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Leipziger Buchmesse 2026
Leipziger Buchmesse 2026: FNF bringt liberale Stimmen in die Debatte

Ministerin Lydia Hüskens und Benno Lehmann im Gespräch

Gespräch am FNF-Stand "Wem gehört die Kunst?" mit Lydia Hüskens (Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt) und Benno Lehmann (Schauspieler, Synchronsprecher und Kreativtechnologe)

© 2026 FNF / Foto: Julius Steuck

Die Leipziger Buchmesse zählt zu den größten Publikumsmessen der Buch- und Medienwelt im deutschsprachigen Raum. Sie bringt jedes Frühjahr Literatur, Medien, Politik und Lesebegeisterte zusammen – und macht die Stadt zu einem zentralen Ort für Debatten über Gegenwart und Zukunft. In diesem Jahr verzeichnete die Messe 315.000 Besucherinnen und Besucher.

Für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) ist die Leipziger Buchmesse eine wichtige Bühne für politische Bildung und Streitkultur: Hier lassen sich liberale Ideen in die Öffentlichkeit tragen, Zukunftsfragen diskutieren und neue Gesprächspartner gewinnen.

In insgesamt 14 Veranstaltungen auf der Messe und in der Leipziger Stadt griffen wir auch in diesem Jahr zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen auf:

Wie sicher ist jüdisches Leben in Deutschland – und was muss sich ändern?

Antisemitische Angriffe nehmen zu, und zugleich können Jüdinnen und Juden nicht selbstverständlich auf Beistand zählen – weil Anfeindungen längst wieder aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Karoline Preisler erinnert bei anti-israelischen Aufzügen an die Verbrechen des 7. Oktober 2023 und tritt antisemitischer Hetze dort oft allein entgegen. Andreas Silbersack, FDP-Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt, brachte als Politiker aus Halle die Perspektive einer Stadt ein, die seit dem Anschlag 2019 besonders sensibilisiert ist. Deutlich wurde: Deutschland muss sich unbequemen Fragen stellen – etwa zur Erinnerungskultur nach 1945 und zum Umgang mit Vorfällen der jüngsten Vergangenheit. Wer Demokratie und Freiheit ernst meint, darf das nicht als Problem anderer betrachten: Politik und Gesellschaft stehen gleichermaßen in der Verantwortung, konsequenter gegen Antisemitismus vorzugehen und Räume zu schaffen, in denen jüdisches Leben sichtbar und sicher ist.
 

Standgespräch mit Karoline Preisler, Myriam Halberstam und Ilse Nagelschmidt

Gespräch am FNF-Stand zu "Streit und Straßenkampf" mit (v.l.n.r.) Autorin Karoline Preisler, Verlegerin Myriam Halberstam und Ilse Nagelschmidt (Moderation)

© 2026 FNF / Foto: Julius Steuck

Dass schon die Ankündigung einer Veranstaltung zum Thema Israel und Gaza reicht, um politisch Andersdenkende zu mobilisieren, zeigte unsere Veranstaltung mit dem digital zugeschalteten Ayre Sharuz Shalicar, Ahmad Mansour und Linda Teuteberg im Felsenkeller, der am Vorabend Opfer eines Farbanschlags wurde und am Veranstaltungsabend Ziel zweier Gegendemonstrationen war.

Wie kann Marktwirtschaft und Unternehmertum an Schulen besser vermittelt werden?

Diese Frage stellte sich vor dem Hintergrund einer FNF-Studie, die zeigte, dass Marktwirtschaft und Unternehmertun in Schulbüchern nur eine Nebenrolle spielen. Ein zentraler Punkt der Diskussion war der Mangel an Vorbildern und Praxisbezug. Annika Koslosky, Landesvorsitzende des Verbands deutscher Unternehmerinnen in Sachsen und Sachsen-Anhalt, betonte, dass insbesondere weibliche Vorbilder im Unterricht fehlten und dadurch Potenziale ungenutzt blieben. Jörg Bernstein, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion in Sachsen-Anhalt und selbst Berufsschullehrer, hob hervor, dass mehr Praxisbezug notwendig sei – etwa durch eine stärkere Einbindung von Unternehmen.

