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Regional Crisis Simulation
Taiwan-Blockade: Die Lehren aus einer Krisensimulation

Das European Values Center for Security Policy simulierte in Seoul eine Krise um eine mögliche chinesische Seeblockade. Die Übung zeigte, dass eine solche Maßnahme Demokratien vor erhebliche Dilemmata und Abstimmungsschwierigkeiten stellen würde.
Several naval warships at sea against a sunset backdrop.
© Photo: Olivia Malaerus / Canva

Das European Values Center for Security Policy simulierte in Seoul eine Krise um eine mögliche chinesische Seeblockade. Die Übung zeigte, dass eine solche Maßnahme Demokratien vor erhebliche Dilemmata und Abstimmungsschwierigkeiten stellen würde – auch Südkorea.

Seit Jahren erhöht China den Druck auf Taiwan; die Spannungen nehmen kontinuierlich zu. Vor diesem Hintergrund simulierte das European Values Center for Security Policy (EVC) eine sich zuspitzende Krise in Ostasien. Ziel der Simulation war es zu analysieren, wie Staaten reagieren würden, wenn die Volksrepublik alle Seewege blockieren würde, und welchen Herausforderungen sie dabei gegenüberstehen könnten. Die Naumann-Stiftung und das EVC fassen in einem Bericht die wichtigsten Erkenntnisse aus der Simulation zusammen.

Für China wäre eine Blockade Taiwans wohl ein hochwirksames Mittel, um Taiwan und seine Verbündeten erheblich unter Druck zu setzen. Eine solche Blockade würde als Instrument unterhalb der klassischen Kriegsschwelle fungieren. Taiwan und seine internationalen Unterstützer stünden vor erheblichen Dilemmata.

In der Simulation übernahmen die Teilnehmenden die Rollen verschiedener Staaten, darunter EU-Mitgliedstaaten und NATO-Verbündete sowie ausgewählte Staaten des Indo-Pazifiks, darunter die Republik Korea (ROK), die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), Taiwan, Japan und Singapur. Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus Politik, Diplomatie, Sicherheitsbehörden, Wirtschaft und Think-Tanks schlüpften in die Rollen von Regierungsvertretern.

Insgesamt beteiligten sich 50 Personen, darunter 17 aktive Spieler und 33 Beobachter. Das Szenario umfasste zwei Runden. „In der ersten Runde setzte China durch Cyberangriffe auf Taiwan, Störungen der Energieinfrastruktur und koordinierte Informationskampagnen Taiwan und seine Partner unter Druck. Chinesische Sabotageakte auf See gefährdeten Taiwans Energieversorgung und Lieferketten. In der zweiten Runde verhängte die Volksrepublik offiziell eine Seeblockade und startete massive Militärmanöver. China drohte bei einem Durchbruch der Taiwan-Quarantäne mit dem Einsatz von Atomwaffen, begann bewaffnete Geleitzüge durch die Taiwanstraße und verursachte hierdurch massive Verzögerungen im Schiffsverkehr. Zusätzlich provozierte Russland mit einer Mobilisierung nahe den baltischen Staaten.

In der Simulation handelten die USA und Japan vergleichsweise geschlossen, während Südkorea zurückhaltend reagierte. Auch die EU blieb zögerlich; ihre Mitgliedstaaten waren uneinig. Die Simulation verdeutlichte die starke Abhängigkeit vieler Staaten von ausländischen Energie- und Handelsbeziehungen. Viele Staaten sind nur begrenzt darauf vorbereitet, über einen längeren Zeitraum politischem und wirtschaftlichem Druck standzuhalten.

Auf dieser Grundlage formuliert das Papier konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung von Resilienz, Abschreckungsfähigkeit und Krisenreaktionsmechanismen. Dazu gehören Notfallpläne, ausreichende Vorräte, klare Zuständigkeiten und abgestimmte politische Entscheidungen. Nur so kann verhindert werden, dass Abhängigkeiten und fehlende Vorbereitung in einer Taiwan-Krise zu ernsthaften politischen und wirtschaftlichen Schäden führen.

Aurelia Schlosser studiert Koreanistik und Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und absolviert ein Praktikum im Büro der Stiftung in Seoul.

Sie können den Bericht hier herunterladen (auf Englisch)