Nachruf
Hans van Baalen – Berater und Brückenbauer

Wir trauern um Hans van Baalen. Mit ihm verliert der deutsche Liberalismus einen großen Freund.
Hans van Baalen auf einem Parteikongress der ALDE-Partei
Hans van Baalen auf einem Parteikongress der ALDE-Partei © ALDE-Partei

Es war eine erschütternde Nachricht, die uns in der vergangenen Woche erreichte: Hans van Baalen ist tot. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.

Hans van Baalen war einer jener holländischen Liberalen, die weltweit wirkten. Der Jurist mit Abschluss von der Universität Leiden ging nach Tätigkeiten im Journalismus und der Unternehmensberatung in die Politik, als Mitglied der Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD). Ab 1999 war er Abgeordneter in der zweiten Kammer der niederländischen Generalstaaten und von 2009 bis 2019 im Europäischen Parlament. Dort konzentrierte er sich – stets als führender Repräsentant seiner Delegation – auf Fragen der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Er war von 2009 bis 2014 Präsident von Liberal International (LI), der globalen Dachorganisation der liberalen Parteien der Welt – und zuletzt deren Ehrenpräsident. Seit 2015 war er Präsident der Alliance for Liberals and Democrats for Europe (ALDE). Erst jüngst im März 2021 erfolgte die ehrenvolle Berufung zum Mitglied des „Advisory Council on International Affairs“ der niederländischen Regierung.

Seit 2017 war Hans van Baalen Mitglied im Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF). Spätestens seit diesem Zeitpunkt wurde er zu einem der aktivsten Berater der Stiftung. Er verfolgte die Arbeit der FNF mit größtem Engagement und Interesse, vor allem natürlich die internationale Tätigkeit, die ihn über ALDE und LI in ständigen Kontakt zu unseren Auslandsbüros und deren weltweiten Aktivität brachte. In den Jahren seiner Kuratoriumstätigkeit hat er die Stiftung nicht nur freundlich begleitet, sondern auch geholfen, ihr wichtige Impulse für die Modernisierung der Arbeit zu geben. Er scheute dabei keine Mühe. Ihn beschäftigte insbesondere die strategische Grundfrage, wie politische Bildung in liberalem Geist in der neuen Welt der kurzweiligen Kommunikation funktionieren konnte.

Sein Interesse blieb dabei keineswegs auf die internationale Tätigkeit der Stiftung beschränkt. Dies lag auch an seinem enormen Interesse an Deutschland. Sein Deutsch war perfekt – mit jenem dezent-charmantem holländischen Akzent, der jede professionelle Anregung zu einer persönlichen Einladung werden lässt. Seine Kenntnis deutscher Geschichte war beeindruckend, genauso wie sein warmherziges Verständnis für so manchen Dogmatismus, den seine deutschen Gesprächspartner in weltanschaulichen Diskussionen an den Tag legten. Er war eben ein geborener Brückenbauer.

Auch innerhalb der globalen liberalen Familie kam dies zum Tragen. Niemand anderes war sich mehr bewusst, dass der Liberalismus ein großes Spektrum an Einzelmeinungen abdeckt, das nur mit geschicktestem Einsatz aller Kräfte unter einen Hut passt. Allein schon „sein“ Holland war dafür ein prägendes Beispiel – mit zwei liberalen Parteien, der VVD und D66, die sich in bester demokratischer Tradition nie davor scheuten, aufeinander loszugehen. Es war vor allem Hans van Baalen zu verdanken, dass die beiden Parteien in der ALDE erstaunlich harmonisch zusammenarbeiteten. Und so ging es weiter: In ALDE und LI war er es, der immer wieder die antagonistischsten Positionen zusammenführte – mit großem Verständnis für die Streithähne, mit unendlicher Geduld, geschickter Diplomatie, stoischer Verlässlichkeit, aber gelegentlich auch, wenn nötig, mit Härte und Konsequenz. Und dazu jene Prise Humor und Selbstironie, die auch in den verfahrensten Situationen der Suche nach Kompromissen allen hilft, das Gesicht zu wahren. 

Kurzum: eine politische Führungspersönlichkeit von internationalem Rang. Wir selbst haben von seiner warmherzigen „Leadership“ massiv profitiert. In unseren verschiedenen Gremien gab es kein heikles Thema, das wir nicht mit Hans van Baalen vertrauensvoll beraten konnten. Er wird uns unendlich fehlen.                  

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Jordi Razum, Kommunikationsreferent
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