COP26
Allmendegut, alles gut

Die Weltgemeinschaft einigte sich auf ein Ende der Rodung von Wäldern bis 2030.
Die Weltgemeinschaft einigte sich auf ein Ende der Rodung von Wäldern bis 2030. Damit bleibt auch wertvoller Lebensraum erhalten, was sich voraussichtlich auch positiv auf das Artensterben auswirkt. © picture alliance / imageBROKER | Matthias Graben

Die COP26 Klimakonferenz in Glasgow kommt nach zwei Wochen zu ihrem Ende. Markiert die Veranstaltung den Wendepunkt in der internationalen Klimapolitik, wie von den britischen Gastgebern gepriesen? Oder trifft doch der Vorwurf der Klimaaktivisten zu und die Konferenz diente nur der Greenwashing-Lobby?

Laut den Berechnungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) würden die neuen Pläne der Weltgemeinschaft den Klimawandel auf 1,8°C beschränken. Damit würde die Welt also innerhalb des Zielkorridors bleiben. Dieser wurde auf der Pariser Klimakonferenz auf eine Erwärmung von 1,5° C bis 2° C bis 2100 festgelegt. Außerdem sind sich erstmalig alle Nationen einig, dass man gegen den menschgemachten Klimawandel vorgehen muss. Dieser Konsens ist beachtlich, wenn auch die Frage, welche die richtigen Klimaschutzmaßnahmen sind, strittig bleibt.

Aber es gibt Bewegung. Beispielsweise bei den Methanemissionen: über 100 Nationen verständigten sich auf eine Reduktion um 30% bis 2030, im Vergleich zu 2020. Außerdem konnte sich die Weltgemeinschaft auch auf ein Ende der Rodung von Wäldern bis 2030 einigen. Damit bleibt auch wertvoller Lebensraum erhalten, was sich voraussichtlich auch positiv auf das Artensterben auswirkt.

Auf einen globalen CO2-Preis konnten sich die Verhandlungspartner nicht einigen. Ein bindender und globaler Markt für Emissionszertifikate ist genauso wenig zustande gekommen. Somit werden die effektivsten Werkzeuge gegen den Klimawandel weiterhin nicht global eingesetzt. Für die effiziente Gestaltung des Klimaschutzes sind das schlechte Nachrichten. Wieder einmal sabotieren einzelne Länder die Umsetzung gemeinsamer Maßnahmen gegen den globalen Klimawandel.

Dabei betreffen die Handlungen einzelner Länder nicht nur das eigene Klima, sondern die ganze Welt. Gleichzeitig ist die Treibhausgas-Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre endlich. Um das Weltklima innerhalb des geplanten Korridors zu halten, darf ein bestimmtes Kontingent an Emissionen nicht überschritten werden. Hier liegt die zweite Krux beim Klimaschutz. Über die Frage wer, wann, wieviel Treibhausgase emittieren darf, ist man sich uneinig. Die Staaten der Welt rivalisieren um die verbleibenden Emmissionsberechtigungen.

Die mangelnde Beschränkbarkeit des globalen Klimas und die beschriebene Rivalität um die verbliebenen Emmissionsrechte macht das Klima zu einem Allmendegut.  Wie man wirtschaftlich und politisch am besten mit einer solchen Almendeproblematik umgeht, wurde eingehend von der US-Amerikanischen Ökonomin Elinor Ostrom analysiert. Als erste Frau überhaupt wurde sie 2009 für ihr Werk mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Folgt man Ostrom, dann bedarf es klarer Regeln im Umgang mit dem Klima. Diese Regeln müssen von allen Betroffenen umgesetzt und bei Bedarf angepasst werden.

Die Pariser Klimakonferenz von 2015 brachte ein neues, grundlegendes Regelwerk zustande – allerdings eines, dem unabhängige Kontrollinstanzen und Durchsetzungsinstitutionen fehlten. Damals verpflichteten sich die meisten Teilnehmerstaaten freiwillig zu Treibhausgasreduktionen. Nun wurde das Regelwerk in Glasgow nachgeschärft und durch die Beiträge weiterer Nationen ergänzt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die nächste Konferenz für das kommende Jahr anberaumt wurde. Notwendige Anpassungen und Konkretisierungen könnten dann also 2022 auf der COP27 in Ägypten vorgenommen werden. Aber ist das genug?

Wenn man einem weiteren Wirtschaftsnobelpreisträger, William Nordhaus, Glauben schenken mag, wird der globale Klimaschutz Klima-Allianzen benötigen. Innerhalb einer solcher Allianz könnten die Mitglieder einen gemeinsamen CO2-Preis oder einen gemeinsamen Zertifikatemarkt etablieren. Folglich sähen sich alle Allianzpartner denselben Klimaschutzvorraussetzungen ausgesetzt und könnten innerhalb der Partnerschaft, ohne Nachteile für die eigene Wirtschaft, Handel betreiben.  Importe aus Nationen, die nicht Teil der Allianz wären, würden mit einem CO2-Schutzzoll belegt. So würde die Industrie innerhalb der Allianz gegen Klima-belastende Konkurrenz aus dem Ausland abgeschirmt. Mit der Zeit stiege dabei für Externe die Attraktivität in die Allianz einzutreten, um sinnvollen Handel mit den involvierten Nationen treiben zu können. Folglich beugten sich im Laufe der Zeit immer mehr Länder dem CO2-Preis und immer mehr würden der Allianz beitreten. Langfristig könnte so ein weltweites Bündnis mit einer gemeinsamen Treibhausgasagenda entstehen.

Eine solche Chance wurde auf der Glasgow-Konferenz verpasst. Dennoch wurden in kleineren Kreisen Annäherungen sichtbar.  Nicht zuletzt auch die Ankündigung der USA und China beim Klimaschutz künftig enger miteinander zu arbeiten, mag Hoffnung erwecken. Auch die Konkretisierung der Ziele und die Nachschärfung beim Regelwerk sind Schritte in die richtige Richtung. Die Konferenz könnte also doch ein entscheidender Schritt zur nachhaltigen Gestaltung der globalen Klima-Allmende sein.