Jörg Bernstein, Annika Koslosky

Podium und Standgespräch zu „Marktwirtschaft und Unternehmertum in Schulbüchern“ (v. l. n. r.): Jörg Bernstein (bildungspolitischer Sprecher, FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt), Annika Koslosky (Landesvorsitzende Sachsen-Anhalt, Verband der Unternehmerinnen) und Dirk Assmann (Moderation)

© 2026 FNF / Foto: Julius Steuck

Wie verändert generative KI unser Verständnis von Kunst und Kreativität – und welche Regeln braucht es?

KI wird die Kultur- und Kreativwirtschaft grundlegend verändern. Synchronsprecher und Kreativtechnologe Benno Lehmann schilderte den enormen Druck auf Kreativschaffende, wenn KI-Angebote kurzfristig Chancen eröffnen, langfristig aber existenziell gefährden. Ministerin Lydia Hüskens betonte, dass Fragen des Urheberrechts, der fairen Vergütung und der Verantwortung von Plattformen politisch geklärt werden müssen, um der Kreativschaffenden und der Innovation willen. Für beide lag darin die Chance, dass KI Kreativität erweitert, so dass Innovation und Kreativität einander befeuern, statt sich zu ersticken.

Benno Lehmann und Lydia Hüskens

Podium „Wem gehört die Kunst?“ mit (v. l. n. r.) Benno Lehmann (Schauspieler, Synchronsprecher und Kreativtechnologe) und Lydia Hüskens (Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen‑Anhalt)

© 2026 FNF / Foto: Julius Steuck

Was bringt Menschen dazu, sich von ideologischen Weltbildern zu lösen – und was tritt an ihre Stelle?

Debatten, Standgespräche und Lesungen mit Reinhard Mohr, Harald Martenstein, Henryk M. Broder und Linda Teuteberg haben gezeigt: Der Bruch mit ideologischen Überzeugungen erfolgt meist nicht plötzlich, sondern aus einer wachsenden Unzufriedenheit mit Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit entsteht. Oft sind es konkrete Erfahrungen – im Alltag, im beruflichen Umfeld oder im eigenen politischen Milieu –, die Zweifel auslösen und eingefahrene Denkmuster infrage stellen. An die Stelle fester Weltbilder tritt dabei selten eine neue Ideologie. Vielmehr entwickelt sich häufig ein offeneres, auch selbstkritisches Denken, das ohne einfache Antworten auskommt und Freiheit, Pluralismus sowie individuelle Urteilsfähigkeit stärker in den Mittelpunkt stellt.

Podium mit Reinhard Mohr, Linda Teuteberg, Henryk M. Broder, Harald Martenstein

Buchbesprechung und Diskussion „Wenn das Denken die Richtung ändert: Warum wir nicht mehr links sind “ mit (v. l. n. r.) Reinhard Mohr (Moderation), Linda Teuteberg, Henryk M. Broder und Harald Martenstein.

© 2026 FNF / Foto: Karsten Prausse

Fazit

Die Diskussionen auf der Leipziger Buchmesse haben gezeigt: Die großen Fragen unserer Zeit lassen sich nicht mit einfachen Antworten lösen. Umso wichtiger ist es, Freiheit als Leitprinzip ernst zu nehmen – in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und im Umgang mit neuen Technologien.

Politische Bildung bedeutet dabei mehr als Wissensvermittlung. Sie schafft Räume für Widerspruch, für neue Perspektiven und für eigenständiges Denken. Genau darin liegt der Anspruch der Friedrich-Naumann-Stiftung – auf der Leipziger Buchmesse und darüber hinaus.