Umfrage
Zwei Drittel zeigen sich in Umfrage trotz Corona-Krise optimistisch

Optimismus Ladengeschäft Corona
Auf der Eingangstür eines Geschäfts steht "Mut+Optimismus Jetzt. Wir kommen da zusammen durch". © picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Die Menschen im Land sind bereit dafür, mit Mut und Optimismus, Selbstvertrauen und Schaffenskraft die Normalisierung der Lebensverhältnisse zum Ende und nach der Corona-Krise anzugehen. Das ist das klare Ergebnis einer aktuellen und repräsentativen Online-Befragung mit 2.035 Befragten, die YouGov für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit vom 21. bis 23.12.2020 durchgeführt hat. Man will die aktuellen Probleme gelöst sehen, möchte am liebsten wieder wie „vor Corona“ leben, ist aber auch bereit für neues Denken und neue Lebensweisen - ein positiver Effekt der Krise. Wir haben die Menschen ihre Einschätzungen auf einer Skala von 1 (stimme überhaupt nicht zu) bis 10 (stimme vollkommen zu) abgeben lassen. Die folgenden Darstellungen betreffen die Summe der prozentualen Bewertungen 6 – 10.

Die Zulassung des Impfserums und der Start der deutschland-, wie weltweiten Impfungen geben Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit die größten Herausforderungen der Corona-Krise bewältigt haben könnten. Auch wenn es keine sofortige Rückkehr zur Normalität „vor Corona“ sein wird: Es ist angezeigt, für die Zeit zu planen, in der das Coronavirus nicht mehr, wie in den vergangenen Monaten, unser Leben, unsere Stimmung und unser Kommunikationsverhalten dominieren wird.

Fragt man die Menschen nach ihrem Gemütszustand und nach einer emotionalen Bilanz der Corona-Krise, so findet man eher optimistische Ansätze, statt großer Depression: Eine deutliche Mehrheit (65 Prozent) hat sich ihren Optimismus bewahrt, dass wir die Probleme lösen und positiv aus der Krise herauskommen. 56 Prozent sagen, sie hätten sich „gut darauf vorbereitet, dass es ja irgendwann auch mal wieder losgeht“. Völlig verunsichert und aus dem Lot geraten zeigt sich dagegen nur ein Viertel der Befragten. Dass sie durch die Corona-bedingten Einschränkungen an Lebensqualität verloren hätten, sagen 38 Prozent der Befragten. Eine knappe Mehrheit (52 Prozent) sagt, man habe sich aus Rücksicht auf die anderen fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Aber offensichtlich war das sogar zu etwas nütze: 45 Prozent sagen, sie hätten die Zeit gut genutzt, um ein paar Dinge im eigenen Leben zu überdenken oder zu ordnen. Zwar ärgern sich viele der Befragten (53 Prozent) über die Politik, weil sie widersprüchlich ist – aber an Anti-Corona-Protesten nehmen dann doch nur ganz wenige der Befragten teil.

Eine sehr große Mehrheit der Befragten (71 Prozent) legt Wert darauf, dass wir unseren Mut und Optimismus nicht verlieren und betont, man „sehe das Licht am Ende des Tunnels“. Die Zahl derer, die sagen, sie sähen viele Menschen verzweifelt und mutlos und das mache ihnen große Sorgen für die Zukunft, ist dagegen mit 46 Prozent deutlich geringer. Auch wenn relativ viele Menschen (58 Prozent) sagen, sie fürchteten, dass „die Corona Krise dauerhafte Schäden in der Gesellschaft angerichtet hat, die man nicht wiedergutmachen könne“, zeigt doch eine andere Antwort eine Grundstimmung: Dass sie genug davon hätten, dass Angst die aktuelle Debatte bestimme, sagt mit 63 Prozent eine hohe Zahl der Befragten.

Die meisten der Befragten haben auch schon eine Vorstellung davon, wie es mit Wirtschaft und Gesellschaft weitergehen soll. Eigentlich, so sagt eine hohe Zahl der Befragten (77 Prozent), wolle man möglichst schnell wieder wie „vor Corona“ leben. Vorrangige Aufgabe der Politik ist es für viele der Befragten, „die Versäumnisse des Jahres 2020 bei der Pandemiebekämpfung aufzuholen“. Eine sehr hohe Zahl (69 Prozent) befürchtet eine „tiefergehende Trennung in der Gesellschaft zwischen Armen und Reichen“. 59 Prozent bemängeln, dass die Kultur in der Krise viel zu wenig beachtet und unterstützt wird. Aber auch hier gibt es eine große Zahl an Befragten, die die Chancen in der Krise sehen: Insgesamt 62 Prozent sind dafür, dass die Gesellschaft veraltete Denkmuster hinter sich lässt und neue Lebensweisen verfolgt – wenn es die gesundheitliche Lage erlaubt.

Wie hat sich unser Wirtschaftssystem in der Krise bewährt? Eine hohe Zahl an Befragten (60 Prozent) urteilt, dass die Soziale Marktwirtschaft gut funktioniert hat und den Wohlstand, die soziale Sicherheit und unser gutes Leben sichert – die Forderung, dass der Staat sich wesentlich stärker selbst wieder wirtschaftlich betätigen müsse, findet allerdings auch mehrheitliche Unterstützung (56 Prozent). Auch die Forderung nach mehr Dynamik und danach, in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft mehr Neues auszuprobieren, wird von einer großen Mehrheit (64 Prozent) geteilt. Dass der Staat nicht der bessere Unternehmer ist, sondern stattdessen nach der Krise die vielen Staatsbeteiligungen und Sonderhilfen zurückgefahren werden müssen, sagen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten. Unstreitig ist, dass die Unterstützung der Arbeitnehmer mit Kurzarbeitergeld notwendig ist (83 Prozent).

Welche politischen Probleme müssen nach dem Ende der Krise zuvorderst gelöst werden? Am häufigsten unterstützt werden Forderungen nach einer zügigen Verbesserung der digitalen Infrastruktur in Deutschland (84 Prozent), nach höheren Ausgaben für Bildung und der Sorge dafür, dass dies Geld auch in den Schulen ankommt (83 Prozent), nach einer Ermöglichung des Erwerbs von Wohneigentum für Normalverdiener (84 Prozent) und nach einer umfassenden Digitalisierung der Verwaltung (77 Prozent). Aber auch Forderungen nach einer weiterhin internationalen Aufstellung der deutschen Wirtschaft zur weltweiten Vermarktung von deren Produkten (84 Prozent), nach mehr Investitionen in Forschung und Wissenschaft (79 Prozent), nach Einführung flexibler Tagesarbeitszeiten statt starrer Arbeitszeitregelungen (79 Prozent) oder nach einem schnelleren Ausbau von Verkehrswegen wie Straßen, Schienen und Brücken (76 Prozent) finden breite Unterstützung.

Über die Umfrage berichtete erstmals die Nachrichtenagentur AFP am 24.12.2020. Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.

Umfrageergebnisse