehr fürchtet. Peking beliefert das Regime in Teheran unter anderem mit Überwachungstechnik, um innere Unruhen zu verhindern - und mit Rüstungsgütern wie Flugabwehrraketen. Nicht nur wegen des Geldes, sondern auch, um die Mullahs vor Angriffen zu schützen.

Chinesische Investitionen im Iran

Neben sicherheitspolitischen Interessen spielen auch wirtschaftliche Faktoren eine wichtige Rolle in den Beziehungen zwischen beiden Staaten.  2021 hatten beide Länder ein 25-jähriges Kooperationsabkommen geschlossen, in dessen Rahmen China Investitionen von rund 400 Milliarden US-Dollar in Aussicht stellte – im Gegenzug für eine langfristige Ölversorgung. 2025 gingen rund 80 Prozent der iranischen Ölexporte nach China. Das entspricht etwa 13,4 Prozent der gesamten maritimen Ölimporte der Volksrepublik.

Das Öl fließt, aber chinesische Investitionen im Iran bleiben bislang begrenzt. Zwar gilt das Land als Partner der chinesischen „Belt and Road“-Initiative; 2024 wurde beispielsweise eine Güterzugverbindung zwischen dem iranischen Qom und dem chinesischen Yiwu eröffnet. Von den angekündigten, großen Investitionen ist Peking jedoch weit entfernt. Der amerikanische Think Tank American Enterprise Institute schätzt die chinesischen Investitionen im Iran seit 2007 auf lediglich rund fünf Milliarden US-Dollar. In andere Staaten der Region – etwa die Vereinigten Arabischen Emirate oder Saudi-Arabien – floss deutlich mehr Kapital aus China.

Große strategische Not-Ölreserve

Angesichts der sich anbahnenden Ölkrise befindet sich China im Vergleich zu anderen asiatischen Staaten in einer relativ komfortablen Lage. In den vergangenen Jahren hat die Volksrepublik ihre Ölimporte stark diversifiziert. Lieferausfälle aus dem Iran könnten teilweise durch zusätzliche Importe aus Russland, Saudi-Arabien oder dem Irak ausgeglichen werden. Nur etwa 6,6 Prozent der chinesischen Ölimporte passieren die Straße von Hormus. Zudem verfügt China über die größte strategische Not-Ölreserve der Welt. Experten zufolge könnte sie für drei bis vier Monate reichen.

Vor diesem Hintergrund reagiert Peking zunächst zurückhaltend auf die militärische Eskalation. Später warf Chinas Außenminister Wang Yi den USA und Israel doch noch einen schweren Verstoß gegen das Völkerrecht vor. In den chinesischen Medien, die stark kontrolliert werden, verschärft sich der Ton. Die Stimmung ist anti-amerikanisch. Auf der Plattform Weibo verbreiteten sich KI-generierte Videos, in denen US-Soldaten Präsident Trump anflehen, den Krieg zu beenden. Auch auf Bilibili – der chinesischen Version von YouTube – kritisieren viele Kommentare den US-Angriff. Einige unterstützen das iranische Recht auf Selbstverteidigung oder rufen zu einer diplomatischen Lösung auf.

Eine politische Eskalation zwischen China und den Vereinigten Staaten bleibt jedoch bislang aus. Ende März wird US-Präsident Trump zu einem Staatsbesuch in Peking erwartet. Eine Absage steht derzeit nicht im Raum. Für Peking bleibt das Verhältnis zu den USA strategisch deutlich wichtiger als die Partnerschaft mit Iran.

*Frederic Spohr leitet die Büros der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit in Taipei und Seoul.