EU-Integration
Mostograditelji - Brückenbauer
„Mostograditelji – Brückenbauer“ ist eine Human Interest-Serie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit über prominente Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum mit Wurzeln auf dem Westbalkan. In den Episoden teilen die Protagonist/innen ihre Erfahrungen über das Leben in offenen, vielfältigen Gesellschaften und erklären, wie sich dies positiv auf ihre eigene Persönlichkeit ausgewirkt hat. In einer immer stärker post-migrantisch geprägten Gesellschaft plädiert die Serie für eine Integration auf Grundlage einer von gemeinsamen Werten getragenen europäischen Identität.
3. Staffel (2026)
Für die 3. Staffel konnten wir die serbisch-österreichische Kabarettistin Marina "Malarina" Lacković und der kosovo-schwäbische Comedian Luan Comedy porträtieren.
Marina „Malarina“ Lacković ist eine serbisch-österreichische Kabarettistin, die in Serbien geboren wurde und im Alter von fünf Jahren nach Österreich übersiedelte. Sie steht seit 2019 auf der Bühne und erhielt seitdem u.a. den Österreichischen Kabarettpreis, den Salzburger Stier sowie im Jahr 2024 den Deutschen Kleinkunstpreis. In ihrem Programm spielt sie mit Klischees und der gegenseitigen Ahnungslosigkeit von Serben und „Schwabos“.
In der Episode spricht Marina „Malarina“ Lacković über die Zerrissenheit von Kindern, die sich weder in dem einen noch in dem anderen Land wirklich zu Hause fühlen. Erst mit der Zeit lernte sie, die Vorteile des Lebens als Österreicherin wertzuschätzen. Sie plädiert dafür, dass die Staaten des Westbalkans die Mitgliedschaft in der EU nicht nur als ökonomisches Projekt anstreben, sondern sich vielmehr mit der Mentalität eines gemeinsamen Europas anfreunden, in dem historische Altlasten überwunden werden.
Luan Comedy ist ein kosovo-schwäbischer Comedian, der von Beruf Polizist ist. Er kam 1988 in Mitrovicë zur Welt und lebte die ersten vier Jahre seines Lebens in Vushtrri. Anschließend zog er mit seiner Familie nach Stuttgart. In seinem Programm spielt er sowohl mit deutschen als auch mit Balkan-Stereotypen.
In der Episode spricht Luan Comedy über das Aufwachsen in Armut, das leider nach wie vor das Schicksal zu vieler migrantischer Kinder ist. Letztlich kämpfte er hart für seinen Erfolg, nicht zuletzt aus Pflichtgefühl gegenüber seinen Eltern, die in der Diaspora viele Entbehrungen erdulden mussten.
2. Staffel (2025)
Für die 2. Staffel standen "der Balkanizer" Danko Rabrenović, die Regisseurin Tamara Denić sowie mit Krsto Lazarević & Danijel Majić die Podcaster von "Neues vom Ballaballa-Balkan" vor der Kamera.
Danko Rabrenović ist Musiker, Buchautor, Comedian und Radiomoderator – „Geschichtenerzähler“, wie er selbst sagt. Er verließ seine Heimat Belgrad 1991, um nicht am Krieg in Jugoslawien teilnehmen zu müssen. Mit seiner Band Trovači veröffentlichte er vier Alben, zudem schrieb er zwei Bücher und moderierte elf Jahre lang die Kult-Radiosendung „Balkanizer“ auf WDR Cosmo.
In der Episode spricht Danko Rabrenović über das Auswandern, um nicht in den Krieg gegen Landsleute ziehen zu müssen, und über die Schwierigkeit, sich in einem anderen Kulturkreis etwas aufzubauen. Letztlich bietet die Europäische Union aber mehr Chancen, sein Leben so zu leben, wie man es sich vorstellt. Um dorthin zu kommen, müssen die Menschen auf dem Balkan erst lernen, einander zu vergeben.
Tamara Denić ist eine 1992 in Banja Luka geborene, aufstrebende Regisseurin aus Berlin, die für ihren Kurzfilm „Istina“ mit einem Studenten-Oscar ausgezeichnet wurde. Der Film, der zum Teil in Belgrad gedreht wurde, erzählt die bewegende Geschichte einer Fotojournalistin, die vor nationalistischer Gewalt fliehen muss.
