Beziehungen durch Afrika-Cup belastet
Senegals Premier reist zur Versöhnung nach Marokko
Die Spannungen nach dem Finale beim Afrika-Cup reißen nicht ab. Nun fährt Senegals Premier Sonko nach Rabat. Beide Länder hätten durch eine Entfremdung viel zu verlieren.
Die Polemik um das Finale des Afrika-Cups (CAN)zwischen Senegal und Marokko reißt in Afrika nicht ab und belastet die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Am diesem Montag reist der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko nach Rabat, um die eigentlich exzellenten Beziehungen wiederherzustellen.
Diese Regierungskonsultationen waren lange vor dem Afrika-Cup geplant, die Reise wird aber jetzt zu einer Art „Versöhnungsmission“.
Senegals Umgang mit Vorwürfen
Im Senegal selbst löste der Titelgewinn Freudenfeste aus. Die Feierlichkeiten fanden ihren Höhepunkt am Dienstagabend beim offiziellen Empfang der Mannschaft durch Präsident Bassirou Diomaye Faye.
Dabei wurden die Ausschreitungen marokkanischer Fans, die Schikanen gegen die senegalesische Mannschaft vor und während des Spiels, die Provokationen gegen den senegalesischen Torwart in der sogenannten „Handtuchaffäre“ sowie die teils umstrittenen Entscheidungen des kongolesischen Schiedsrichters zugunsten Marokkos mit Gelassenheit weggelächelt.
Senegal hatte Marokko mit 1:0 besiegt und damit den Traum des Gastgeberlandes zerstört, fünfzig Jahre nach dem Titel von 1976 einen zweiten Stern zu gewinnen.
Einigkeit herrscht darüber, dass die regelwidrige Entscheidung von Trainer Pape Thiaw, seine Mannschaft kurzzeitig in die Kabinen zu schicken, falsch war. Durch seine rasche öffentliche Entschuldigungist hier der Vorfall jedoch erledigt.
Thiaw hat den vollen Rückhalt der senegalesischen Behörden. Präsident Faye lobte beim Empfang der Afrikameister nicht nur die sportliche Leistung, sondern auch die gestärkte nationale Einheit.
Marokko ist enttäuscht
Nicht so in Marokko. Als der Präsident des Afrikanischen Fußballverbandes (CAF), Patrice Motsepe, bei der Siegerehrung zunächst dem marokkanischen Prinzen Moulay Rachid, dem Bruder von König Mohammed VI., die Trophäe überreichen wollte, verweigerte dieser die Annahme. Er wurde dem Kapitän der siegreichen „Lions de la Teranga“ überreicht.
Doch auch die internationalen Fußballinstanzen, die vom marokkanischen Verband angerufen wurden, wollen die Vorfälle nicht auf sich beruhen lassen.
Fifa-Präsident Gianni Infantino fordert von der CAF disziplinarische Maßnahmen gegen mehrere senegalesische Spieler, die Sperren von zwei bis vier Spielen nach sich ziehen und damit die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026 gefährden könnten.
Dakar will deeskalieren
Im Hinblick auf Marokko setzt man in Dakar bewusst auf Deeskalation. So zollte der ehemalige senegalesische Fußballstar El-Hadji Diouf am Donnerstag in einem Gastbeitrag in der französischen Zeitung „Le Monde“ der marokkanischen Mannschaft Respekt und erinnerte zugleich an die besonders engen Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Senegal und Marokko haben eine zu lange gemeinsame Geschichte und Zukunft, als dass ein Finale diese jahrhundertealte Freundschaft bedrohen zu lassen.
Auch Premier Sonko, sonst für seine direkte Art bekannt, rief dazu auf, „diese Episode zu entemotionalisieren“ und „an der Festigung der Beziehungen“ zu Marokko zu arbeiten.
Exzellente Beziehungen
Eigentlich sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sehr eng: Der Senegal ist einer der engsten Verbündeten des nordafrikanischen Marokko in Subsahara-Afrika. So hat Dakar den umstrittenen Anspruch Marokkos auf die Westsahara anerkannt und unterhält ein Konsulat im dortigen Dakhla.
Wir müssen diese Episode entemotionalisieren.
Marokko ist ein Hauptinvestor im Senegal, insbesondere in Bereichen wie Finanzen, Bauwesen, Fischerei und Pharmazie. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 importierte Senegal zudem marokkanische Waren im Wert von 194 Millionen US-Dollar. In der Gegenrichtung wurden allerdings nur Waren im Wert von etwa 40 Millionen US-Dollar verkauft.
Ein wichtiges Zukunftsprojekt ist die Nigeria-Marokko-Gaspipeline, an der Senegal als zentraler Akteur beteiligt ist.
Während die Fußballwelt noch streitet und die Sozialen Medien die Gerüchteküche weiter anheizen, schalten die Regierungschefs beider Länder zurück in den Businessmodus. Ab Montag soll es vor allem um Wirtschaftsfragen gehen.
Die mit dem Sportereignis verbundenen Emotionen haben keinen Platz am Tisch dieser 15. bilateralen Regierungskonsultationen, unterstrich Senegals Premierminister Sonko noch einmal vor Abreise in die marokkanische Hauptstadt Rabat.
The original article first appeared in the Tagesspiegel.