IM GEDENKEN
Guido Westerwelle war einer der prägenden liberalen Politiker der letzten Jahrzehnte

Westerwelle

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Als Guido Westerwelle am 18.03.2016 an den Folgen einer Leukämieerkrankung starb, erinnerte man sich an einen der prägenden liberalen Politiker der letzten Jahrzehnte. Mit seiner Art, Politik zu betreiben, hatte er neue Marken gesetzt. Der politische Meinungskampf war für ihn nicht nur Pflicht, wenn er seine Ziele erreichen wollte, sondern es machte ihm auch Spaß. Seine Vorliebe für scharfkantige Argumentation und gekonnte, zielgenaue und pointierte Formulierungen war in seiner politischen Karriere schon früh sichtbar geworden. Das Durchsetzen hatte er im eigenen Haushalt mit alleinerziehendem Vater und drei Brüdern gelernt, den Kampf gegen Widerstände und Hindernisse in seiner Schulzeit. Schon früh, mit 19 Jahren, hatte er sich im politischen Raum bewegt, zunächst bei den frisch gegründeten Jungen Liberalen, später dann in der FDP. Wer sich in den achtziger und neunziger Jahren mit liberaler Politik beschäftigte, konnte schnell erkennen, dass es quasi „auf ihn zulief“, und das Interesse der Medien und anderer Beobachter der Politik an seiner Person war immens. Sein Aufstieg in der FDP, zunächst zum Generalsekretär, dann zum Bundesvorsitzenden, erfolgte in für die Liberalen durchaus schwierigen Zeiten, und er konnte seine Vorstellungen für liberale Politik in sich verändernden Zeiten nach und nach durchsetzen.

„Guido Westerwelle war immer im Wahlkampf. Vor der Wahl ist nach der Wahl“, schrieb ein langjähriger Vertrauter in einer Würdigung. „Sein perpetuiertes Motto vom Abendessen im kleinen Kreis bis hin zum großen Marktplatzauftritt lautete: setze stets deine Botschaft.“ Das Image, das Guido Westerwelle sich damit erwarb, nutzte ihm und seiner Partei in der medialen Aufmerksamkeit, brachte ihm aber auch negative Erfahrungen in der öffentlichen Wahrnehmung. Sein größter politischer Erfolg, das historisch beste Wahlergebnis der FDP 2009, wendete sich vier Jahre danach in das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag. Den Parteivorsitz hatte er nach einer Amtszeit von zehn Jahren 2011 abgegeben, die Funktion des Bundesaußenministers übte er bis 2013 erfolgreich und anerkannt mit vollem Einsatz aus. Nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung sollte mit Gründung der Westerwelle-Foundation ein neuer Abschnitt beginnen.

Die Erkrankung beendete diese Aktivitäten. Westerwelle wollte sein Leben ordnen, mit seinem Ehemann Michael Mronz neu beginnen. Vom „Spiegel“ gefragt, wie ihn die Krankheit verändert habe, sagte er: „Sie freuen sich an den kleinen Dingen des Lebens, wundern sich, worüber sie sich aufgeregt haben, möchten am liebsten jedem Gesunden sagen, nutze dein Leben. Carpe diem.“

Auch die „öffentliche Meinung“ und das Bild, das viele Menschen vom Politiker Westerwelle gehabt hatten, veränderten sich. Das scheinbar festgefügte Image des kalten Macht- und Karrierepolitikers, der keiner Konfrontation aus dem Weg ging, ja vielmehr die politische Auseinandersetzung auch mit schweren Waffen suchte, war nach und nach durch positive Attribute ersetzt worden, je mehr Westerwelle selbst den Blick auf die Person hinter dem Politiker zuließ.

Viele sahen erstaunt den neuen, veränderten Guido Westerwelle, der sehr tiefgründig über die allgemeinen Dinge des Lebens nachdachte, seine Prioritäten neu sortierte und sich neue Markierungen für seinen weiteren Weg gesetzt hatte. Er hatte sich nach seiner Erkrankung und der damit verbundenen Zeit im Krankenhaus „zwischen zwei Leben“ gesehen. Im gleichnamigen Buch, das im November 2015 erschienen war, hatte er seine Fixpunkte für das geplante, zweite Leben gesetzt, zu dem es dann aber nicht mehr kommen sollte.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit möchte die Erinnerung an Guido Westerwelle wachhalten und hat zwei ausführliche Publikationen zu Leben und politischer Arbeit dieses herausragenden Liberalen veröffentlicht: Die Public History-Broschüre „Der weltläufige Performer“ berichtet vom zeichnet den Lebensweg Westerwelles nach; eine Zusammenstellung ausgewählter Reden erinnert an den ehemaligen FDP-Generalsekretär, FDP-Bundes- und Fraktionsvorsitzenden und Bundesaußenminister und behandelt den politischen Weg Westerwelles, von seinen frühen Anfängen bei den Jungen Liberalen bis hin zum Ende seiner politischen Laufbahn und den persönlichen Neubeginn, kurz bevor ihn der viel zu frühe Tod ereilte.

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