Hiroshima
77 Jahre Hiroshima und Nagasaki

77 Jahre nach den Atombombenangriffen auf Hiroshima und Nagasaki 1945 werden Zeitzeugen eine Rarität. Damit geht ein Stück Erinnerungskultur verloren. Gerade beim Thema nukleare Abrüstung müssen wir uns bewusst werden, warum wir erinnern.
Hiroshima
Luftbild der zerstörten japanischen Industriestadt Hiroshima nach dem Abwurf der Atombombe. © picture-alliance / dpa | AFP

Im Abstand von drei Tagen wurden im August 1945 die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki dem Erdboden gleichgemacht. Die Atombomben „Little Boy“ und „Fat Man“ verletzten und töteten hunderttausende Zivilisten, zerstörten Städte und ihre Umgebung durch Explosion und Druckwelle, Feuer, Strahlung und tödlichen radioaktiven Niederschlag. Langzeitfolgen belasten Bevölkerung und Natur heute noch. Drei Generationen später ist die Sorge vor dem Vergessen in Anbetracht sicherheitspolitischer Entwicklungen auf der ganzen Welt alles andere als unbegründet. Warum erinnern wir?

Nukleare Abrüstung voranbringen

Angesichts ihrer verheerenden Auswirkungen wurden Atomwaffen nie wieder als Kriegsmittel eingesetzt. Doch sie sind immer noch eng mit Hegemonialansprüchen verbunden und nukleare Abschreckung ist nach wie vor fester Bestandteil der Sicherheitsstrategien der USA, der NATO (entsprechend auch der EU und Deutschland), Russlands und Chinas. Ebenso bauen Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea auf das Abschreckungspotential von Nuklearwaffen. Das hat viele Gründe, allen voran klassische Machtsicherung. Und solange dem so ist, tun Deutschland und die NATO gut daran, ihren Teil zur nuklearen Abschreckung glaubhaft beizutragen.

Nichtsdestotrotz sollte Abschreckung immer auch mit einvernehmlicher nuklearer Abrüstung einhergehen. Zu groß ist die Gefahr von Unfällen (beispielsweise im Prozess der Modernisierung von Waffensystemen) und das Potential eines versehentlichen, irrtümlichen, oder nicht genehmigten Abschusses. Trotz einer Reihe bi- und multilateraler Abkommen gibt es große Lücken in der Umsetzung, nicht zuletzt in Bezug auf die gegenseitige Überprüfung der Einhaltung von Abrüstungsvereinbarungen, aber auch hinsichtlich technologischer Modernisierungen.

Klarheit schaffen, Erinnerung aufrechterhalten

Anfang des Jahres konnten die USA und Russland ihren bilateralen Vertrag zur nuklearen Abrüstung NEW START kurz vor dessen Auslaufen um weitere fünf Jahre verlängern. Nun gilt es, einen neuen Vertrag auszuhandeln. Ein Schritt, der absolut notwendig ist, allerdings nur russische und US-amerikanische Nuklearwaffen betrifft. Deswegen müssen internationale Abkommen wie der Atomwaffensperrvertrag (oder Nuklearer Nichtverbreitungsvertrag, NVV), der alle Atommächte mit einbezieht, weiterentwickelt werden. Insbesondere angesichts der großen Interessensgegensätze innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft müssen gleichgesinnte Staaten eng zusammenarbeiten. Initiativen innerhalb des NVV wie die Stockholm Initiative oder die Internationale Partnerschaft für Verifikation Nuklearer Abrüstung müssen weitergeführt und verstärkt in NVV Überprüfungskonferenzen einbezogen werden. 

Als aufstrebender Sicherheitsakteur muss die EU eine klare Strategie festlegen und sich deutlich positionieren. Atomwaffen und ihre Handhabung (Einsatz, Entwicklung, Vernichtung) sind ein komplexes Thema: Diskussionen über Abschreckung und Abrüstung, die Vielzahl von Abkommen (bilaterale und multilaterale, einschließlich und außerhalb von Bündnissen wie der NATO), neue Waffentechnologien, Ungewissheit über die Bestrebungen anderer Staaten in Richtung Atomwaffen (z. B. Iran) - die Liste der Themen, die Politiker und Zivilgesellschaft gleichermaßen verwirren, ist lang.

Das Thema Kernwaffen ist komplex. Nukleare Abschreckung ist keine einfach nachvollziehbare Strategie, nukleare Abrüstungsabkommen vielschichtig, Verifikationsmaßnahmen über Bestand und Abbau teilweise undurchsichtig, staatliche Einzelinteressen divergierend. 

Und manchmal wird das Wesentliche vergessen: Die katastrophalen Schäden eines tatsächlichen Einsatzes einer solchen Waffe. Die übersteigen die menschliche Vorstellungskraft. Deswegen erinnern wir.                                   

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