Wolf-Erich-Kellner-Preis
Dissertation aus Cambridge erhält den Wolf-Erich-Kellner-Preis 2021

Preisträgerin Dr. Margarete Tiessen mit dem Laudator und stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Eckart Conze (Marburg).

Preisträgerin Dr. Margarete Tiessen mit dem Laudator und stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Eckart Conze (Marburg).

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Auf dem Liberalismus-Kolloquium in Jena am 4. November 2021 gab es eine Premiere. Denn es wurde nicht nur der diesjährige Wolf-Erich-Kellner-Preis, sondern – pandemiebedingt – auch der Preis des Jahres 2020 (Tobias Müller) übergeben.

Der Preis 2021 ging an Margarete Tiessen, die ihre Doktorarbeit an der University of Cambridge eingereicht hat. Unter dem Titel „Creating Liberal Germany from Empire to Exile: The Fischer Circle, 1908-1950“ behandelt sie den liberalen Ideenraum des renommierten S. Fischer Verlag, in dem nicht nur die Werke der damals großen Schriftsteller (Gerhart Hauptmann, Hermann Hesse, Thomas Mann, Arthur Schnitzler u.a.) veröffentlicht wurden, sondern der Verleger selbst auch einen liberaldemokratischen Kurs verfolgte. Im Zentrum dieses liberalen Kreises stand die renommierte Zeitschrift Neue Rundschau, die das Forum für politische, philosophische und soziologische Zeitdiagnostik bot. Hier versammelten sich, neben den Exponenten der Literatur, einige der wichtigsten Intellektuellen der Epoche von Walther Rathenau über Ernst Troeltsch und Hermann Heller bis zu Friedrich Naumann. Die Verfasserin führt in ihrer Arbeit diesen weltanschaulichen Zusammenhang vor Augen, indem sie politische Ideengeschichte und Verlagsgeschichte miteinander verbindet. In der bei britischen Promotionsschriften nicht selten anzutreffenden Kürze von gerade einmal 175 Seiten bietet die Verfasserin einen fundierten und für die Liberalismus-Forschung neue Perspektiven öffnenden Beitrag, der deshalb verdientermaßen ausgezeichnet wurde.