Walther Rathenau
Gefahren für die Demokratie - Rathenau und die Moderne

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© ADL, Audiovisuelles Sammlungsgut, F1-403

Der Industrielle, Publizist und Politiker Walther Rathenau (1867-1922) gehört zu den bedeutendsten deutsch-jüdischen Persönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Als Außenminister wurde er zum Wegbereiter einer Entspannungspolitik und prägte Anfang der 1920er-Jahre die Rückkehr Deutschlands auf die internationale Bühne. Seine Ermordung durch rechtsextremistische Verschwörer 1922 erschütterte die Republik. In wenigen Tagen jährt sich Walther Rathenaus Ermordung zum hundertsten Mal.

Die Maximen der Außenpolitik Rathenaus waren Gewaltverzicht, internationale Kooperation und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Letzteres hob er am 19. Mai 1922 – wenige Wochen vor seiner Ermordung durch antisemitische rechtsradikale Verschwörer – in seiner großen Abschlussrede auf der Konferenz hervor: „Dieses Vertrauen kann aber nur wiederkehren, wenn die Welt im wahren Frieden lebt. Wie sollte auch nach einem Zerstörungswerk sondergleichen die Welt geheilt werden, wenn nicht sämtliche Länder der Erde sich dazu entschließen, gemeinschaftlich Abhilfe zu bringen.“

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit nimmt den Jahrestag der Ermordung Rathenaus zum Anlass, das politische Erbe des liberalen Außenpolitikers zu würdigen. Auch noch heute wird unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung - sowohl vom rechten als auch vom linken Rand des politischen Spektrums – bedroht.

„Die Weimarer Republik hatte das Problem der Freund-Feind-Frage. Wer ist Systemfeind und wer ist Systemfreund?“, analysierte Linda Teuteberg MdB, stellvertretende Vorsitzende der Deutsche Gesellschaft e.V., zu Beginn der Podiumsdiskussion. Das Attentat habe die Weimarer Republik ins Mark getroffen. „Die Ermordung Rathenaus hat die Weimarer Republik mental gelähmt. Der gesellschaftliche Aufschrei spielte den Attentätern in die Hände, denn diese erhofften sich einen Bürgerkrieg“, erinnerte Martin Sabrow, Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Die Verfassung der Demokratie und das demokratische Verständnis habe sich seit der Weimarer Republik in Deutschland stark gewandelt. Unser freiheitlich-demokratisches System werde von den politischen Rändern bedroht, weshalb es wichtig sei, die Demokratie mit allen Mitteln des Rechtsstaates gegen ihre Feinde zu verteidigen, betonte Linda Teuteberg. Prof. Dr. Martin Sabrow sieht in dem Wandel allerdings nicht nur Vorteile: „Ein Nachteil des postideologischen Zeitalters ist die Verwandlung von Politik in einen beanspruchten Lieferbetrieb.“ Politikerinnen und Politiker seien heute einem großen Output Druck ausgesetzt, denn die Bürgerinnen und Bürgern haben explizite Erwartungen an politische Lösungen. „Der Unterschied zur Weimarer Republik und der Gegenwart ist, dass der Terror von rechts heute im Nachhinein medial aufgearbeitet wird. Außerdem haben wir heute den berechtigten Anspruch an die lückenlose Aufklärung solcher Taten“, so Ursula Münch von der Akademie für Politische Bildung in Tutzing über den gesellschaftlichen Wandel.

Mit seinem Tod wurde Rathenau zu einem Symbol für die Republik und den demokratischen Staat. Der gestrige Abend verdeutlichte einmal mehr die Wichtigkeit der Bündelung aller demokratischen Kräfte. Die Krisen des 21. Jahrhunderts nehmen in einer Häufigkeit zu, sodass alle Demokratinnen und Demokraten gemeinsam die liberalen Werte schützen müssen.