Eine Podcast-Revolution in Myanmar

podcast in Myanmar

Das neue Audioformat kann neues Werkzeug sein, um gegen Fake News und Desinformation vorzugehen. Gemeinsam mit Medienorganisationen macht FNF Myanmar Podcasts populär.

Fake News und Hassspeache sind ein großes Problem in Myanmar. FNF arbeitet mit lokalen Medienhäusern zusammen, um das Problem mit Podcasts anzugehen. Das neue Audioformat kann Medienorganisationen auch helfen, ihre Abhängigkeit von Facebook zu verringern.

Podcasts sind in Myanmar noch ein Nischenprodukt. Vor allem internationale Sender bieten in dem südostasiatischen Land ein Podcast-Programm an - und die haben nur wenige Hörer. Mit dem Ziel, den lokalen Mediensektor zu stärken, engagiert sich die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit für die Etablierung einer Podcast-Kultur in Myanmar.

Im März lud die FNF Myanmar 17 lokale Journalisten und NGO-Mitarbeiter zu einem fünftägigen Intensivtraining ein - dem ersten dieser Art im Land. Das Training ist Teil des International Journalist and Media Dialogue Programme (IJMD) der Stiftung, das vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird.

Chhavi Sachdev, eine erfahrene Podcast-Trainerin aus Indien, die für BBC und DW arbeitet, deckte alle Aspekte der Podcast-Produktion ab: von der Themenfindung über das Storytelling bis hin zur Aufnahme und dem Schnitt von Soundbites. Sie gab auch Tipps zur Distribution und zum Marketing für Podcasts. Denn schließlich müssen Medienhäuser mit ihren Produkten Geld verdienen. Ein ähnliches Training führte sie für die FNF in Thailand durch.

Der Mediensektor in Myanmar befindet sich in einer Dauerkrise. Schon vor der Coronavirus-Pandemie hatten viele Nachrichtenorganisationen mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Jetzt, wo die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit voll durchschlagen, wissen viele nicht, wie sie überleben sollen. Dieser finanzielle Stress kommt zu dem Druck der Regierung hinzu, die oft Anklagen gegen kritische Reporter erhebt.

Darüber hinaus stehen Medienorganisationen aufgrund der weltweit einzigartigen Dominanz von Facebook im Land vor großen Schwierigkeiten. Für viele Menschen in Myanmar ist das soziale Netzwerk gleichbedeutend mit dem Internet. Einige Nachrichtenseiten erhalten 90 Prozent ihres Traffics über Facebook. Daher ist es für sie sehr wichtig, Einnahmekanäle zu schaffen, die unabhängig von der großen Plattform sind.

Podcasts könnten ein perfektes Format für diesen Zweck sein, da keine großen Investitionen erforderlich sind.  "Vor diesem Training wussten wir nicht genau, was Podcasts sind und wie man sie einsetzt. Nach dem eintägigen Training haben wir gemerkt, dass es für Journalisten gar nicht so schwierig ist. Wir können Podcasts mit einfacher Ausrüstung erstellen", sagt Teilnehmer Hein Min Oo.

Hein Min Oo arbeitet für die Myanmar ICT for Development Organization (MIDO), ein enger Partner der FNF. Das Hauptziel von MIDO ist es, die digitale und mediale Kompetenz in Myanmar zu stärken. Während des Workshops produzierte Hein Min Oo einen Testpiloten für eine Podcast-Serie über Desinformation und Hassreden - ein ernstes Problem in Myanmar. Radikale Mönche und die Armee nutzen Facebook, um Hass gegen Minderheiten zu schüren. Die Vereinten Nationen nennen Desinformation als einen der Katalysatoren für die Verbrechen gegen die Rohingya-Minderheit.

Podcasts könnten zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Qualität der öffentlichen Debatte zu verbessern und die Anfälligkeit für Falschnachrichten bei Medienkonsumenten zu senken. Insider glauben, dass das Audioformat in dem Land ein großes Potenzial hat. "Podcast wird ein neuer Trend sein, auf den alle Medienorganisationen aufspringen wollen", sagt ein erfahrener Journalist und freiberuflicher Podcaster, Mratt Kayw Thu.  FNF Myanmar steht bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Ayemyat Mon ist Media & Communications Officer und Programmassistentin von FNF in Myanmar.