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Human Rights
Prisoner of Conscience: Vladimir Kara-Murza, Russland

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Ein versuchter Mord, Ermittlungen wegen Hochverrats und Einstufung als „ausländischer Agent”. Das mag vielleicht wie die Handlung eines Hollywood-Spionagefilms klingen, ist aber leider die wahre Geschichte des prominenten russischen Oppositionspolitikers, Historikers und Journalisten Wladimir Kara-Mursa.

Während zahlreiche Oppositionelle nach dem im Februar 2022 von Wladimir Putin angeordneten Angriff auf die Ukraine beschlossen, Russland zu verlassen, blieb er vor Ort. Tatsächlich wurde Kara-Mursa, ein lautstarker Kremlkritiker, im April verhaftet, und das nur wenige Stunden nachdem er dem US-Sender CNN ein Interview gab. Darin bezeichnete er Putins Herrschaft als ein “Regime von Mördern”.

“Wir alle kennen das Risiko oppositioneller Aktivitäten in Russland. Aber ich konnte angesichts der Geschehnisse nicht schweigen, denn Schweigen ist eine Form der Mittäterschaft”, schrieb er in einem Brief aus dem Gefängnis an einen BBC-Journalisten, der Abschnitte daraus in seinem im November 2022 veröffentlichten Artikel zitierte.

Kara-Mursa wurde beschuldigt, den Einmarsch der russischen Streitkräfte in der Ukraine verurteilt zu haben, was die russischen Behörden als Verbreitung von Falschmeldungen über den Konflikt ansahen. Nach einem neu verabschiedeten russischen Gesetz, das jegliche Anti-Kriegs-Rhetorik mundtot machen soll, drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Im Juli wurde gegen Kara-Mursa ein weiteres Strafverfahren eröffnet – wegen Aktivitäten einer „unerwünschten Organisation”. Und im Oktober wurde er von den russischen Behörden noch wegen Hochverrat angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 24 Jahre hinter Gitter.

 

 

 

“Wir alle kennen das Risiko oppositioneller Aktivitäten in Russland. Aber ich konnte angesichts der Geschehnisse nicht schweigen, denn Schweigen ist eine Form der Mittäterschaft”

Vladimir Kara-Murza

Kara-Mursa ist ein leichtes Ziel. Er ist Mitbegründer des Russischen Antikriegskomitees. Auch war er mit Boris Nemzow, den 2015 erschossenen Oppositionsführer, befreundet.

Mehrere internationale Menschenrechtsorganisationen kritisierten seine Verhaftung und bezeichneten ihn als politischen Gefangenen, da er wegen offensichtlich falschen Anschuldigungen festgehalten werde.

„Nach dem Einmarsch in die Ukraine haben die russischen Behörden eine Hexenjagd auf Politiker, Aktivisten und Journalisten veranstaltet, die es wagten, den Kreml und seinen Angriffskrieg zu verurteilen. Wladimir Kara-Mursa gehörte zu den ersten Regimekritikern, die im Rahmen dieser bösartigen Kampagne gezielt ins Visier genommen wurden”, sagte Marie Struthers, Direktorin von Amnesty International für Europa und Zentralasien. “Wladimir Kara-Mursa sollte sofort und bedingungslos freigelassen werden, ebenso wie alle anderen, die wegen friedlicher Kritik an den russischen Streitkräften verfolgt und verurteilt wurden”.

Dies wäre nicht der erste Versuch Kara-Mursa aus dem Weg zu räumen. 2015 und dann noch einmal zwei Jahre später brach er nach einem angeblichen Giftanschlag zusammen und fiel ins Koma. Obwohl die Ärzte seine Überlebenschancen als gering bezifferten, entging er beide Male knapp dem Tod. Die Ursachen für seine Vergiftungen wurden jedoch nie ermittelt. Trotz der Anschläge auf sein Leben ließ er sich nicht entmutigen und kritisierte Putin weiterhin offen.

Im Oktober 2022 wurde Kara-Mursa mit dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) für herausragende Leistungen im Bereich der Menschenrechte geehrt.

“Trotz der Gefahren hatte Wladimir Kara-Mursa den Mut, in sein Land zurückzukehren, um seinen Kampf fortzusetzen, obgleich er die Möglichkeit gehabt hätte, in Sicherheit zu bleiben”, sagte bei der Übergabe der Präsident der PACE, Tiny Kox, der den Vorsitz im Auswahlausschuss führte. „Im heutigen Russland erfordert es unglaublichen Mut, sich der herrschenden Macht entgegenzustellen. Heute zeigt Kara-Mursa von seiner Gefängniszelle aus diesen Mut."

Seine Frau Jewgenija nahm den Preis in seinem Namen an. „Die derzeitigen russischen Behörden haben - ohne es zu beabsichtigen - das Bild eines wahren Patrioten erschaffen”, sagte Jewgenija, als sie den Preis stellvertretend für ihren Mann entgegennahm.

 

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