Tamara Denić spricht über ihr Aufwachsen in zwei Kulturkreisen und die Herausbildung einer neuen, gemischten Identität, einer „Diaspora-Kultur“. Es sei bemerkenswert, wie sehr die Traumata der vorherigen Generation das Leben der Jüngeren präge. Dabei sei die Mentalität der Menschen auf dem Balkan so offenherzig, und in ihrer Art genauso „multikulturell“ wie die europäische Identität.
Danijel Majić & Krsto Lazarević sind die Gründer des erfolgreichen Podcasts „Neues vom Ballaballa-Balkan“, dem Format „für Polemik und Palaver“ aus der Region. Bei beiden stammen die Familien aus Bosnien und Herzegowina, im Falle Danijels aus dem kroatischen Teil, während Krstos Familie serbisch ist. Beide sprachen sich in der Vergangenheit wiederholt gegen Nationalismus und Chauvinismus aus und werden dafür regelmäßig als Vaterlandsverräter beschimpft.
In der Episode thematisieren die beiden Podcaster die vielen falschen Annahmen, die sowohl außerhalb als auch innerhalb der Region selbst über den Westbalkan bestehen. Ihrer Meinung nach prägen viel konkretere Einflüsse als die Nationalität den Charakter sowohl von Menschen als auch von Gesellschaften. Die Europäische Union bietet jeder Bürgerin und jedem Bürger die Möglichkeit, sich frei von Konventionen und gesellschaftlichen Zwängen zu entfalten.
1. Staffel (2024)
In der 1. Staffel standen uns die Schauspielerin Edita Malovčić, der ehemalige Basketball-Bundestrainer Emir "Muki" Mutapčić sowie der LGBTIQ-Künstler Gianni Jovanović Rede und Antwort.
Edita Malovčić ist eine österreichische Schauspielerin (u.a. „Tatort“) und Singer-Songwriterin. Sie wurde in Wien als Tochter einer serbischen Mutter und eines bosniakischen Vaters geboren. Sie führt an, dass sie die Reduktion auf ihre „jugoslawische Identität“ nerve: „Es war für mich sehr befreiend, die Gelegenheit zu bekommen und zu sagen: ‚Nein, ich bin Europäerin‘.“
Edita Malovčić ist überzeugt, dass Unterschiede alles andere als unüberwindbar sind. Wenn es um die Weltpolitik geht, säßen alle europäischen Staaten im selben Boot. Sie glaubt, dass die perzipierten Unterschiede zwischen Nationalitäten in Wahrheit unbedeutend sind. Es sei wichtig, ein guter Mensch zu sein, dann spielten Identität, Religion oder Glaube keine Rolle.
Emir „Muki“ Mutapčić ist ein bosnischer Basketballcoach und ehemaliger Spieler und Bundestrainer. 1984 nahm er für Jugoslawien an den Olympischen Sommerspielen teil und arbeitete als Trainer in vielen europäischen Ländern. Seine Lebensmittelpunkte liegen seit mehreren Jahren in Berlin und München.
In seiner Folge spricht Emir Mutapčić über sein Leben als jugoslawischer Basketballspieler und wie er den Zerfall seiner Heimat erlebte. Sein Leben als Profisportler und Trainer ist geprägt vom Austausch mit unzähligen Nationalitäten, der wiederum seine kosmopolitische Identität prägten. Er blickt traurig auf die Engstirnigkeit, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens etabliert hat, und hofft, dass die Menschen ihre Differenzen überwinden und sich für eine gemeinsame Zukunft in der Europäischen Union entscheiden.
Gianni Jovanović ist Unternehmer, Aktivist und Performer. Er gilt als eine der lautesten Stimmen der Roma- und Sinti-Gemeinschaft in Deutschland. Er kämpft zudem für die Rechte von Minderheiten innerhalb der LGBTIQ+-Community. Jovanović, 1978 als Sohn einer Roma-Familie aus Serbien geboren, trat 2023 als Co-Moderator von RuPaul’s „The Drag Race: Germany“ in Erscheinung.
In seiner Folge spricht Gianni Jovanović über seine Rassismuserfahrungen in Deutschland und berichtet über die Schwierigkeiten der Roma-Gemeinschaft, als wesentlicher Teil Europas anerkannt zu werden. Als in Deutschland aufgewachsener Roma mit serbischer Familiengeschichte beschreibt er seine vielschichtige Identität, die sich nicht auf eine Nationalität beschränken lässt. Der europäische Gedanke gehört ebenso dazu wie serbische Volksmusik.